BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von ausländischen IT-Anbietern hat ein kritisches Niveau erreicht. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 89 Prozent der Firmen auf Importe angewiesen sind, um ihre digitalen Bedürfnisse zu decken. Besonders die Abhängigkeit von den USA und China ist besorgniserregend, da das Vertrauen in diese Handelspartner schwindet.

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer großen Herausforderung: Die Abhängigkeit von ausländischen IT-Anbietern hat ein kritisches Niveau erreicht. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom sind 89 Prozent der Unternehmen, die digitale Güter oder Dienstleistungen importieren, auf ausländische Anbieter angewiesen. Besonders alarmierend ist, dass mehr als die Hälfte dieser Unternehmen sich als stark abhängig betrachtet. Ohne Importe aus den USA wären viele Unternehmen nach nur zwölf Monaten nicht mehr überlebensfähig.
Besonders kritisch ist die Lage bei Software und Künstlicher Intelligenz. Eine Studie des ZEW Mannheim zeigt, dass 47 Prozent der Firmen in der Informationswirtschaft stark von nicht-europäischen Software-Anbietern abhängig sind. Im verarbeitenden Gewerbe sind es 31 Prozent. Diese Abhängigkeit hat sich in den letzten Jahren verschärft, insbesondere bei generativer KI, wo mehr als ein Drittel der Unternehmen in der Informationswirtschaft auf ausländische Anbieter angewiesen ist.
Die wichtigsten Herkunftsländer für digitale Technologien sind die USA und China. 67 Prozent der deutschen Unternehmen importieren häufig aus den USA, während 58 Prozent regelmäßig aus China beziehen. Diese Abhängigkeit hat sich im Laufe des Jahres weiter verstärkt. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in diese Handelspartner. Nur noch 38 Prozent der deutschen Unternehmen vertrauen den USA, während 60 Prozent wenig oder gar kein Vertrauen haben. Bei China liegt der Wert sogar bei 70 Prozent.
Die Folgen dieser Abhängigkeit sind vielfältig. Fast alle Unternehmen sehen finanzielle Belastungen durch Strafzölle oder Sanktionen als Risiko. Zudem fürchten viele Unternehmen Exportbeschränkungen und den Verlust des Zugangs zu Software- und Plattformdiensten. Auch die Sorge vor einem erzwungenen Abfluss sensibler Unternehmensdaten an US-Behörden ist groß. Die deutsche Bevölkerung sieht ebenfalls Handlungsbedarf: Eine Bitkom-Umfrage zeigt, dass 98 Prozent der Befragten es für wichtig halten, dass Deutschland bei digitalen Technologien unabhängiger wird.
Die Hoffnung liegt auf dem Gipfel für europäische digitale Souveränität, der am 18. November in Berlin stattfindet. Neun von zehn Unternehmen begrüßen die Initiative und sind überzeugt, dass Deutschland und Frankreich die Führung übernehmen sollten. Ziel ist es, Europa zu einem Ort zu machen, an dem digitale Technologien nicht nur genutzt, sondern auch entwickelt werden. Dazu gehört der Aufbau von Kompetenzen bei KI, Quantum-Computing und IT-Sicherheit sowie der Ausbau der Chip-Fertigung.
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