LONDON (IT BOLTWISE) – Bitkom setzt mit einer digitalen DefTech Network-Session einen Fokus auf Finanzierungslücken für DefTech- und Dual-Use-Startups. Im Panel geht es um passende Finanzierungsrahmen für Entwicklung und Skalierung zwischen Venture Capital, Förderlogiken und weiteren Finanzierungswegen. Mit dabei sind Investment- und Innovationsakteure wie UVC Partners, HTGF und der CEO von Arcos. Entscheidend bleibt, wie sich Risiko, Laufzeiten und Skalierungsanforderungen in tragfähige Investitionsmodelle übersetzen lassen.

Die Frage, wie DefTech- und Dual-Use-Startups Finanzierung für den Weg von der Forschung in den Produktbetrieb erhalten, steht bei dieser digitalen DefTech Network-Session von Bitkom im Zentrum. Dort wird nicht nur über „Geld“ gesprochen, sondern über Rahmenbedingungen, die sich direkt auf Entwicklungstempo und Skalierungsfähigkeit auswirken: Laufzeiten bis zur Marktreife, der Charakter von Verträgen mit potenziellen Abnehmern und die Frage, wie Investoren technische Risiken in belastbare Business-Modelle übersetzen. Gerade in sicherheits- und verteidigungsnahen Märkten entstehen oft lange Zyklen, weil Validierung, Zertifizierung, Integration und Beschaffung typischerweise mehr Zeit brauchen als in klassischeren Software- oder Consumer-Umfeldern.
Technisch betrachtet liegt ein Kernproblem in der Unvereinbarkeit vieler Frühphasen-Investment-Logiken mit den typischen Entwicklungsannahmen von Deep-Tech und sicherheitskritischen Anwendungen. Während Venture-Capital-Akteure häufig auf klare Meilensteine, schneller messbare Traction und eine planbare Skalierung achten, sind DefTech-Projekte häufiger durch Hardware-Nähe, komplexe Systemintegration oder anspruchsvolle Einsatzszenarien geprägt. Das führt in der Praxis zu einer Förder- und Finanzierungsarithmetik, bei der nicht nur die Höhe des Kapitals zählt, sondern vor allem die passende Form: Eigenkapital für Risikoabsorption, Zuschüsse oder flankierende öffentliche Instrumente für nichtkommerzielle Schritte, und später Finanzierungsbausteine, die den Übergang zu wiederkehrenden Umsätzen oder größeren Programmvolumina abbilden.
Der Marktbezug wird in der Veranstaltung dadurch greifbar, dass mehrere Perspektiven aufeinanderprallen: Im Gespräch sind Amanda Birkenholz von UVC Partners, Dr. Koen Geurts als Senior Investment Manager bei HTGF und Louis Wübbnen, CEO & Co-Founder von Arcos (angefragt). Diese Konstellation spiegelt die Realität im Ökosystem wider: Private Investoren und staatlich geprägte Förder- bzw. Beteiligungslogiken müssen nicht identisch funktionieren, sie müssen aber zusammenspielen. In solchen Mischmodellen ist ein zentraler Hebel die Abstimmung zwischen Finanzierungsetappen und technischen Entwicklungsphasen, etwa wenn ein Startup erst nach belastbaren Feldtests oder Integrationsschritten überzeugend skalierbar wird. Genau hier entscheidet sich, ob ein Unternehmen durch eine „unpassende“ Kapitalstufe in einer Durststrecke landet oder ob es die Zeit bis zur Marktreife überbrücken kann.
Historisch betrachtet war die Finanzierung von Verteidigungs- und Sicherheitsinnovationen in vielen Ländern lange Zeit stärker von öffentlichen Beschaffungswegen, von Programmen mit staatlicher Zielsetzung und von nachgelagerten Industriepartnerschaften geprägt. Erst mit der wachsenden Zahl dual-use-orientierter Startups wurde das Thema Venture-Beteiligung prominenter – verbunden mit der Erwartung, dass sich auch hier Software- und Technologieunternehmen wie „klassische“ Wachstumsstories behandeln lassen. In der Praxis kollidiert diese Erwartung jedoch oft mit unterschiedlichen Unsicherheiten: weniger planbare Absatzmärkte, strengere Anforderungen an Nachweisbarkeit und ein Beschaffungsprozess, der aus Investorensicht nicht immer in den üblichen Timing-Rahmen für Exits passt. Aus Sicht vieler Gründer ist deshalb weniger die Frage „VC ja oder nein“ entscheidend, sondern „welcher Finanzierungsmix reduziert das Risiko pro Entwicklungsstufe“.
Auch die Industry-Impact-Seite ist unmittelbar: DefTech ist nicht nur ein Thema für einzelne Portfolios, sondern für die Durchlässigkeit ganzer Wertschöpfungsketten. Wenn Finanzierungslücken entstehen, verschieben sich Innovationsfenster; wenn sie sich schließen, können Startups schneller Kooperationen eingehen, Prototypen in Systeme überführen und erste skalierbare Kundensegmente erschließen. Für Unternehmen in der Lieferkette bedeutet das zudem mehr Planbarkeit bei der Integration neuer Technologien in bestehende Produkt- und Systemlandschaften. Gleichzeitig entsteht Druck auf eine professionellere KI-Entwicklung und Dateninfrastruktur, sobald DefTech-Lösungen in Echtbetrieb, mit sensiblen Prozessdaten und unter anspruchsvollen Latenzbedingungen funktionieren müssen – denn auch KI-Modelle sind nur so „produktfähig“ wie die Daten- und Betriebsfähigkeit drumherum.
Für Gründer und Investoren bleibt damit als praktische Leitfrage, wie Finanzierungsrahmenbedingungen konkret ausbalanciert werden können. Die Session adressiert diese Lücke, indem sie explizit danach fragt, welche Bedingungen DefTech- und Dual-Use-Startups für Entwicklung und Skalierung benötigen – und zwar so, dass unterschiedliche Kapitalquellen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern aufeinander aufbauen. Nach dem Panel besteht zudem die Möglichkeit zum Austausch mit allen Teilnehmenden, was in Ökosystemen oft unterschätzt wird: Viele erfolgreiche Finanzierungsrunden entstehen, wenn technische Teams ihre Roadmaps mit Investorenlogik und späteren Beschaffungsrealitäten abgleichen können. Entscheidend wird sein, ob sich aus dem Dialog konkrete Muster für Finanzierungsmeilensteine ableiten lassen, die sowohl Risiko als auch Zeit bis zur Skalierung realistischer abbilden.
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