FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Staatsanleihen haben am Donnerstag sichtbar fester tendiert. Der Euro-Bund-Future stieg um 0,18 % auf 120,46 Punkte, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 3,51 % lag. Damit blieb die Rendite unter dem mehrjährigen Hoch von 3,57 %, das erst am Dienstag erreicht worden war. Ausschlaggebend war vor allem, dass die US-Notenbank die Zinsspanne wie erwartet anhob, die zusätzlichen Belastungen durch die zuletzt gesunkenen Ölpreise jedoch nachließen.

Deutsche Staatsanleihen haben ihre jüngste Schwächephase kurzfristig abfedern können: Am Donnerstag legten die Kurse nach, wodurch sich die Bewegung in den wichtigsten Zinsindikatoren deutlich zeigte. Der Euro-Bund-Future gewann 0,18 % und notierte bei 120,46 Punkten, während die zehnjährige Bundesanleihe auf eine Rendite von 3,51 % kam. Diese Zahl wirkt in der aktuellen Marktlogik vor allem deshalb beruhigend, weil sie unter dem mehrjährigen Hoch liegt, das am Dienstag bei 3,57 % erreicht wurde. Damit bleibt der Abstand zu jenem kritischen Bereich groß genug, um weiteren Verkaufsdruck zunächst zu bremsen.
Im Hintergrund spielte die Nachrichtlage aus den USA eine zentrale Rolle, allerdings ohne dramatische Sekundärreaktionen. Die Fed hatte die Zinsspanne um 0,25 Prozentpunkte angehoben, wie es der Markt überwiegend erwartet hatte. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump öffentlich eine Zinssenkung gefordert, doch die Abstimmung der Fed-Mitglieder verlief laut Bericht einstimmig in Richtung Anhebung. Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen bewerteten dies mit den Worten: „Dass die Leitzinsen erhöht wurden, ist positiv zu sehen, denn so demonstrieren die Währunghüter Entschlossenheit und vor allem Unabhängigkeit gegenüber der US-Administration“.
Für die Preisbildung an den europäischen Rentenmärkten ist diese Kombination aus erwarteter Fed-Schrittfolge und politischem Lärmpegel relevant, weil sie die Erwartungsschiene für künftige Zinsschritte zunächst stabilisiert. Wenn der nächste Datenpunkt nicht sofort eine neue Risiko- oder Renditeprämie auslöst, reagieren längere Laufzeiten meist sensibler auf den zweiten großen Einflussfaktor: die Inflationsinputs. Genau hier setzte die Entspannung an, denn nach dem deutlichen Rückgang der Ölpreise vom Vortag beruhigte sich die Lage weiter. Öl wirkt in der kurzfristigen Erwartungsbildung häufig wie ein „Fieberthermometer“ für die Teuerungsdynamik, weil höhere Energiepreise typischerweise schneller in Konsum- und Produktionskosten durchschlagen.
Zusätzliche Bedeutung bekam die Energie-Nachrichtenlage durch geopolitische und logistische Aspekte. Nach Drohnenangriffen war eine Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien abgeschaltet worden; laut Bericht soll sie bald wieder die Hälfte ihrer Kapazität liefern. Auch wenn das für sich genommen keine sofortige Inflationsgarantie ist, verschiebt es die Wahrscheinlichkeit für weitere Öl- bzw. Energiepreisschocks. In solchen Phasen werden nicht nur die aktuellen Spot-Preise beachtet, sondern auch die erwartete Persistenz: Können Liefermengen rasch zurückkehren, sinkt meist der Druck, dass sich höhere Inflationsraten länger „einnisten“.
Im weiteren Handelsverlauf richtet sich der Blick daher vor allem auf den nächsten Termin aus dem geldpolitischen Kalender. Beachtet werden dürfte die Zinsentscheidung der Bank of England, wobei laut Bericht keine Änderung des Leitzinses erwartet wird. Selbst ohne Zinsschritt kann eine Notenbankenentscheidung Marktvolatilität auslösen, weil Tonalität und Guidance die Laufzeitprämien sowie die Neu-Bepreisung von Kredit- und Inflationsrisiken beeinflussen. Gerade für deutsche Staatsanleihen ist das indirekt wichtig, weil sich über den europäischen Zinsverbund nicht nur die Bund-Rendite bewegt, sondern auch die relativen Attraktivitäten gegenüber anderen Kernanleihen.
In den USA stehen zudem am Nachmittag weitere Konjunkturdaten auf der Agenda, namentlich die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Solche Daten wirken häufig wie ein schneller Stimmungsindikator für die Arbeitsmarktstabilität und damit für die Frage, ob die Wirtschaft „zu heiß“ läuft oder eher abkühlt. Für Anleihenanleger ist das weniger eine abstrakte Zahl als ein Faktor für die Richtung der Zinskurve: Schwankt die Einschätzung zur Konjunkturdynamik, ändern sich unmittelbar die Erwartungen an die künftige Geldpolitik, und damit auch die Renditen über verschiedene Laufzeitpunkte hinweg. Vor diesem Hintergrund bleibt der heutige Renditerückhalt unter 3,57 % vor allem als Momentaufnahme zu verstehen – stabil, solange keine neuen Inflations- oder Wachstumsimpulse die Risikoaufschläge wieder nach oben ziehen.
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