CAPE CANAVERAL / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine SpaceX Falcon-9-Rakete brachte diese Woche die Crew 13 zur Internationalen Raumstation. Die NASA-Astronautin Jessica Watkins, Pilot Luke Delaney, der russische Kosmonaut Sergey Teteryatnikov und der kanadische Astronaut Joshua Kutryk starteten von Pad 40. Ursprünglich war der Flug für Mitte September geplant, wurde aber wegen eines Lecks an einem Ventil im Antriebssystem der Crew Dragon verschoben. Entscheidend ist nun die Anflugphase: Die Kapsel soll in nur acht Stunden an der Harmony-Modul-Andockstelle eintreffen.

Crew 13 startet zur ISS: Rekord-Andocken in acht Stunden
Crew 13 startet zur ISS: Rekord-Andocken in acht Stunden (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem Start der Crew 13 rückt ein ganz praktischer Teil der Raumfahrttechnik wieder in den Fokus: Wie schnell eine bemannte Kapsel nach dem Erreichen der Bahn ihren Kurs zur Raumstation sauber „einsortiert“. Die Mission setzt dabei auf eine bewährte Kombination aus Falcon 9 als Träger und SpaceX Crew Dragon als Transportfahrzeug, aber im Zeitplan steckt dennoch ein Engineering-Thema. Crew 13 startete am Donnerstag um 11:10 Uhr EDT von Pad 40 der Cape Canaveral Space Force Station. Die Besatzung besteht aus Jessica Watkins als Kommandantin, Luke Delaney als Pilot, dem russischen Kosmonauten Sergey Teteryatnikov sowie dem kanadischen Astronauten Joshua Kutryk. Dass die Mission rund um die Startphase umdisponiert werden musste, ist ebenfalls ein Hinweis auf die Robustheit des Ablaufs: Statt wie zunächst für Mitte September geplant abzuheben, wurde die Crew Dragon wegen eines Lecks an einem Ventil im Propulsionssystem erstattet und der Start nach hinten verlegt.

Technisch ist vor allem die Kopplungslogik für Rendezvous-Missionen entscheidend. Für solche Flüge ist die Startzeit nicht „nach Kalender“, sondern nach Geometrie gewählt: Wenn die Erdrotation den Startplatz in die Bahnebene der ISS bringt, lässt sich die Station überhaupt erst als Ziel „einholen“. Genau deshalb wird ein Startfenster so gewählt, dass die Rakete und die nachgeschaltete Flugphase die notwendige Bahnparameterlage erreichen. Die Einschränkung dabei: Falcon 9 kann keine Bahnebene wechseln, weil die Systeme dafür keine ausreichenden Bahnmanöver besitzen. Die Crew Dragon übernimmt folglich den effektiven Feinschliff über die Höhenführung. Durch Wechsel der Flughöhe kann sie schneller oder langsamer werden, bis sie die ISS zeitlich und räumlich trifft. In diesem Fall ist das Ziel bereits konkret: Für den Anflug ist eine automatisierte Kopplung am vorderen Andockport des Harmony-Moduls vorgesehen, für die NASA eine Zeit von acht Stunden für das Einholen nennt – ein neuer Rekord im Kontext dieser Art von Rendezvous-Zeitspanne.

Auch innerhalb der Besatzung zeigt sich, dass Raumfahrt inzwischen wie ein Team aus unterschiedlichen Qualifikationsprofilen funktioniert. Watkins bringt eine wissenschaftliche Laufbahn mit: Sie verfügt über eine Promotion in Geologie und war bereits 2022 mit einer Crew Dragon im All. Delaney und Kutryk kommen aus dem militärischen Testpilotenumfeld; Teteryatnikov arbeitete zuvor in der russischen Marine bei der U-Boot-Streitkraft, bevor er Kosmonaut wurde. Diese Mischung ist für den Betrieb relevant, weil sie sich auf mehrere Rollen verteilt: Flugführung, Systemevaluation, Aufgabenkoordination sowie die Vorbereitung von Außenbordeinsätzen. Kutryks private Situation unterstreicht zudem, dass Missionen auch logistische Personalthemen in sich tragen: Er und seine Frau Heather erwarten ihr drittes Kind ungefähr zur Zeit Thanksgiving, also etwa zwei Monate nach Beginn der Crew-13-Mission. Auf Plattform X schrieb Kutryk: „Leaving these three (plus one on the way) is the hardest thing I’ve ever done“. Und er ergänzt sinngemäß, dass Exploration immer auch den Abschied einschließt, bevor er den norwegischen Arktisforscher Fridtjof Nansen zitiert. Solche Aussagen verändern die Wahrnehmung der Mission nicht technisch, aber sie zeigen, wie sehr Raumfahrtbetrieb aus persönlicher Vorbereitung und Planung besteht.

Für Unternehmen und Technikteams ist besonders interessant, wie stark der ISS-Alltag aus wiederholbaren Infrastrukturbaugruppen besteht – und wie viele Missionsschritte deshalb parallel laufen. Crew 13 erwartet eine „sehr geschäftige“ Zeit mit Wartung sowohl innen als auch außen an der Station, inklusive mehrerer geplanten EVAs (Weltraumspaziergänge). Dazu kommen Aufgaben rund um die Aufnahme und das Einlagern besuchender Fahrzeuge („visiting vehicle capture and stowage“), außerdem umfangreiche wissenschaftliche Aktivitäten sowie Outreach-Formate. Dass die Station dabei wie ein komplexes System mit mehreren Lieferketten arbeitet, wird auch in der Folgeplanung sichtbar: Nach dem Crew-12-Wechsel wird der Harmony-Port für ein SpaceX Cargo Dragon-Frachtschiff frei, das voraussichtlich am 13. Oktober mit Crew-Versorgungen, wissenschaftlichen Geräten, Ersatzteilen und zwei ausrollbaren Roll-out-Solararray-Elementen beladen wird. Die groß angelegte Solaranlagen-Aufrüstung ist wiederum kein isoliertes „Upgrade“, sondern die Fortsetzung eines Projekts, das bereits mit ersten Installationen im Juni 2021 begonnen wurde; die letzten zwei Sets sollen Ende des Monats beziehungsweise Anfang November während Außenbordeinsätzen montiert werden.

Der wissenschaftliche Kern bleibt dabei klar: NASA-Missionen zur ISS sind auf Forschung im Mikrogravitationsumfeld ausgerichtet, und die Crew ergänzt den laufenden Betrieb für neue Experimente sowie Technologiedemonstrationen. Für Crew 13 nennt die NASA konkrete Themenfelder. Dazu zählt die Erforschung, wie aus menschlichen Stammzellen abgeleitete Gewebestrukturen helfen könnten, Herzkrankheiten und Parkinson besser zu verstehen – mit dem Ziel, Medizin, Krankheitsmodelle und pharmazeutische Tests zu verbessern. Daneben stehen Arbeiten zur Pflanzenproduktion im Kontext längerer Missionen, Untersuchungen zu Blutfluss-Anomalien, die im All auftreten, sowie Tests neuer diagnostischer Medizintechnik, um die Gesundheit der Besatzung besser überwachen zu können. In der Praxis bedeutet das: Die Crew muss nicht nur Experimente durchführen, sondern auch Mess- und Prozessketten stabil halten, Gerätewechsel sauber dokumentieren und die Ergebnisse so vorbereiten, dass sie später in Laboranalysen außerhalb der Umlaufbahn weiterverarbeitet werden können.

Im größeren Kontext zeigt die Mission außerdem, wie international die ISS-Betriebslogik inzwischen zusammengesetzt ist. Trotz politischer Spannungen zwischen Staaten bleibt die technische Zusammenarbeit bestehen: Die kanadische Raumfahrtagentur liefert unter anderem Roboterarme für die Station, und ein kanadischer Astronaut war auf einer Artemis-II-Mission rund um den Mond im Einsatz. Kutryk ist damit der 17. Kanadier, der ins All geflogen ist. Gleichzeitig knüpft die Mission an die aktuelle Besatzungsrotation an: Crew 12 befindet sich in den letzten Zügen eines 235-tägigen Aufenthalts, der mit einem Start am 13. Februar begonnen hat. Nach einem beschleunigten „Crew handover“ wechseln die Verantwortlichkeiten; die Entkopplung ist für den 5. Oktober geplant, die Landung im Pazifik vor der Küste Südkaliforniens für den 6. Oktober. Für Crew 13 beginnt damit ein Abschnitt, in dem sich die nächsten Monate zwar nach außen wie ein „statischer“ Leben-auf-dem-Raumlabor Eindruck machen, intern aber aus ständiger Wartung, Kopplung von Versorgungsschiffen und laufenden Forschungszyklen bestehen.


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