EVANSTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Künstlerin Dana De Ano hat den früheren Shaver Shop in der 1609 Maple Ave. in ein eigenes Atelier umgebaut. Aus einem dunklen, engen Ladenraum wurde innerhalb von rund drei Monaten ein offener, lichtdurchfluteter Arbeitsbereich. Besonders das natürliche Tageslicht und eine spezielle Wandlösung mit Metall-Track prägen den Arbeitsalltag. Auch ihr Ansatz hat sich verändert: Sie geht mehr Risiken ein und arbeitet nach dem Wechsel zu dickerem Papier stärker in Richtung malerischer Mischtechnik.

Wer heute in Evanston an der 1609 Maple Ave vorbeigeht, sieht über dem Schaufenster weiterhin die alten Buchstaben „The Shaver Shop“ – allerdings mit einer neuen Nutzung im Inneren. Dana De Ano hat den Laden im Oktober 2025 übernommen und ihn nach dem endgültigen Schließen des Geschäfts im Mai 2025 in ihr Studio verwandelt. Das ist mehr als nur eine klassische Umnutzung: Der Raumwechsel verschiebt den gesamten Arbeitsrhythmus, weil Licht, Laufwege und Präsentationsflächen unmittelbar bestimmen, wie schnell sich Ideen überprüfen lassen.
Ausgangspunkt war ein Zustand, den De Ano als dunkel und beengt beschreibt. Innerhalb von etwa drei Monaten baute sie den ehemaligen Laden so um, dass heute beim Hineingehen ein Gefühl von Offenheit und Helligkeit dominiert. Auffällig ist, dass sie die Deckenleuchten nur selten einschaltet, obwohl der Raum tagsüber stark vom Tageslicht profitiert. Gerade für künstlerische Materialprozesse ist das relevant: Helligkeit beeinflusst die Wahrnehmung von Texturen, Trocknungszuständen und Kontrasten, also genau jenen Faktoren, die bei ihren Arbeiten in Richtung „painterly“ Mischtechnik und dickerem Papier eine größere Rolle spielen als bei früheren, stärker zeichnerisch geprägten Varianten.
Technisch betrachtet ist die Gestaltung des Ateliers ein praktisches System aus Beobachtung, Review und Iteration. De Ano nutzt eine Wandfläche, an der sie ihre Arbeiten an einer Metall-Schiene befestigt, um sie aus größerer Distanz zu prüfen. Das klingt zunächst nach einer simplen Organisationsmaßnahme, entspricht aber im Kern einer methodischen Qualitätskontrolle: Statt jedes Blatt nur im Nahbereich zu beurteilen, verändert sie die Perspektive bewusst, um Proportionen, Oberflächenwirkung und Gesamtkomposition zuverlässig zu bewerten. Auch der Grundriss liefert dafür Mechanik: Der nordseitige, dreieckige Bereich schafft eine Art Nische, in der zwei Couches einladend wirken und zugleich als Treffpunkt für Klienten und Freunde dienen.
Parallel dazu übernimmt ein Schreibtisch an einem der Fenster die Rolle des Arbeits- und Bürobereichs. Diese klare Trennung ist für viele Kreative mehr als Komfort, weil sie den mentalen Modus wechselt: Kreativarbeit läuft an der offenen Fläche mit viel Licht, während Planung, Absprachen und Dokumentation in der ruhigen Fensternähe stattfinden. De Ano beschreibt außerdem, dass der neue Raum ihren Umgang mit dem eigenen Werk verändert hat. Konkret sagt sie, sie nehme mehr Risiken und bewege sich stärker in eine malerischere Richtung, nachdem sie auf dickeres Papier umgestellt hat. Der Materialwechsel wirkt dabei wie ein Hebel: Dickeres Papier bietet oft mehr Widerstand und trägt Schichten anders, wodurch Bewegungen wie Schneiden, Zerreißen oder mechanisches Einarbeiten von Strukturen leichter zu einer „gemalten“ Gesamtwirkung führen können.
Ihr Prozess startet zudem nicht mit dem leeren Blatt, sondern mit dem Sammeln. Sie durchforstet laufend Estate Sales und stößt in lokalen Vintage-Shops auf interessante Gegenstände. Diese Praxis wirkt wie ein Vorstufe-Workflow: Aus einer breiten Materialbasis werden nach dem Aussortieren genau jene Elemente ausgewählt, die später im Werk „funktionieren“. Danach folgt das eigentliche Arbeiten am Papier – je nach Material mit Farbe, Graphit, Brennen oder Zerreißen. Anschließend beschreibt sie eine Art „Tanz“ aus mehreren Handgriffen: Sie näht, bewegt Dinge, arbeitet mit dem Skizzenbuch und führt alles so lange zusammen, bis es integriert wirkt. In solchen Beschreibungen steckt auch eine Lernkurve: Jede Technik verändert die Randbedingungen, etwa wie Kanten reagieren, wie sich Pigment mit Fasern verhält oder wie stark sich aufgesetzte Objekte in die Fläche einbetten lassen.
Für die Einordnung ihres Stils nennt De Ano abstrakte Landschaften als Ausgangspunkt – allerdings mit nicht-traditionellen Materialien, die sie weiterhin „drawings“ nennt, obwohl die Arbeiten zunehmend als malerische Mixed-Media-Werke auf Papier erscheinen. Als Inspirationsanker führt sie eine große Installation von Sarah Sze an, die in den späten 1990er-Jahren im Yerba Buena Center for the Arts zu sehen war. Entscheidend ist dabei weniger der Name der Referenz als die Aussage „Wow, das ist möglich“: Die Begegnung mit einer großformatigen, installationstauglichen Bildsprache hat ihr offenbar den Handlungsspielraum erweitert. Interessant ist auch ihre Verselbstständigung in der Vermarktung: Sie ist self-represented, arbeitet seit etwa fünf Jahren mit Aufträgen für Interior Designer, Art Consultants und Art Advisors. Daraus entstanden Installationen, darunter eine in der Amazon-Zentrale in Seattle, und jüngst finden ihre Arbeiten verstärkt in New York neue Käufer.
Auch wenn der Artikel primär vom Atelier und seinem Prozess erzählt, lässt sich der Markt- und Technikaspekt indirekt mitdenken. In der Kreativbranche werden digitale Werkzeuge zunehmend genutzt, um Entwürfe schneller zu iterieren, Distanzeffekte zu simulieren oder Materialtests zu dokumentieren. Gleichzeitig zeigt De Anos Vorgehen, dass physische Methoden – etwa Brennen, Nähen oder das gezielte Einarbeiten von Elementen – weiterhin einen eigenen Wert haben, weil sie Prozess und Ergebnis direkt koppeln. Ihr Studio in Evanston macht dabei deutlich, dass Infrastruktur im Kleinen entsteht: Raumgeometrie, Lichtregime, Review-Flächen und klare Arbeitszonen sind wie Bausteine einer „KI-ähnlichen“ Arbeitslogik, nur eben ohne Modelltraining – mit echter Handarbeit als Taktgeber.
Für andere Schaffende und Unternehmen, die Kreativräume planen oder als Kollaborationsfläche nutzen wollen, liefert der Umbau ein anschauliches Referenzmodell. Ein geschlossenes Geschäftslayout lässt sich nicht nur optisch öffnen, sondern auch funktional in einen Workflow übersetzen. De Ano hat das in ihrer Größenordnung vorgeführt: drei Monate Umbau, danach ein Alltag, in dem sie das Tageslicht bewusst ausnutzt und die Begutachtung über eine Metall-Schiene aus Distanz organisiert. Ob man am Ende stärker zeichnerisch oder malerisch startet, entscheidet sich oft an den kleinen, wiederkehrenden Entscheidungen – und genau diese hat ihr neues Studio in den Mittelpunkt gestellt. Wer ihre Arbeiten sehen will, verweist im Bericht auf ihre Website.
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