LEBANON (N.H.) / LONDON (IT BOLTWISE) – Dartmouth bündelt die Unterstützung für Veteraninnen und Veteranen künftig stärker in einem eigenen Office. Zur Veterans-Day-Woche sind mehrere Formate geplant, darunter ein Town Hall am 10. November sowie der jährliche Remembrance Breakfast am 11. November. Gleichzeitig wächst die Zahl der studentischen Veteranen laut Meldung deutlich, unterstützt durch ROTC-Präsenz und gezielte Programme wie Net-Workshops. Im Mittelpunkt steht dabei weniger ein „Programmskalender“, sondern die Frage, wie sich Erfahrungen im Campus-Alltag verankern lassen.

Wenn eine Universität die Zahl ihrer studentischen Veteranen spürbar erhöht, reicht ein einzelnes Ereignis im Jahreskalender selten aus. Dartmouth kündigt deshalb eine deutliche Verstetigung an: Mit dem Aufbau einer zentralen Anlaufstelle sollen Menschen mit militärischer Vergangenheit im gesamten Campusalltag besser begleitet und sichtbarer vernetzt werden. Die Initiative ist an konkrete Ziele geknüpft, etwa den Ausbau der ROTC-Präsenz sowie das weitere Stärken eines Netzwerks aus militärisch verbundenen Studierenden, Mitarbeitenden und Lehrenden. Präsidentin Sian Leah Beilock stellte diese Richtung im Rahmen des Veterans-Day-Frühstücks 2025 heraus.
Technisch wirkt das auf den ersten Blick eher wie Organisationsentwicklung als IT: Dartmouth setzt auf Schnittstellen, Rollen und Kommunikationswege. Seit Juli ist Morgan Ogreen als inauguriertes Leitungsteam der „Office of Military and Veteran Support“ tätig und damit in einer Funktion, die ausdrücklich über einzelne Veranstaltungen hinausgeht. Das Office soll die ganze Dartmouth-Community unterstützen, also nicht nur Studierende, sondern auch Personen mit militärischem Hintergrund, die an anderen Stellen im Betrieb aktiv sind. In den begleitenden Aussagen wird zudem sichtbar, dass „Bündelung“ hier konkret bedeutet: Wissen über Ansprechpartner, Anlaufwege und Angebote wird nicht in Silos verteilt, sondern in einer zentralen Struktur zusammengeführt.
Die folgenden Events sind damit weniger „Anlässe zum Abhaken“ als konkrete Gelegenheiten für Austausch. Am 10. November findet ein Vortrag mit dem Titel „Honoring All Who Served“ statt, um 4:30 Uhr in Haldeman 041 sowie online. Im Anschluss beginnt um 6 Uhr eine Vets Town Hall, gesponsert vom Veterans Employee Resource Network (VERN). Auffällig ist, dass das Forum in diesem Jahr ausdrücklich für Veteranen und andere Mitglieder der militärisch geprägten Community geöffnet ist, die ihre persönliche Perspektive einbringen möchten. Jason Mosel, Marine-Veteran und Netzwerkingenieur aus dem Umfeld Information Technology and Consulting, wird als Moderator auftreten und beschreibt die Logik der Town Hall als „fluid“ statt „scripted“.
So wird die Form des Gesprächs selbst zum Kommunikationswerkzeug: In der Town Hall soll der Austausch nicht nur zwischen „Gleichgesinnten“ stattfinden, sondern auch anderen Community-Mitgliedern offenstehen, die nicht zwingend militärisch verbunden sind. Mosel formulierte sinngemäß, dass „jedermann“ sprechen und aus unterschiedlichen Dienstgraden berichtet werden könne, und ergänzte, dass auch Menschen aus der Umgebung einfach zuhören können. Diese Offenheit korrespondiert mit einem weiteren Element der Woche: Am 11. November startet der Tag mit dem jährlichen Veterans Day Remembrance Breakfast um 8 Uhr in 53 Commons, gesponsert vom Office of Human Resources. Sprecherin ist Amy Florentino Tuck ’10, klinische Professorin für Business Administration und ehemalige Coast-Guard-Officer. Ihr Hintergrund verbindet akademische Lehre mit langjährigem aktiven Dienst, und zusätzlich wird ihr Bezug zu unterschiedlichen Branchen sichtbar: Ihr Consulting-Unternehmen Wavetop Solutions arbeitet laut Meldung mit Führungskräften aus Landwirtschaft, maritime Sektoren und dem Non-Profit-Bereich.
Parallel zu den Hauptformaten plant Dartmouth weitere niedrigschwellige Angebote, die eher auf „Beziehungspflege“ als auf formale Programmpunkte hinauslaufen. So sind Veteranen eingeladen, sich während des Frühstücks oder zwischen 11 und 15 Uhr im Collis-Gebäude bei der Office-Struktur einen Becher mit Goodies abzuholen. Außerdem wird über den Tag hinweg eine Ausstellung zu Dartmouth Military Artifacts in der Rauner Library gezeigt, während das ROTC am späten Nachmittag (4:30 Uhr auf dem Green) mit Retreat und Drill Ceremony präsent ist. In der gleichen Woche besuchen Veteranen zudem Social-Studies-Unterrichtseinheiten an der Hanover High School, um mit Schülern über ihren Dienst ins Gespräch zu kommen. Gerade diese Mischung aus Campus- und Outreach-Formaten macht deutlich, dass es nicht nur um „Dank“ geht, sondern auch um Anschlussfähigkeit: Erfahrungen sollen in lokale Bildungs- und Gemeinschaftskontexte hineinwirken.
Die organisatorische Entscheidung bekommt zusätzlichen Substanzbezug über die Zahlen, die Dartmouth nennt. Morgan Ogreen berichtet, dass die Zahl der undergraduate veterans zuvor bei etwa einem Dutzend lag. Aktuell seien es 21 undergraduate veterans, zudem 26 ROTC-Cadets. In den Graduate- und Professional Schools liege die Zahl der Veteranen laut Meldung bei über 80, etwa ein Drittel mehr als seit Juni. Dazu kommt eine sichtbare Zunahme von Outreach, Sichtbarkeit und Programmierung. In April nahmen laut Meldung 30 Fakultäts- und Mitarbeitende an einem Vet Net Ally Workshop teil, um Erfahrungen und Perspektiven studentischer Veteranen besser zu verstehen. Im Juli richtete das College außerdem ein College-Readiness-Bootcamp für Veteranen und Militärangehörige aus, und im September besuchte Rear Admiral Michael Freidberg ’88 den Campus, um mit der Community über die Mission der Navy zu sprechen.
Auch wenn die Meldung primär eine institutionelle Entwicklung beschreibt, lässt sich daraus ein organisations- und marktnahe Muster erkennen: Viele Hochschulen bemühen sich um „Student Support“, scheitern aber häufig an der Übersetzung von Angeboten in tatsächliche Nutzung. Dartmouth versucht diese Lücke über ein Office als Kommunikationsknoten zu schließen. Ogreen bringt diese Idee mit „Momentum“ und „real spark“ auf den Punkt: „Most importantly, I want the community to realize they are supported and celebrated every day at Dartmouth.“ Dass es täglich statt nur am Feiertag funktionieren soll, verweist auf die langfristige Wartung von Netzwerken, nicht nur auf die Durchführung einzelner Events. Mosel ergänzt den Ansatz mit einem klaren Community-Vokabular und beschreibt das VERN als Raum, in dem Rang „abstreifbar“ wird und „everyone is just a veteran or somebody who is supporting veterans“.
Auf der Akteursseite stehen neben den Office- und Netzwerkstrukturen auch konkrete Beteiligungen von Einzelpersonen. Laura Vestal ’28, Executive Officer in der Dartmouth Undergraduate Veterans Association, hebt als Favorit die Interaktion mit Community-Mitgliedern hervor, auch mit anderen Veteranen. Adam Svoboda ’27, ROTC-Cadet, plant die Teilnahme an der Flag-Folding Ceremony am 11. November und beschreibt Events als Brücke zwischen der Veteranen-Community und ROTC. Jack Hatheway ’17, Army-Veteran, der nach dem Einstieg beim Studium nach Dartmouth zurückkehrte und heute Government studiert, sieht Veterans Day als Anlass, Kontakt zu Freunden aus der Zeit im Dienst aufzunehmen, die inzwischen über das ganze Land verteilt sind. Er verbindet den Gedanken an Service mit einem breiteren gesellschaftlichen Auftrag: „It doesn’t have to be in the military“, sagt er sinngemäß, und ergänzt, dass es viele sinnvolle Aufgaben gebe.
Damit zieht Dartmouth aus der beschriebenen Entwicklung eine klare Konsequenz: mehr Sichtbarkeit, mehr Austauschformate und ein zentraler Kommunikationskanal für diejenigen, die bisher oft zwischen Zuständigkeiten und Programmlinien laufen mussten. Der Nutzen für die Organisation liegt dabei nicht nur in besserer Betreuung, sondern auch in einer funktionierenden „Community Memory“ auf dem Campus: Wer heute als Veteran oder als Unterstützer hinzukommt, findet schneller Orientierung, weil Rollen, Ansprechpartner und Gesprächsformate strukturiert verfügbar sind. Das spiegelt sich in den Zusatzterminen rund um die Woche wider, darunter ein Veteran Community Get-Together mit Kaffee am 6. November, ein Employee Resource Network Wellness Retreat am 7. November, und mehrere Abendformate wie das 251st United States Marine Corps Birthday Ball. Unterm Strich verschiebt Dartmouth damit den Schwerpunkt vom Ereignis hin zur fortlaufenden Vernetzung – und nutzt gerade die Veterans-Day-Zeit als sichtbares Schaufenster dafür.
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