MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die deutschen Autobauer steuern auf ein schwaches Jahr zu, weil der chinesische Markt im dritten Quartal spürbar einbricht. BMW verliert konzernweit 6,3 Prozent, während Europa dank Elektro-Nachfrage um 2,7 Prozent zulegt. Volkswagen rutscht dagegen deutlich ab: Der Konzern minus 14,3 Prozent, in China minus 38,5 Prozent. Insgesamt zeigen die Zahlen, wie stark Preisdruck und lokale Konkurrenz in Asien die Bilanz der Zuliefer- und Herstellerlandschaft prägen.

Deutsche Autobauer unter Druck: China bremst Auslieferungen im dritten Quartal
Deutsche Autobauer unter Druck: China bremst Auslieferungen im dritten Quartal (Foto: IT BOLTWISE)
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Im dritten Quartal kippt die Stimmung bei den großen deutschen Autobauern deutlich: Bei Mercedes, Volkswagen, Audi und auch BMW gehen die Auslieferungen zurück, und der chinesische Markt wird zum gemeinsamen Belastungsfaktor. Für den Gesamttrend spricht, dass die Rückgänge nicht nur einzelne Modellreihen betreffen, sondern sich bei allen Herstellern in den Quartalszahlen wiederfinden. Damit wird aus dem sonst zyklischen Geschäft ein Problem aus mehreren Ebenen: rückläufige Nachfrage in China, gleichzeitig starker Preisdruck und zudem wachsende Konkurrenz heimischer Anbieter. Selbst dort, wo andere Regionen stabiler wirken, bleibt der Effekt aus Asien als dominanter Dämpfer sichtbar.

BMW liefert als Beispiel, wie sich Gegenbewegungen regional ausspielen können, aber eben nicht alles neutralisieren. Auf Konzernebene sinken die Auslieferungen von Juli bis September um 6,3 Prozent auf knapp 551.000 Fahrzeuge. In China geht es parallel um fast ein Viertel nach unten: rund 114.300 Autos bedeuten hier ein Minus von etwa 25 Prozent. Gleichzeitig bremst BMW den Rückgang durch Wachstum in Europa: Wegen starker Nachfrage nach Elektroautos wie dem neuen iX3 legt die Marke in Europa um 2,7 Prozent zu und kommt auf rund 235.600 Auslieferungen. Auch in den USA hilft das Werk Spartanburg, weil es vielen Autos die Zollbelastung erspart; dort legt BMW um 2,5 Prozent auf mehr als 106.700 Fahrzeuge zu.

Volkswagen zeigt dagegen besonders deutlich, wie stark sich ein China-Schock in den Konzernzahlen niederschlägt. Von Juli bis September verkauft der VW-Konzern 1,89 Millionen Fahrzeuge aller Marken, das sind 14,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im zweiten Quartal lag das Minus noch bei 8,6 Prozent, der Rückgang beschleunigt also. Für die Kernmarke fällt das Bild noch schlechter aus: 19,3 Prozent weniger Auslieferungen, insgesamt mehr als 946.000 Stück. Der entscheidende Treiber steckt erneut in China: Die VW-Verkaufszahlen in der Volksrepublik sinken im dritten Quartal um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos. Nach den Angaben in der Meldung erklärt dieses Minus über 80 Prozent des gesamten Rückgangs.

Auch Audi steht unter massivem Anpassungsdruck, der sowohl Marktdynamik als auch Produktzyklen betrifft. Im dritten Quartal brechen die Auslieferungen um fast ein Fünftel ein. Bei Audi treffen damit mehrere Faktoren zusammen: Neben China leidet die Marke auch in den USA, wo keine eigene Produktionsbasis zur Verfügung steht, um Zollthemen mit einem lokaleren Ansatz abzumildern. Zusätzlich belasten Modellwechsel bei den Volumenmodellen A1 und Q2. Insgesamt liefert Audi im Quartal 314.905 Fahrzeuge aus, das entspricht einem Minus von 19,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr; besonders aussagekräftig ist der Vergleich zum dritten Quartal 2023, als Audi noch knapp 480.000 Autos der Kernmarke ausgeliefert hatte.

Porsche wirkt im Vergleich weniger wie ein Ausreißer, sondern eher wie eine Bestätigung des Gesamtbildes, bei der China die Erholung überlagert. Die Schwaben liefern im dritten Quartal rund 56.000 Sport- und Geländewagen aus, das sind 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten sinken die Verkäufe ähnlich deutlich. Neben dem Auslaufen von Verbrenner-Produktionsteilen (Cayman und Boxster) und wegfallenden Steuervergünstigungen für E-Fahrzeuge in den USA wird erneut China zum Hauptfaktor: Dort fallen die Zahlen in den ersten neun Monaten um 33 Prozent auf etwa 21.500 Fahrzeuge. Die Porsche-Führung stellt sich laut Meldung auf eine deutlich kleinere China-Quote ein, nachdem China 2020 noch fast 35 Prozent des Absatzes ausgemacht hatte, 2025 hingegen nur noch knapp 15 Prozent erreichte.

Mercedes-Benz bleibt außerhalb Chinas zumindest teilweise im Plus, kann aber den zentralen Marktverlust nicht ausgleichen. Im dritten Quartal setzt der Konzern gut 407.000 Pkw ab, ein Rückgang um 8 Prozent. In China sinkt der Absatz um 31 Prozent, während außerhalb Chinas die Verkäufe um 1 Prozent zulegen. Der Konzern verweist dabei auf ein weiterhin schwieriges Pkw-Marktumfeld und intensiven Wettbewerb; zugleich zeigt die Kennzahl, wie entscheidend China bleibt: Mit fast einem Drittel aller Pkw-Verkäufe ist China der wichtigste Markt für Mercedes, daher wirkt jeder Rückgang dort besonders stark. Positiv ist aber der E-Auto-Teil: Im dritten Quartal verkauft der Konzern weltweit 68.400 vollelektrische Fahrzeuge, das entspricht einem Plus von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und wird als Rekord bezeichnet.

Für Unternehmen ist der Kernpunkt damit weniger ein einzelnes Modell oder eine einzelne Werksschiene, sondern die Verschiebung des Absatzrisikos. Wenn China im Jahresverlauf so stark in den Auslieferungsdaten dominiert, müssen Hersteller ihre Planungen für Produktion, Bestandsmanagement und Absatzfinanzierung näher an die regionale Nachfrage koppeln. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die KI-gestützte Markt- und Preissteuerung: Nicht im Sinne von „Werbung für Prognosen“, sondern als datengetriebene Logik für Nachfrageverschiebungen, Werthaltigkeit von Konfigurationen und die Geschwindigkeit, mit der sich Händlerbestände und Lieferzeiträume anpassen. Der Markt belohnt derzeit nicht automatisch Reichweite und Technologie-Claims, sondern vor allem Passung zu lokalen Kaufentscheidungen und ein belastbares Kostenprofil unter Preisdruck.


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