LONDON (IT BOLTWISE) – Der Dacia Spring startet in den zweiten Frühlng mit spürbaren Änderungen bei Design, Platzangebot und Ausstattung. Der neue Spring II kommt auf die RG-EV-Plattform und wächst gegenüber dem Vorgänger in Länge um 6 Zentimeter sowie in der Breite um 16 Zentimeter. Gleichzeitig bleibt das Setup auf bezahlbare Reichweite ausgelegt: 27,5-kWh-LFP-Akku, rund 250 Kilometer nach WLTP und optionales Schnellladen bis 50 kW. Zum Marktstart im Dezember soll die Einstiegsvariante unter 18.000 Euro kosten.

Der zweite Frühling des Dacia Spring klingt im Marketing-Deutsch nach einem Zyklusbegriff, wirkt aber vor allem wie eine technische Standortbestimmung: Dacia will aus dem Einstieg in die E-Mobilität nun einen Kleinwagen machen, der im Alltag nicht nur „funktioniert“, sondern sichtbar erwachsener aussieht. Das beginnt bei der Plattform-Logik, setzt sich in der Karosserie fort und endet in Details wie einem 18-Liter-Frunk oder einem kompakteren, aber alltagstauglichen Ladeprofil. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, dass der Spring plötzlich „neu“ erfunden wäre, sondern dass die zweite Generation konsequent dort nachschärft, wo Käufer beim ersten Modell üblicherweise Kompromisse spüren.
Beim Wechsel auf den neuen Spring II bleibt Dacia in der Grundarchitektur auf der RG-EV-Plattform – technisch also auf einem gemeinsamen Fundament innerhalb der Renault-Gruppe. Der fröhlichste Vergleich zum Konzernbruder ist dabei nicht die Ästhetik, sondern die Maße: Mit 3,85 Metern Länge liegt der Spring 6 Zentimeter vor dem Twingo E-Tech. Noch stärker fällt die Veränderung in der Breite aus: 1,74 Meter statt zuvor nur 1,58 Meter – damit wirkt das Fahrzeug auf Bildern und in der Einpark-Situation deutlich stabiler. Trotz dieser Zunahmen bleibt das Gesamtgewicht laut Hersteller bei 1,2 Tonnen, was die Grundlage für den versprochenen Effizienzpfad liefert. Dacia nennt 12,7 kWh auf 100 Kilometer (WLTP), womit der Wagen in seiner Klasse nicht nur preis-, sondern auch verbrauchstechnisch argumentieren will.
Auch der Design-Teil wirkt wie ein bewusstes „Weg vom Spielzeug“-Statement. Dacia schreibt den Design-Mix dem Team um David Durand zu; die Front ist hochgezogen und trägt klarere, kantigere Linien, während das Dach optisch stärker von der Karosserie getrennt wird. Auffällig sind serienmäßige LED-Lichter vorn und hinten, die laut Beschreibung im Gehäuse um 45 Grad gespiegelt sind, um mehr Fläche zu simulieren. Dazu kommen massive Stoßfänger aus unlackiertem schwarzem Kunststoff, die vordergründig robust wirken sollen und zugleich optische Übergänge entschärfen. Gleichzeitig bleibt die technische Nähe zum Twingo sichtbar: Durand zufolge transplantiert die Gruppe nahezu die gesamte Dachpartie einschließlich Fensterlinie – Ähnlichkeiten lassen sich also finden, aber sie sollen im Gesamteindruck nicht wie ein „Rebadging“ wirken.
Praktischer wird der Spring II dort, wo Platz spürbar wird. Vorne schafft der längere Rad-/Karosserieaufbau Platz für einen 18-Liter-Frunk, während der Kofferraum hinten laut Daten auf 337 bis 1.283 Liter wächst. Dacia betont dabei explizit, dass innen „noch erstaunlicher Platz“ für vier Erwachsene vorhanden sei und nennt auf der Rückbank ordentliche Knie- und Kopffreiheit. Das ist für diese Fahrzeugklasse mehr als nur Komfort: Wer als Familie oder Pendler den Wagen tatsächlich nutzt, braucht einen Innenraum, in dem Alltagsgegenstände ohne dauernde Improvisation verstaut werden können. Kleine Abstriche bleiben allerdings erkennbar: Die nicht versenkbaren Scheiben begrenzen den Komfort, und bei den Ausstellfenstern setzt Dacia offenbar auf ein preiswerteres Niveau.
Die Kommunikation aus dem Herstellerlager zielt auf konsequentes Sparen ohne „ärmliche“ Umsetzung. Durand sagt dazu: „Jedes Element muss auch einen praktischen Nutzen haben“. Technisch zeigt sich diese Philosophie auch im Infotainment: Zwei Displays – 7 Zoll und 10,1 Zoll – werden vom Twingo übernommen und mit einer eigenen Grafik bespielt, die Dacia als mindestens gleichwertig positioniert. Dazu kommen Staufächer für den täglichen Kleinkram und eine Gestaltung, bei der das Agaveblau der Polster als horizontaler Streifen am Armaturenbrett wieder auftaucht. Wichtig ist: Der Spring bleibt damit nicht nur ein Kostenspar-Objekt, sondern bekommt ein konsistenteres Innenbild, das die Nähe zum größeren Modellportfolio der Gruppe leichter vermittelt.
Bei der Antriebstechnik bleibt Dacia bewusst eng am Zielprofil der Zielgruppe. Der Spring II kommt mit 60 kW / 80 PS und einer 27,5 kWh-LFP-Batterie, die im Unterboden sitzt. Damit nennt Dacia eine Reichweite von rund 250 Kilometern (WLTP). Noch stärker als die Reichweite ist jedoch das Laden als Alltagsthema: Der serienmäßige Akku füllt sich laut Hersteller sehr bedächtig mit nur 6,6 kW. An der Haussteckdose dauert das Laden von 15 bis 80 Prozent neun Stunden, an der Wallbox fast drei Stunden. Wer schneller laden will, bekommt gegen Aufpreis ein Paket mit AC-Laden bis 11 kW (1 Stunde 55 Minuten von 15 bis 80 Prozent) sowie DC-Laden bis 50 kW (28 Minuten). Dazu kommt eine Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), also die Versorgung externer Elektrogeräte direkt aus dem Fahrzeug.
Für den Marktstart im Dezember nennt Dacia vier Farben und zwei Ausstattungslinien. Die Einstiegsvariante „Expression“ soll unter 18.000 Euro liegen und kommt unter anderem mit 15-Zoll-Stahlrädern, manueller Klimaanlage und Media Paket. „Journey“ startet laut Angaben unter 20.000 Euro und bringt zusätzlich 16-Zoll-Räder, eine Rückfahrkamera sowie ein höherwertigeres Media-System und mehr Konnektivität. Mit dieser Preisstaffel versucht Dacia, den Spring II als ersten echten Schritt in Richtung E-Alltag zu positionieren – nicht als Nischenexperiment. Ob Käufer das in der Praxis mitnehmen, hängt dann vor allem davon ab, wie gut sich das Ladeprofil im eigenen Tagesablauf integrieren lässt und wie stark das größere Platzangebot den Umstieg vom Gebrauchtwagen erleichtert.
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