LONDON (IT BOLTWISE) – Die britische Regierung steckt im Rahmen des DRIVE35-Programms 130 Millionen Pfund in Projekte für emissionsfreie und selbstfahrende Fahrzeuge. Die Förderung teilen sich Staat und Industrie jeweils mit 65 Millionen Pfund. Ziel ist es, die Dekarbonisierung des Verkehrs zu beschleunigen und bis 2035 ein Gesamtvolumen von 4 Milliarden Pfund aufzulegen. Mehr als 17 Millionen Pfund fließen dabei in Connected- und Automated-Mobility-Vorhaben, darunter ein autonomer Elektrobus auf SAE Level 4.

Im britischen Programm DRIVE35 fällt der finanzielle Hebel ungewöhnlich konkret aus: Am 11. August 2026 kündigte die Regierung Investitionen in Höhe von 130 Millionen Pfund für Projekte im Umfeld emissionsfreier und selbstfahrender Fahrzeuge an. Entscheidend ist nicht nur die Summe, sondern auch die Finanzierungslogik. Staat und Industrie tragen laut Angaben jeweils 65 Millionen Pfund, wodurch die Mittel zugleich als Signal für gemeinsame Umsetzungsbereitschaft in der Wertschöpfungskette wirken.
Technologisch ordnet sich DRIVE35 in eine Zielkurve ein, die bereits durch die Klimavorgaben für den Straßenverkehr vorgezeichnet ist. Ab 2030 soll der Verkauf neuer Benzin- und Diesel-Pkw enden; bis 2035 müssen laut Programmlogik alle Neufahrzeuge vollständig emissionsfrei sein. Damit steigt der Druck auf Antriebsstränge, aber auch auf die Software- und Sensorikschichten, die autonomes Fahren überhaupt erst praktisch betreibbar machen. Die 130 Millionen Pfund stehen dabei in einer länger angelegten Planung, die bis 2035 ein Gesamtvolumen von 4 Milliarden Pfund vorsieht und damit den Umstieg im Automobilsektor verstetigen soll.
Aus Marktsicht zeigt sich der Ansatz als Kombination aus Kapazitätsaufbau und Beschäftigungseffekt: Die neue Förderrunde soll rund 1.800 Arbeitsplätze in der heimischen Automobilbranche stützen. Für Projektbetreiber bedeutet das vor allem, dass nicht ausschließlich Forschungsgelder verteilt werden, sondern Entwicklungs- und Produktionsvorhaben beschleunigt werden. Zu den geförderten Unternehmen zählen unter anderem Bentley und Nissan sowie spezialisierte Anbieter wie YASA, außerdem Technologie- und Rohstoffakteure wie Cornish Lithium und Turntide Technologies. Ein konkretes Beispiel ist YASA: Das Unternehmen erhielt für das „Project SUPREME“ einen staatlichen Zuschuss von 175 Millionen Pfund, um die Produktion von Axialflussmotoren an den Standorten Gateshead und Cramlington zu beschleunigen.
Ein Teil der Förderung ist explizit auf „Connected and Automated Mobility“ (CAM) zugeschnitten. Insgesamt sollen 17 Millionen Pfund in neun Projekte fließen, koordiniert über das Programm „CAM Pathfinder“. Solche CAM-Programme sind in der Praxis häufig der Knotenpunkt zwischen Fahrzeugtechnik und Infrastruktur: Vernetzung entscheidet über Datenflüsse und Sicherheitsfunktionen, während Automatisierung die Test- und Validierungsarbeit strukturiert. Dass der öffentliche Nutzen auch wirtschaftlich messbar werden kann, ordnen Branchenvertreter über eine Prognose ein: Für autonomes Fahren wird bis 2040 ein jährlicher wirtschaftlicher Zuwachs von 66 Milliarden Pfund für Großbritannien als möglich betrachtet.
Innerhalb der CAM-Initiativen tauchen Projekte auf, die den Schritt von der reinen Demonstration Richtung Betrieb adressieren. Nissan ist demnach mit einem Vorhaben beteiligt, ebenso Initiativen für autonome Baumaschinen von Flannery und Gravis Robotics. Besonders greifbar wird die Verknüpfung von Testbetrieb und Skalierung am „Connector“-Bus in Cambridge: Seit Juni 2025 wurden bereits über 2.000 Fahrten und rund 700 Meilen im Testbetrieb absolviert. Solche Kennzahlen sind für Entscheider vor allem deshalb relevant, weil sie Aufschluss über die reale Fahrprofile- und Betriebsdatenbasis geben und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Softwaresysteme und Safety-Mechanismen im Regelbetrieb stabilisieren lassen.
Auch im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs und an Flughäfen setzen die Mittel auf klar definierte technische Zielbilder. Alexander Dennis erhält 3,88 Millionen Pfund für „Commercialising Connector“: Dabei soll ein Elektrobus (Enviro100AEV) auf die Automatisierungsstufe SAE Level 4 aufgerüstet werden. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit Fusion Processing, Tests sind auf dem südlichen Abschnitt des Busway-Netzes in Cambridgeshire vorgesehen; als weitere Partner werden die Greater Cambridge Partnership sowie Whippet und Ticketer genannt. Parallel dazu verfolgt Aurrigo International mit „SENTRY“ einen Airport-Fokus: Das Projekt zielt auf autonome Shuttles ab, die Sicherheitsaufgaben übernehmen sollen, darunter Perimeter-Inspektionen, die Überwachung von Start- und Landebahnen sowie das Wildtiermanagement. Die Erprobung ist am Teesside International Airport sowie am Cincinnati/Northern Kentucky International Airport geplant, mit der Warwick Manufacturing Group und der Zivilluftfahrtbehörde CAA als Partner.
Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus ein klares Muster: KI- und Robotik-Kompetenzen werden nicht nur als „Laborfähigkeiten“ gefördert, sondern gekoppelt an konkrete Einsatzszenarien mit technischen Schnittstellen – von Motor- und Antriebskomponenten bis hin zur Mission-Planung und Validierung autonomer Systeme. Wer in UK Lösungen rund um Sensorfusion, Regelung, Flottenmanagement oder Middleware für CAM-Setups entwickelt, erhält mit DRIVE35 ein Umfeld, in dem Pilotierung schneller in Richtung Produktisierung gedrückt werden kann. Zugleich zeigt die Bandbreite der Projekte, dass der Wettbewerb nicht nur zwischen Fahrzeugherstellern stattfindet, sondern auch zwischen Zulieferern, Software- und Testinfrastrukturanbietern, die den Weg zu skalierbaren, sicheren automatisierten Services ebnen.
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