LONDON (IT BOLTWISE) – Die Nutzung von Meta-Brillen wirft erhebliche Datenschutzfragen auf, da private Videos zur Auswertung nach Afrika gesendet werden. Schwedische Journalisten deckten auf, dass die Daten nicht nur automatisiert, sondern auch manuell durch externe Firmen analysiert werden. Dies wirft Fragen zur Transparenz und zum Schutz der Privatsphäre der Nutzer auf.

Die jüngsten Enthüllungen über die Verarbeitung von Bild- und Videomaterial der Ray-Ban-Meta-Brillen haben erhebliche Datenschutzbedenken ausgelöst. Schwedische Journalisten fanden heraus, dass die von den Brillen erzeugten Daten nicht nur automatisiert, sondern auch manuell durch Mitarbeiter externer Datenannotationsfirmen ausgewertet werden. Im Zentrum dieser Kontroverse steht das Unternehmen Sama mit Sitz in Nairobi, das für die manuelle Analyse der Daten verantwortlich ist.
Besonders besorgniserregend ist, dass bei der Auswertung häufig private Inhalte wie Aufnahmen aus Badezimmern oder intime Szenen auf den Bildschirmen der Mitarbeiter erscheinen. Diese Inhalte würden Nutzer kaum freiwillig teilen. Zudem funktioniert die Anonymisierung oft nicht, sodass Gesichter klar erkennbar bleiben. Die manuelle Auswertung ist notwendig, um die Künstliche Intelligenz der Brillen zu verbessern, da Menschen die Inhalte markieren und erläutern müssen, um die Systeme zu trainieren.
Die psychische Belastung der Mitarbeiter ist hoch, da sie täglich zehn Stunden mit sehr persönlichen Inhalten konfrontiert sind. Gleichzeitig bestehen Existenzängste, da umfassende Vertraulichkeitsvereinbarungen gelten und Gespräche mit Außenstehenden zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können. Die Frage, inwieweit die Nutzer der Verarbeitung bewusst zugestimmt haben, bleibt offen, da die Aufklärung über den Datenschutz oft unzureichend ist.
Meta betont, dass die Verarbeitung der Daten datenschutzkonform sei und verweist auf die eigenen Datenschutzrichtlinien. Ein europäischer Vertreter des Unternehmens erklärte, dass der Standort der Datenverarbeitung gemäß Datenschutz-Grundverordnung zweitrangig sei, solange ein gleichwertiges Schutzniveau bestehe. Dennoch besteht für Kenia bislang keine EU-Anerkennung eines angemessenen Datenschutzniveaus, weshalb Meta vertragliche und rechtliche Schutzmaßnahmen sicherstellen muss.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Widerspruch zwischen der Vermarktung der Brille als Alltagsgerät und der Tatsache, dass in Kenia private Aufnahmen aus Wohnungen und Badezimmern ausgewertet werden. Die Frage bleibt, ob die Nutzer ausreichend über die Verarbeitung ihrer Daten informiert sind und ob die Datenschutzmaßnahmen tatsächlich ausreichen, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen.
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