KORNEUBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) Korneuburg kommen drei spezialisierte Demenzkatzen und ein Roboterhund zum Einsatz, um Stress und Unruhe bei Senioren zu adressieren. Die Geräte reagieren nach Angaben aus der Einrichtung auf Berührungen der Bewohner und sind für den stationären Alltag mit Hygienestandards ausgelegt. Laut Leitung der Einrichtung sollen sie emotionale Stabilität unterstützen, wenn verbale Kommunikation nur noch eingeschränkt möglich ist. Zusätzlich wird das Angebot als hybrider Ansatz mit einem regelmäßig besuchten Therapiehund ergänzt.

Technologische Ergänzungen halten in der stationären Betreuung nicht nur als „digitale Assistenz“ Einzug, sondern zunehmend als sehr konkrete Interaktionspartner. Im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) Korneuburg wird dieses Prinzip derzeit sichtbar: Dort wurden das pflegerische Angebot durch den Einsatz von drei spezialisierten Demenzkatzen und einem Roboterhund erweitert. Ziel ist dabei nicht der Ersatz menschlicher Zuwendung, sondern eine zusätzliche Möglichkeit, emotionale Resonanz in Alltagssituationen zu erzeugen, in denen Orientierung und innere Stabilität besonders gefordert sind. Gerade bei Demenz kann schon eine kleine Abweichung im Tagesablauf, etwa bei Müdigkeit oder Übergängen zwischen Pflegephasen, spürbar mehr Unruhe auslösen.
Technisch betrachtet setzen die Robotertiere auf Sensorik, die auf Berührungen reagieren soll. Die Tiere sind damit nicht als reine „Deko-Objekte“ gedacht, sondern als anfassbare Begleiter, die im Moment der Interaktion eine Rückmeldung geben. Im Unterschied zu lebenden Haustieren entfällt laut Einrichtung die Routine rund um Fütterung und die damit verbundene Pflegearbeit durch Ausscheidungen. Das ist in einem Umfeld mit engen Personaltakten relevant, weil es die Betreuung nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch entlastet. Für die Implementierung in Gemeinschaftsbereichen und in Individualbereichen ist außerdem entscheidend, dass sich die eingesetzten Modelle regelmäßig desinfizieren lassen, um Hygienevorschriften im Pflegealltag einzuhalten.
Der praktische Nutzen wird im PBZ Korneuburg vor allem emotional begründet. Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, die die Einrichtung im Juli 2026 besuchte, verweist in diesem Zusammenhang auf psychologische Effekte: Der Kontakt mit lebensecht wirkenden Tieren könne helfen, Stress und Ängste bei Senioren abzubauen. In der Demenzpflege ist dieser nonverbale Zugang besonders wertvoll, weil er eine Brücke schlägt, wenn Gespräche schwerfällig werden oder Erinnerungsabruf nicht mehr zuverlässig funktioniert. Laut den Angaben aus Korneuburg vermitteln die Demenzkatzen und der Roboterhund ein Gefühl von Geborgenheit und bringen Freude, etwa wenn Bewohner sie streicheln oder halten und dadurch Erinnerungen an frühere Haustiere reaktiviert werden.
Gleichzeitig zeigt der Ansatz, wie stark solche Systeme in die bestehenden Abläufe eingebettet werden müssen. Die Robotertiere dienen im PBZ Korneuburg nicht als alleinige Maßnahme, sondern als Ergänzung zu etablierten Interventionen. Dazu gehört, dass zusätzlich in einem Rhythmus von drei Wochen ein Zwergpudel die Einrichtung besucht. Diese Kombination adressiert zwei typische Herausforderungen: Robotertiere sind jederzeit verfügbar und können in Momenten akuter Einsamkeit oder Unruhe sofort eine Beschäftigungsmöglichkeit bieten, während ein lebendes Tier durch größere Dynamik und unvorhersehbarere Interaktion Abwechslung erzeugt. Für die operative Leitung des Zentrums ist der Hybrid-Charakter daher ein gezielter Schritt, um individuelle Bedürfnisse besser abzudecken und den Betreuungsansatz in Richtung innovativerer Methoden weiterzuentwickeln.
Für Pflegeeinrichtungen ergibt sich daraus vor allem eine Frage der Umsetzung: Wie integriert man ein technisches Angebot so, dass es wirklich zur Biografie und zum Alltag der Bewohner passt? Im PBZ Korneuburg wird genau diese Passung über eine Kombination aus Sensorik, Hygiene-Standards und wiederkehrenden Besuchsstrukturen gesucht. Aus Sicht von Qualitätsmanagement und Pflegedokumentation ist das relevant, weil der Erfolg solcher Interventionen nicht allein an der Technik hängt, sondern daran, ob Betreuungsteams die richtigen Einsatzzeitpunkte finden – etwa in Übergangssituationen, bei bestimmten Pflegephasen oder wenn verbale Kommunikation zunehmend scheitert. Wenn Bewohner Robotertiere positiv annehmen, wird das System damit zu einem Baustein im Alltag, statt zu einem isolierten „Projekt“.
Auch der Blick über die Einrichtung hinaus lohnt sich: Robotertiere bewegen sich in einem Marktumfeld, in dem Betroffene, Angehörige und Träger gleichermaßen Wert auf Sicherheit, Akzeptanz und Alltagstauglichkeit legen. Ein entscheidender Wettbewerbsfaktor liegt daher weniger in Marketingversprechen als in den messbaren Rahmenbedingungen wie Reinigungs- und Desinfizierbarkeit sowie der Zuverlässigkeit der Interaktion im stationären Betrieb. Vor diesem Hintergrund ist der PBZ-Ansatz plausibel: Die Technik soll möglichst wenig Zusatzaufwand erzeugen, aber gleichzeitig eine emotional wirksame Reaktion ermöglichen. Für Träger und Leitungsteams heißt das praktisch, dass Pilotierungen häufig dort besonders sinnvoll sind, wo Teams bereits Erfahrung mit personenzentrierter Aktivierung und nonverbaler Kommunikation haben.
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