BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Marktstudie zur Situation der Direktvertriebsbranche in Deutschland 2026 meldet für 2025 einen Umsatz von 21,24 Milliarden Euro. Das entspricht einem leichten Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zeigt, dass der Direktvertrieb auch in angespannten Zeiten planbar wächst. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Vertriebspartnerinnen und -partner mit über 900.000 hoch. Experten sehen vor allem die persönliche Ansprache von Mensch zu Mensch als stabilen Erfolgsfaktor.

Der Direktvertrieb in Deutschland präsentiert sich zum Jahresende 2026 überraschend robust. Laut einer noch unveröffentlichten Marktstudie „Situation der Direktvertriebsbranche in Deutschland 2026“, die der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e. V. (BDD) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Florian Kraus von der Universität Mannheim erstellt, erzielte die Branche 2025 einen Umsatz von 21,24 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 1,7 Prozent im Vorjahresvergleich. In der Modellrechnung für 2026 geht der Sektor zudem von einem weiteren Wachstum von 3,7 Prozent aus. Damit rückt ein Geschäftsmodell in den Vordergrund, das oft als „traditionell“ eingeordnet wird, operativ aber weiterhin stark skaliert.
Was an den Zahlen besonders relevant ist: Die Stabilität beruht nicht allein auf einem einzelnen Kanal oder wenigen großen Akteuren, sondern auf einer breiten Basis von Vertriebskapazitäten. Die Studie nennt für 2025 mehr als 900.000 Vertriebspartnerinnen und -partner. In der Praxis bedeutet das, dass Produkte nicht primär über große Massenwerbung und Logistikketten im Hintergrund an den Endkunden gelangen, sondern über persönliche Kontakte, etwa im Gespräch zu Hause, bei individuellen Beratungen oder im Rahmen klassischer Produktpartys im privaten Umfeld. Diese Form der Interaktion wirkt wie ein „letztes Mile“-Modell für Vertrauen: Sie ersetzt einen Teil der Informationsarbeit, die ansonsten durch Werbung, Vergleichsportale oder Retail-Teams geleistet werden müsste.
Technisch und organisatorisch lohnt der Blick auf das Betriebsmodell, auch wenn die Studie selbst nicht im Detail über Softwarearchitekturen spricht. Direktvertriebskonzepte sind in der Regel darauf ausgelegt, Vertriebspartnerinnen und -partner mit standardisierten Beratungsunterlagen, Produktwissen und nachvollziehbaren Verkaufsprozessen auszustatten. Entscheidend ist dabei die Konsistenz: Wer Beratung leistet, muss Aussagen zu Nutzenversprechen, Anwendung und Produkthinweisen reproduzierbar treffen können. In Zeiten von Preisdruck und Lieferengpässen konkurriert der Direktvertrieb zudem indirekt mit E-Commerce-Ökosystemen wie großen Onlinehändlern und Marktplätzen, die ebenfalls Skaleneffekte nutzen, aber meist ohne den „Beratungskontakt“ als integralen Bestandteil auskommen. Genau hier liegt ein historisch gewachsener Wettbewerbsvorteil.
Auch die Einkommensseite macht deutlich, warum das Modell in Deutschland trotz digitaler Disruption attraktiv bleibt. Die Studie berichtet, dass 50 Prozent der meist selbständigen Vertriebspartnerinnen und -partner über den Direktvertrieb ein ergänzendes Nebeneinkommen von bis zu 535 Euro monatlich erzielen. Gleichzeitig erwirtschaftet rund ein Drittel mehr als 1.248 Euro pro Monat. Damit adressiert der Direktvertrieb nicht nur „Zusatzverdienst“-Bedarfe, sondern bietet für einen Teil der Teilnehmenden auch eine tragfähige selbständige Perspektive. In wirtschaftlich unsicheren Phasen kann das für Haushalte eine Form finanzieller Resilienz sein. Der Ansatz unterscheidet sich dabei von klassischen Konsumfinanzierungsmodellen, weil der Ertrag unmittelbar an die Kundeninteraktion gekoppelt ist.
Auf Expertenebene betonen die beteiligten Autoritäten vor allem den menschlichen Faktor. Elke Kopp, Vorstandsvorsitzende des BDD, hebt hervor, dass die persönliche Ansprache weiterhin ein wesentlicher Erfolgsfaktor bleibt. Gleichzeitig verweist die Studie auf die Begeisterung der Vertriebspartnerinnen und -partner als Treiber: Aus überzeugten Kundinnen und Kunden sollen „echte Fans“ und aus Fans engagierte Vertriebspartnerinnen und -partner werden. Prof. Dr. Florian Kraus ordnet die Ergebnisse in den Kontext einer als „wohl älteste Vertriebsform“ beschriebenen Entwicklung ein: Der Direktvertrieb habe sich stetig weiterentwickelt, ohne sein Kernprinzip – die Beratung von Mensch zu Mensch – aufzugeben. Diese Gewichtung ist wichtig, weil viele Marktsegmente aktuell stärker auf Self-Service-Mechanismen setzen.
Aus Sicht von Markt- und Wettbewerbsdynamiken lässt sich daraus eine klare Erwartung ableiten: Direktvertrieb bleibt auch dann relevant, wenn digitale Touchpoints dominieren. Zwar sind Online-Marktplätze und stationäre Händler im Vorteil, wenn Kunden ohne Beratungsbedarf schnell vergleichen und einkaufen wollen. Umgekehrt steigt die Bereitschaft, Beratung zu akzeptieren, wenn Produkte erklärungsbedürftig sind, wenn emotionale oder langlebige Kaufentscheidungen im Raum stehen oder wenn Nachhaltigkeit, Qualität und Anwendung im Gespräch geklärt werden müssen. Die Studie liefert hierfür ein Signal, weil die Basis an Vertriebspartnerinnen und -partnern nicht einbricht. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Direktvertrieb als reinen „Abverkaufsarm“ behandelt, wird ihn möglicherweise falsch bewerten; wer ihn als skalierbares Vertrauens- und Empfehlungsmodell versteht, kann ihn nachhaltiger in die Gesamtstrategie integrieren.
In eine moderne Umsetzung übersetzt heißt das auch: Prozesse und Compliance müssen mitwachsen. Direktvertrieb ist in besonderer Weise datenschutz- und informationsschutzsensibel, weil personenbezogene Kontakte, Beratungsgespräche und ggf. Bestellungen über viele selbständige Personen hinweg organisiert werden. Damit rücken Themen wie datensparsame Erfassung, transparente Einwilligungen, sichere Speicherung von Kontaktdaten sowie klare Verantwortlichkeiten in der Verarbeitung in den Mittelpunkt. Ebenso sind Produkthinweise und Werbeaussagen revisionsfähig zu dokumentieren, damit es nicht zu abweichenden Darstellungen kommt. Für die Zukunft spricht daher weniger ein „Wachstum um jeden Preis“ als vielmehr die Kombination aus stabiler Marktakzeptanz, gutem Enablement für Vertriebspartner und sauberer Governance für eine skalierbare, rechtssichere Umsetzung.
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