FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Belastet von Inflationssorgen und der Erwartung steigender Zinsen startet der DAX in den Oktober mit Verlusten. Kurz nach Handelsbeginn gibt der Index rund 0,6 % nach und rückt wieder nahe an die 25.000-Punkte-Marke. Nach dem Rückfall aus der Nähe der 100-Tage-Linie droht ein neues Tief seit Ende Juli. Gleichzeitig könnten starke Quartalszahlen von Micron und sinkende Ölpreise Stabilität bringen.

Der DAX ist zum Oktoberauftakt spürbar zurück in die Zone der Unsicherheit gerutscht. Nachdem der deutsche Leitindex sich nach gut zwei Monaten wieder von der 25.000-Punkte-Marke hatte absetzen können, meldet der Markt nun erneut Inflationssorgen als Bremse: Direkt nach dem Börsenstart lag der Index rund 0,6 % im Minus bei 25.060 Zählern. Damit rückt die psychologisch wichtige Schwelle wieder näher an den Handel heran, nachdem sie im September noch als Halt diente, bevor es am Ende des Monats zu einem Verlust von insgesamt 4 % kam.
Aus technischer Sicht wirkt vor allem der Rückfall unter wichtige Trendmarken als Signal. Der Text verweist darauf, dass der DAX zuvor auch unter die 100-Tage-Linie gesackt war, die ihm in den letzten Tagen zuvor noch Halt gegeben hatte. In der aktuellen Lage wird außerdem die Zone um 25.160 Punkte als entscheidender Bereich beschrieben, in dem sich der Index im abgelaufenen Monat zweimal stabilisieren konnte. Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners bringt es auf den Punkt: Der Dax testet aktuell einmal mehr den unteren Rand seiner jüngsten Handelsrange. Für Anleger heißt das konkret, dass nicht nur die runde 25.000-Marke, sondern auch der Bereich dazwischen als „Stresstest“ fungiert.
Wenn diese Unterstützung nicht hält, verschiebt sich das Problem vom Chart in Richtung Liquidität und Geschwindigkeit der Abgaben. Altmann deutet an, dass dann automatisch die runde Marke von 25.000 wieder in den Fokus rückt. Zusätzlich schwingt in seiner Einordnung ein Rückblick auf die Ertragslage mit: Er formuliert, dass der DAX in diesem Jahr „nur noch von den Dividenden“ lebt und der DAX-Kursindex seinen Jahresgewinn bereits vollständig aufgegeben hat. Parallel dazu liefert der Markt ein klares Bild über die Breite der Bewegung: Auch der MDAX, also der Index der mittelgroßen Werte, sinkt um 0,6 % auf 30.650 Punkte; der EuroStoxx 50 verliert ebenfalls 0,4 % und steht bei 6.245 Punkten.
Am europäischen Aktienmarkt bleibt in solchen Phasen häufig weniger die Unternehmensstory als vielmehr die Makrolage der Taktgeber. Die Einordnung von Jochen Stanzl von der Consorsbank lautet entsprechend: Anleiherenditen seien der wichtigste Impulsgeber für den deutschen Aktienmarkt. Sein Hinweis ist marktmechanisch plausibel: Mit jeder neuen Verkaufswelle am Anleihemarkt wachse der Druck auf den DAX. Aus dem vorliegenden Kontext wird deutlich, dass insbesondere hohe Inflationszahlen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern die Abwärtsbewegung am Mittwoch ausgelöst hatten. Das wirkt in der Praxis über die Diskontierung zukünftiger Gewinne, also über die Bewertung von Wachstums- und Qualitätsaktien, die empfindlicher auf steigende Renditen reagieren.
Interessant ist jedoch, dass der Markt trotz negativer Vorgaben von Wall Street und Nasdaq eine Gegenbewegung über Unternehmensnachrichten erhalten könnte. Der Text nennt als möglichen Stabilitätsfaktor die nachbörslich berichteten starken Quartalszahlen von Micron (Micron Technology). Der Speicherchiphersteller habe ein weiteres Rekordquartal gemeldet und zugleich einen optimistischen Ausblick gegeben, selbst wenn er auch steigende Kosten erwähnt. Für die kurzfristige Kursreaktion ist dabei die Kombination aus Rekorden im Zahlenwerk und Guidance oft entscheidend, weil sie Planungssicherheit signalisiert und die Erwartungen an die nächste Ergebnissaison neu justiert.
Die Branchenwirkung zeigt sich laut Quelle nicht isoliert in Europa, sondern auch in Asien: Besonders in Japan und Südkorea habe der Bericht Technologieaktien sichtbar Auftrieb gegeben. Das passt zu einem typischen Muster im Halbleitersektor, in dem die Erwartung an die Speicher-Nachfrage und die Preisstabilität häufig schneller reagiert als breitere Konjunkturindizes. Daneben könnten auch wieder gesunkene Ölpreise eine Rolle für die Stabilisierung spielen, weil niedrigere Energiepreise die Inflationsfantasie dämpfen und damit zumindest einen Teil der Zinserwartungen bremsen. Für den DAX bedeutet das: Während Renditen und Inflation die Lage dominieren, kann ein gezielter News-Impuls aus dem Tech- und Chipumfeld kurzfristig Kaufinteresse bündeln.
Für Anleger stellt sich damit ein zweistufiges Bild dar. Auf der technischen Ebene ist die Zone um 25.160 Punkte die unmittelbare Weiche, darunter wird die „rundere“ Marke von 25.000 zum nächsten magnetischen Punkt im Orderbuch. Auf der fundamentalen Ebene entscheiden Anleiherenditen und die Makroerzählung über Inflation und Zinsen weiterhin darüber, wie weit Kursverluste abverkauft werden. Gleichzeitig zeigen die genannten Faktoren, dass der Markt in dieser Phase nicht nur defensiv reagiert: Starke Resultate wie von Micron und entlastende Impulse bei Rohstoffen könnten kurzfristig Gegenlicht erzeugen, bevor sich die große Frage klärt, ob die jüngste Handelsrange wieder nach oben verteidigt wird oder ob ein neuer Abwärtsimpuls durchschlägt.
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