Die EU-Kommission hat ihre App zur Altersverifikation für technisch fertig erklärt. Kommissarin Henna Virkkunen sagte, die Lösung stehe den Bürgern in Kürze zur Verfügung und prüfe das Alter, ohne dass Plattformen Pass oder Gesicht erfassen müssten. Gedacht ist sie für den Zugang zu Angeboten ab 18 Jahren, von Pornografie über Alkoholkäufe bis zum Glücksspiel. Bis Jahresende sollen die Mitgliedstaaten sie ausrollen.
Eine Mini-Wallet auf den Spuren der EUDI-Brieftasche
Hinter der Anwendung steckt ein Zero-Knowledge-Proof, ein Verfahren, das nur die Antwort „über 18“ weitergibt und das Geburtsdatum dahinter zurückhält. Den bisher üblichen Upload von Ausweisdokumenten an jede einzelne Plattform spart das ein. Code und Infrastruktur lieferten das schwedische Unternehmen Scytáles und die deutsche T-Systems, vollständig quelloffen. Die Kommission nennt die Lösung Mini-Wallet, weil sie auf denselben Spezifikationen aufsetzt wie die EU Digital Identity Wallet, die die Mitgliedstaaten bis Ende 2026 bereitstellen sollen. Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien griffen die Vorlage zuerst auf.
Verpflichtend ist die App nicht,doch der Digital Services Act baut Druck auf. Eine sehr große Plattform, die den Jugendschutz vernachlässigt, riskiert ein Bußgeld von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, und diese Drohkulisse schiebt Anbieter und Mitgliedstaaten in Richtung der von der EU-Kommission veröffentlichten Blaupause.
Freispiele zählen nicht zum Einzahlungslimit
Der verifizierte Account entscheidet auch darüber, welche Boni ein Spieler überhaupt nutzen kann. In einem von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder lizenzierten Angebot müssen die Bedingungen jedes Bonus klar, verständlich und jederzeit abrufbar sein, versteckte Klauseln oder überzogene Umsatzvorgaben sind unzulässig. Das gilt auch für Online Casino Freispiele, die als Teil eines Willkommenspakets oder einer einzelnen Aktion gutgeschrieben werden. Für das gesetzliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat zählen die Einzahlungen, jedoch nicht die Boni selbst. Mehrere Landgerichte ordneten zuletzt Rückzahlungen an, etwa das LG Tübingen mit 26.800 Euro, weil Anbieter dieses Limit über ihre Bonusstrukturen aushöhlten.
An diesem Punkt verläuft die Grenze zum unlizenzierten Markt. Die Glücksspielbehörde führt das Werben mit kostenlosen Freispielen als typisches Lockmittel illegaler Seiten, die Neukunden ohne Identitätsprüfung und ohne OASIS-Abgleich ins Spiel ziehen. Ob ein Anbieter eine Erlaubnis besitzt, lässt sich in der amtlichen Whitelist der GGL prüfen.
Wo der Altersnachweis seit Juli 2021 Pflicht ist
Im deutschen Glücksspielrecht ist genau diese Prüfung seit Juli 2021 vorgeschrieben. Nach Paragraf 6 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 stellt jeder Betreiber, der ein Online-Glücksspiel mit deutscher Lizenz anbietet, die Identität jeder Person fest, bevor der erste Einsatz fällt, und gleicht den Datensatz nach Paragraf 8 gegen das bundesweite Sperrsystem OASIS ab. Geprüft wird bei der Registrierung und erneut bei jedem Login, ein Spielkonto ist zwingend, und das anbieterübergreifende Einzahlungslimit liegt bei monatlich 1.000 Euro. Wer ohne diese Erlaubnis anbietet, fällt aus dem System heraus, weshalb die Glücksspielbehörde der Länder regelmäßig Sperren und Zahlungsuntersagungen gegen illegale Angebote verhängt. Als Nachweis genügt nicht die bloße Angabe des Geburtsdatums, der Anbieter muss die Daten über ein geeignetes Verfahren bestätigen.
Die Spielerschutzvorgaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder reichen etwas weiter als ein reiner Alterscheck. Über OASIS kann sich sperren lassen, wer sich gefährdet sieht, befristet ab drei Monaten oder unbefristet für mindestens ein Jahr, bundesweit und über alle Anbieter hinweg. Auch Angehörige oder auffälliges Spielverhalten können eine Fremdsperre auslösen.
Ein mittlerer Fehler von zwei Jahren
Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology maß für das Altersschätzungs-Modell des Anbieters Yoti einen mittleren absoluten Fehler von 2,0 Jahren bei den 6- bis 17-Jährigen, getestet an mehr als elf Millionen Bildern. Der Anbieter selbst gibt für die 13- bis 17-Jährigen einen Wert zwischen 1,1 und 1,3 Jahren an, gemessen unter günstigeren Aufnahmebedingungen.
Am genauesten trifft die Schätzung ausgerechnet die Teenager, weil das Gesicht in der Pubertät trotz schnellen Wachstums verlässlichere Muster zeigt als im Erwachsenenalter. Wegen des Restfehlers arbeiten Anbieter mit Alterspuffern und prüfen bei einer Grenze von 18 erst ab einer geschätzten Schwelle von 23 Jahren genauer nach, vergleichbar mit dem Challenge-25-Prinzip an der Ladenkasse. Für knapp Volljährige bedeutet das im Zweifel eine zweite Prüfung per Ausweis, was Reibung erzeugt und nicht selten zu Abbrüchen führt. Schwächer fallen die Werte bei jungen Frauen zwischen 14 und 16 Jahren aus, ein dokumentierter blinder Fleck, an dem die Hersteller bis heute nacharbeiten. Bilddaten bleiben dabei im Idealfall nicht dauerhaft gespeichert.
Bei Roblox bricht die Hälfte den Scan ab
Roblox rollte seinen Gesichtsscan im Januar 2026 global aus, und in den ersten Testregionen schloss etwas mehr als die Hälfte der täglich aktiven Nutzer die Prüfung ab. Der Rest spielt weiter, nur ohne Chat. Schon kurz nach dem Start kursierten Umgehungen mit Fotos, Avataren und KI-generierten Bildern, und der eingesetzte Dienstleister Persona steht wegen Datenschutzfragen unter Klage. Die Plattform, eine der größten mit junger Nutzerschaft, hatte sich zuvor Klagen wegen unzureichenden Kinderschutzes ausgesetzt gesehen, unter anderem durch die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Louisiana. Wer den Scan ablehnt, kann das Alter alternativ per Ausweisdokument bestätigen, doch ein erheblicher Teil der Community verzichtet lieber ganz auf die betroffenen Funktionen.
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