BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die deutsche Metall- und Elektroindustrie steht vor einer massiven Herausforderung: Bis zu 150.000 Arbeitsplätze könnten in diesem Jahr verloren gehen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor einer Deindustrialisierung und kritisiert die hohen Kosten und die Bürokratie in Deutschland. Trotz einiger Großaufträge aus dem Verteidigungssektor bleibt die Auftragslage insgesamt schlecht.

Die deutsche Metall- und Elektroindustrie sieht sich mit einer beispiellosen Krise konfrontiert, die laut dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall zu einem Verlust von bis zu 150.000 Arbeitsplätzen in diesem Jahr führen könnte. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, beschreibt die Situation als die schwerste Krise seit der Gründung der Bundesrepublik. Die Branche leidet unter hohen Energiekosten, Unternehmenssteuern und Sozialabgaben, die den Standort Deutschland unattraktiv machen.
Ein weiterer Faktor, der die Industrie belastet, ist die ausufernde Bürokratie. Zander kritisiert, dass es keine systematische Herangehensweise zur Reduzierung der Bürokratie gibt und vergleicht die Situation mit der Tierseuchenbekämpfung, die systematischer angegangen wird. Er fordert einen Abbau von Bürokraten in den öffentlichen Verwaltungen, um die Haushalte zu entlasten.
Die Auftragslage in der Metall- und Elektroindustrie bleibt trotz einiger positiver Sondereffekte durch Großaufträge aus dem Verteidigungssektor Ende 2025 angespannt. Diese Aufträge sorgten zwar kurzfristig für ein Auftragsplus, doch bereinigt um die meist staatlich finanzierten Rüstungsaufträge zeigt sich ein düsteres Bild. Seit 2018 hat die Branche bereits 270.000 Arbeitsplätze verloren, und die Zahl der Beschäftigten ist auf unter 3,8 Millionen gesunken, ein Niveau, das zuletzt 2015 erreicht wurde.
Die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, sind vielfältig. Neben den hohen Kosten und der Bürokratie spielt auch die globale Konkurrenz eine Rolle. Länder mit niedrigeren Produktionskosten und weniger regulatorischen Hürden ziehen zunehmend Aufträge an sich. Experten warnen, dass ohne grundlegende Reformen und Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit der Standort Deutschland weiter an Bedeutung verlieren könnte.
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