FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesbauministerin Verena Hubertz stellt auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main einen Aktionsplan zur Reduzierung der Baukosten vor. Im Zentrum steht die verbindliche Einführung des digitalen Bauantrags bis 2028, um Genehmigungsprozesse deutlich zu beschleunigen. Der Plan zielt außerdem auf eine drastische Verkürzung von Planverfahren von rund 15 Jahren auf zukünftig zwei Jahre. Flankiert wird das Ganze durch Effizienzmaßnahmen, finanzielle Anreize und die Mobilisierung von privatem Kapital für den Wohnungsneubau.

Die Baukosten in Deutschland sind nicht nur ein politisches Reizthema, sondern ein operatives Problem für Bauherren, Investoren und die öffentliche Hand. Genau hier setzt der von der Bundesbauministerin Verena Hubertz vorgestellte Aktionsplan an, der auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main präsentiert wurde. Er soll bezahlbaren Wohnraum stärken und zugleich Kapital für den Wohnungsneubau mobilisieren, indem Kosten- und Prozessbremsen systematisch adressiert werden. Spannend ist dabei die klare Kopplung aus digitaler Verfahrensbeschleunigung, Effizienzvorgaben in der Planung und finanziellen Anreizen, denn nur ein Baustein würde erfahrungsgemäß selten reichen.
Technisch und organisatorisch wird die Stoßrichtung besonders bei den Planungs- und Genehmigungswegen deutlich. Der Aktionsplan sieht einen Zielplanungstakt vor, der die Dauer von Planverfahren von bisher rund 15 Jahren auf zukünftig zwei Jahre reduzieren soll. Als Engpass gilt dabei weniger die einzelne Entscheidung als die Kette aus Abstimmungen, Nachforderungen, unterschiedlichen Standards und Zeitverlusten in Schnittstellen zwischen Verwaltung, Planung und Bauausführung. Die zentrale Stellschraube ist die verbindliche Einführung des digitalen Bauantrags bis 2028, mit der Bürokratie abgebaut und Prozesse beschleunigt werden sollen. In der Praxis bedeutet das für Projektteams: weniger Medienbrüche, mehr durchgängige Datenflüsse und ein stärker standardisiertes Prüfverfahren, das sich besser automatisieren und versionieren lässt.
Damit hängt der nächste Hebel direkt zusammen: Geschwindigkeit soll nicht auf Kosten der Planungsqualität erkauft werden, sondern durch effizientere Abläufe entstehen. Der Plan adressiert daher neben Digitalisierung auch Effizienzsteigerungen in Planungsverfahren sowie finanzielle Anreize. So ist ein Bonussystem für verkürzte Bauzeiten vorgesehen, das die Zeitkomponente im Projektmanagement messbar machen und Fehlanreize reduzieren soll. Daneben soll die degressive Abschreibung verlängert werden, um die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in den Wohnungsbau zu stabilisieren. Solche steuerlichen Instrumente wirken typischerweise über Kalkulationssätze und Cashflow-Profile, also dort, wo Investoren Risiken und Zeitpunkte von Einnahmen und Ausgaben gegeneinander abwägen. Ergänzend ist die Idee, ein Wohnungsbaumodul innerhalb des Deutschlandfonds zu etablieren, um privates Kapital gezielter für Neubauvorhaben zu erschließen.
Auch auf der Finanzierungs- und Skalierungsseite verfolgt die Initiative einen Ansatz, der weit über „einzelne Projekte“ hinausgeht. Bis 2029 sind laut Angaben im Rahmen der Konferenz Rekordinvestitionen von insgesamt 23,5 Milliarden Euro in den sozialen Wohnraum und die Städtebauförderung geplant. Der Deutschlandfonds wird dabei als zentrales Instrument zur Hebelung privater Investitionen hervorgehoben, also als Struktur, die öffentliches Kapital nutzt, um Risiko und Finanzierungslücken im privaten Bereich teilweise zu überbrücken. In der Diskussion tauchte außerdem die vorgeschlagene Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft auf, um Wohnungen in größerem Stil errichten zu können. Für den Markt wäre das vor allem deshalb relevant, weil größere Projektportfolios Skaleneffekte in Ausschreibung, Logistik und Bauausführung wahrscheinlicher machen.
Um den Aktionsplan einzuordnen, lohnt der Blick auf den Hintergrund: Die kontinuierlich gestiegenen Baukosten der letzten Jahre belasten laut den vorgetragenen Argumenten private Bauherren, Investoren und die öffentliche Hand gleichermaßen. Als Hauptursache für die unzureichende Bautätigkeit wird dabei der Kostendruck identifiziert, der nicht nur Material- und Lohnkomponenten betrifft, sondern auch Prozesskosten und Finanzierungskosten. Gerade lange Planungs- und Genehmigungsphasen schlagen mehrfach zu: Sie erhöhen Kapitalbindung, verlängern Risiken in der Preisbildung und machen Projekte anfälliger für Änderungen in Verordnungen, Standards oder Marktlagen. Entsprechend versteht sich der Aktionsplan als Bündel aus kurz- und mittelfristigen Maßnahmen, die strukturelle Veränderungen anstoßen sollen, statt allein kurzfristige Preisdämpfer zu suchen.
Digitalisierung spielt in diesem Rahmen nicht als Schlagwort, sondern als Infrastruktur für Entscheidungen eine Rolle. Ein digitaler Bauantrag bis 2028 kann zum Beispiel Daten in einer konsistenten Form verfügbar machen, die Prüfungsschritte transparenter machen und Rückfragen verkürzen. Entscheidend ist dabei, dass Digitalisierung im Bauwesen mehr bedeutet als „PDF statt Papier“: Ohne saubere Schnittstellen zwischen Fachmodellen, Prüf-Workflows und Bauausführungsplanung bleiben Medienbrüche bestehen. Der Aktionsplan zielt deshalb auch auf die Effizienzsteigerung in Planungsverfahren und auf einen Planungstakt, der die Dauer der Schritte vom Antrag bis zur Realisierung messbar steuern soll. In Unternehmen äußert sich das dann in konkreten Verbesserungen wie planbareren Übergaben, weniger Nacharbeit und einer schnelleren Umwandlung von Planungsarbeit in Bauleistung.
Für die nächsten Schritte dürfte außerdem entscheidend sein, wie die Initiative die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Wirtschaft operationalisiert. Der Text betont, dass es ein abgestimmtes Zusammenwirken braucht, um die Senkung der Baukosten schnell und nachhaltig zu erreichen und positive Effekte auf den gesamten Immobilienmarkt zu erzielen. Denn selbst ein verbindlicher digitaler Bauantrag scheitert an unterschiedlichen Landes- und Kommunalprozessen, wenn Datenformate, Verantwortlichkeiten und Prüfstandards nicht parallel harmonisiert werden. Aus Unternehmenssicht verschiebt sich dadurch der Fokus: Nicht nur Bauleistung und Materialplanung werden wichtig, sondern auch Prozess- und Datenkompetenz entlang der gesamten Projektkette. Der Aktionsplan ist damit zugleich ein Signal an den Markt, dass die Kostenreduktion künftig stärker über digitale, effiziente Verwaltungswege und investorenfreundliche Rahmenbedingungen laufen soll.
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