LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Welle von Cyberangriffen bedroht die Sicherheit von E-Commerce-Plattformen weltweit. Sicherheitslücken in Magento-Shops und neuartige Skimmer, die WebRTC nutzen, gefährden sensible Kundendaten. Experten warnen vor einer zunehmenden Professionalisierung der Angreifer, die es auf Zahlungsinformationen abgesehen haben.

Die Bedrohungslage für Online-Händler hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschärft. Eine kritische Sicherheitslücke, bekannt als ‘PolyShell’, wird massenhaft ausgenutzt, um schädlichen Code in Magento-Shops einzuschleusen. Diese Schwachstelle betrifft sowohl Magento Open Source als auch Adobe Commerce und ermöglicht es Angreifern, ohne Authentifizierung auf Benutzerkonten zuzugreifen. Trotz der Bereitstellung von Patches durch Adobe waren viele Shops aufgrund der anfänglichen Alpha-Version der Updates ungeschützt.
Parallel dazu haben Cyberkriminelle eine neue Art von Skimmer entwickelt, die WebRTC nutzt, um Zahlungsdaten abzugreifen. Diese Technik umgeht traditionelle Sicherheitsmaßnahmen, die sich auf HTTP-Datenverkehr konzentrieren. Stattdessen kommuniziert die Malware über verschlüsselte WebRTC-Datenkanäle, die für viele Sicherheitssysteme nahezu unsichtbar sind. Diese raffinierte Methode stellt eine erhebliche Gefahr für Online-Shops dar, insbesondere wenn spezielle WebRTC-Kontrollen fehlen.
Ein weiterer besorgniserregender Trend ist die gezielte Magecart-Kampagne, die spanische Online-Händler ins Visier nimmt. Die Angreifer nutzen eine Infrastruktur aus über 100 Domains, um den lokalen Zahlungsdienstleister Redsys zu imitieren. Durch das Kapern des Checkout-Prozesses und das Fälschen von Zahlungsseiten werden Kreditkartendaten über WebSockets ausgeleitet. Diese mehrstufige Architektur macht die Kampagne besonders widerstandsfähig gegen Abschaltungen.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine beunruhigende Professionalisierung der Cyberkriminellen. Beim sogenannten Digital Skimming injizieren Angreifer unsichtbaren Code in Zahlungsseiten, der im Browser des Kunden läuft und sensible Daten direkt an die Täter überträgt. Die Folgen für Verbraucher sind gravierend: Neben finanziellen Verlusten droht auch Identitätsdiebstahl. Unternehmen müssen mit Imageschäden und hohen finanziellen sowie rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Um sich zu schützen, sollten Händler regelmäßige Sicherheitsaudits und Penetrationstests durchführen. Eine strikte Content-Security-Policy kann das Laden externer Skripte beschränken. Verbraucher sollten beim Online-Einkauf auf das HTTPS-Symbol und vertrauenswürdige Zahlungsanbieter achten sowie ihre Kontoauszüge regelmäßig auf verdächtige Transaktionen prüfen. Nur durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Sicherheitsexperten und Behörden lassen sich diese hartnäckigen Bedrohungen wirksam bekämpfen.
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