MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Dürr stellt mit dem EcoBell4 einen Hochrotationszerstäuber für die Außenlackierung vor, der Spritzverluste im Lackierwerk reduzieren soll. Im Fokus steht ein höherer Auftragswirkungsgrad: Mehr Lack landet am Bauteil, weniger landet als Overspray in der Kabine. Für Hersteller mit stark getakteten Linien verspricht das nicht nur niedrigere Chemie- und Entsorgungskosten, sondern auch weniger ungeplante Stopps bei Farbwechseln. Gleichzeitig verknüpft Dürr den Zerstäuber eng mit Robotik und digitaler Liniensteuerung, um Variantenwechsel schneller in den Griff zu bekommen.

In modernen Fahrzeugwerken entscheidet sich Effizienz nicht am Endprodukt, sondern an den versteckten Nebenprozessen, die im Hintergrund laufen. Gerade im Lackierwerk macht der Übergang von „sichtbar gut“ zu „messbar sauber“ den Unterschied: Overspray verteilt sich im Spritzraum, bindet Filterflächen und erhöht den Aufwand für Kabinenreinigung. Dürr adressiert dieses Problem mit dem EcoBell4, einem Hochrotationszerstäuber, der den Lack als feinen Nebel gezielt an die Karosserie überführen soll. Damit rückt ein Bauteil stärker in den Vordergrund, das in der Anlage unscheinbar wirkt, aber im Schichtbetrieb entscheidend auf Kosten, Energie und Prozessstabilität einzahlt.
Technisch baut der EcoBell4 auf eine rotierende Zerstäuberglocke, die den Lack durch Fliehkraft in sehr kleine Tröpfchen aufbricht. Bei Drehzahlen bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute entsteht ein Sprühbild, das sich im Gegensatz zu groberen Zerstäubungsprinzipien besser im vorgesehenen Auftragsprofil stabilisieren lässt. Entscheidend ist dabei nicht nur die Mechanik, sondern die präzise steuerbare Luftführung: Sie bestimmt, wohin der Lacknebel „gezogen“ wird, statt ungenutzt in der Kabine zu verlagern. Das Zielbild ist klar definiert: hoher Auftragswirkungsgrad, also maximaler Lackauftrag am Bauteil bei minimalen Verlusten an Wänden und Luftfiltration.
Im Lackierbetrieb wird der Auftragswirkungsgrad unmittelbar in Wirtschaftlichkeit übersetzt. Je mehr Overspray entsteht, desto stärker steigen typischerweise Chemiekosten, Kabinenreinigung und der Rhythmus für Filterwechsel. Hersteller, die in mehreren Schichten produzieren, spüren das zusätzlich in Form von Planungsrisiken: Jede Linie ist auf Taktzeiten optimiert, und wenn Wartung oder Reinigungsfenster dichter rücken, wächst der Druck auf die Produktionsplanung. EcoBell4 soll genau hier ansetzen, indem die Menge an Spritzverlusten gegenüber älteren Generationen weiter reduziert wird. Experten verweisen in diesem Kontext oft darauf, dass gerade bei Anlagen mit hoher Auslastung schon kleine prozentuale Verbesserungen in die Größenordnung jährlicher Einsparungen hineinwirken können.
Auch bei der Prozessflexibilität spielt Dürr die Karte „weniger Zeit in Übergängen“. Auffällig ist, wie konsequent der Zerstäuber auf schnelle Farbwechsel ausgelegt ist: Lackkanäle werden kurz gehalten, Spülvolumina reduziert. In der Praxis bedeutet das, dass bei jeder Umstellung weniger Spülmittel und Restlack im Abfall landet und die Linie schneller wieder im Soll-Fenster arbeitet. Für Betreiber hochflexibler Lackierlinien, in denen regelmäßig zwischen Serienfarben und Sonderlacken gewechselt wird, wird damit die Balance zwischen Geschwindigkeit und Farbverschleppung adressiert. Während Wettbewerbslösungen in diesem Segment häufig entweder auf maximaler Auftragsleistung oder auf Komfort bei Wechselprozessen fokussieren, versucht Dürr beides systematisch zu koppeln.
Den größten Hebel verspricht Dürr allerdings über die Integration in komplette Automationsketten. Der EcoBell4 ist auf den Einsatz mit Dürr-Robotern abgestimmt, kann aber auch in Fremdroboter-Umgebungen integriert werden. Über Schnittstellen zur Liniensteuerung lassen sich Spritzbild, Drehzahl, Lackmenge und Luftströme an Karosserievarianten anpassen. Historisch ist das Thema nicht neu: Seit Jahren arbeiten Automobilhersteller daran, Spritzprozesse datengetrieben zu machen, etwa durch parametrierbare Spritzprogramme und reproduzierbare Roboterbahnen. Neu ist weniger die Idee, sondern die Verfeinerung entlang des gesamten Systems—damit sich Parameterwechsel schnell umsetzen lassen, ohne dass mechanisch am Zerstäuber nachjustiert werden muss.
Für Wartungsteams und Bediener ist das besonders relevant, weil die täglichen Eingriffe in Lackierwerken teuer sind—nicht nur in Arbeitszeit, sondern auch in Anlagenverfügbarkeit. Der EcoBell4 wird im Betrieb als Service-freundlich beschrieben: Beim Austausch hängt der Zerstäuber in wenigen Handgriffen am Roboterarm, die Anschlüsse sollen sich schnell lösen lassen. Das klingt nach Detail, wird aber in Schichtumgebungen unmittelbar spürbar, wenn ungeplante Minuten Stillstand den Produktionsumriss stören. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt: weniger manuelle Reinigungsarbeit an Kabinenwänden, mehr planbare Checks an Roboterflansch und Farbversorgung. Genau diese Verschiebung hilft oft dabei, Serviceintervalle besser zu terminieren und die Qualität über Chargen hinweg zu stabilisieren.
Im Wettbewerbsumfeld ist die Richtung eindeutig: Während Dürr mit Lackier- und Automatisierungstechnik als Systemanbieter auftritt, arbeiten andere Unternehmen ebenfalls an effizienteren Applikationskomponenten. In der Praxis konkurrieren Betreiber nicht nur um einzelne Zerstäuber, sondern um den gesamten Prozessverbund aus Spritztechnik, Steuerung, Optimierung von Sprühparametern und Filter-/Reinigungslogik. Als Referenz für alternative Ansätze werden in der Branche häufig Systeme von Herstellern genannt, die sich auf Applikations- und Sprühtechnologie konzentrieren, etwa Nordson oder Sames-Kremlin, sowie Anbieter elektrostatischer Beschichtungsvarianten. Branchenanalysten betonen dabei, dass der „Differenzierungshebel“ selten im Marketingbegriff liegt, sondern in messbaren Kennzahlen wie Auftragswirkungsgrad, Farbwechselzeit und stabiler Wiederholgenauigkeit bei Variantenmix.
Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeitswirkung, die Dürr explizit als Verkaufsargument positioniert. Lackierkabinen gehören zu den Energieverbrauchern in der Automobilfertigung, weil Luft umgewälzt, gefiltert und temperiert werden muss. Wenn weniger Lack als Overspray in die Kabine gelangt, reduziert sich indirekt die Menge an Material, die später über Abluftreinigung und Prozessmedien gebunden oder entsorgt werden muss. Das macht Effizienzmaßnahmen zu einem Thema, das über Chemiekosten hinausgeht und in Umwelt- und Nachhaltigkeitsbilanzen einzahlt. Für Unternehmen, die nach Nachhaltigkeitskriterien bilanzieren oder in Ausschreibungen strengere Grenzwerte ansetzen müssen, kann die technische Optimierung damit zum strategischen Baustein werden.
Regulatorisch und datenschutzbezogen kommt hinzu, dass moderne Lackierlinien immer stärker als digitalisierte Produktionsanlagen betrieben werden. Das bedeutet nicht, dass personenbezogene Daten im Vordergrund stehen, aber es geht um Prozessdaten, Rezepturen, Qualitätsparameter und Produktionskennzahlen, die über Schnittstellen in IT-Umgebungen gelangen. Bei der Einführung neuer Komponenten wie eines Zerstäubers rücken daher Fragen nach Zugriffskontrollen, Protokollierung und Integrationssicherheit in den Vordergrund: Wer darf Parameter ändern, wie werden Änderungen nachvollziehbar gemacht, und wie werden Anlagen vor Fehlkonfiguration oder unautorisierter Manipulation geschützt? In der Praxis sollten Betreiber daher neben der rein technischen Leistungsfähigkeit immer auch den Lifecycle der Software- und Schnittstellenkonfiguration berücksichtigen.
Für die Zukunft deutet der EcoBell4 auf einen klaren Trend hin: Applikationstechnik wird zunehmend „softwaregetrieben“, während die Hardware als präzise stabile Plattform dient. Wenn Programme für unterschiedliche Teilevarianten (z. B. Türen, Dächer oder Heckklappen) digital hinterlegt und ohne mechanischen Umbau aktualisiert werden können, sinkt die Hürde für Modellwechsel und Sonderprogramme. Das ist besonders relevant, weil Produktzyklen kürzer und Variantenmixe höher werden. In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass Hersteller noch stärker in adaptive Regelkreise, bessere Prozesssimulation und datenbasierte Wartungsplanung investieren—wobei ein effizienter Zerstäuber wie der EcoBell4 als Messpunkt für die Gesamtoptimierung dient und die Grundlage für weitere Optimierungsrunden liefert.
Für Entwickler und Systemintegratoren eröffnet das konkrete Chancen: Wer Lackierprozesse parametrisiert, kann Testaufwände reduzieren, Qualitätsabweichungen schneller erkennen und die Umstellung auf neue Lackrezepturen beschleunigen. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus auf Schnittstellenqualität und robuste Parameter-Overlays in der Liniensteuerung. Für Entscheider im Werkmanagement bleibt die zentrale Frage jedoch pragmatisch: Lohnt sich der Invest in High-End-Zerstäubungstechnik auch für kleinere Werke? Dürrs Positionierung deutet darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit stark von Energiepreisen, Lackkosten und den Rahmenbedingungen für CO2- und Abfallvorgaben abhängt. Wer diese Faktoren präzise modelliert, kann aus einer technischen Verbesserung im Spritzprozess eine verlässliche Business-Case-Story für Effizienz, Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit ableiten.
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