LONDON (IT BOLTWISE) – Die traditionelle 60/40-Portfolio-Strategie verliert an Stabilität, da die Inflation steigt und die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen nachlässt. Experten empfehlen eine höhere Aktienquote und die Integration von Rohstoffen, um langfristig bessere Renditen zu erzielen.

Die klassische 60/40-Portfolio-Strategie, die über Jahrzehnte als robustes Allwettermodell galt, steht vor neuen Herausforderungen. Die steigende Inflation und die veränderte Korrelation zwischen Aktien und Anleihen führen dazu, dass diese Strategie an Stabilität verliert. Anleger müssen sich auf ein Umfeld einstellen, in dem die traditionellen Puffermechanismen nicht mehr zuverlässig funktionieren.
In der Vergangenheit boten Anleihen eine verlässliche Möglichkeit, Schwankungen in Aktienportfolios abzufedern. Doch seit 2022 hat sich die Negativkorrelation zwischen diesen Anlageklassen deutlich abgeschwächt. Steigende Zinsen führen häufig dazu, dass sowohl Aktien als auch Anleihen an Wert verlieren, was die Gesamtperformance eines Portfolios negativ beeinflussen kann.
Die Renditeerwartungen für Aktien und Anleihen sind ebenfalls gesunken. Während globale Aktien im letzten Jahrzehnt durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr erzielten, prognostizieren große Finanzhäuser wie Vanguard und JP Morgan für die nächsten zehn Jahre nur noch fünf bis sechs Prozent. Ein klassisches 60/40-Portfolio könnte somit künftig nur noch eine nominale Jahresrendite von etwa 4,6 Prozent erreichen.
Ein weiteres Risiko stellt die strukturell verankerte Inflation dar. Faktoren wie demografische Veränderungen, geopolitische Spannungen und steigende Staatsausgaben tragen dazu bei, dass die Inflation eher über den Zielwerten verharren dürfte. In einem solchen Umfeld sind höhere Leitzinsen zwar eine logische Konsequenz, jedoch haben Staaten wenig Interesse an dauerhaft hohen Finanzierungskosten, was den Druck auf die Notenbanken erhöht.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, empfehlen Vermögensmanager eine höhere Aktienquote im Portfolio. Modelle mit 70 oder 80 Prozent Aktienanteil könnten die erwartete Rendite zwar nur moderat anheben, bieten jedoch bessere Chancen in einem Umfeld mit strukturell höherer Inflation. Wichtig ist dabei, auf globale, solide finanzierte Unternehmen mit hoher Eigenkapitalrendite und belastbaren Geschäftsmodellen zu setzen.
Rohstoffe kehren ebenfalls als strategische Komponente in moderne Portfolios zurück. In Zeiten steigender Inflation steigen oft auch die Preise für Energie- und Industriemetalle. Über ETCs lassen sich diese Rohstoffe breit ins Portfolio integrieren. Gold behält seine Rolle als Inflations- und Krisenversicherung, sollte jedoch aufgrund seiner Neigung zu langen Seitwärtsphasen nur begrenzt eingesetzt werden.
Ein zukunftsfähiges Portfolio für die nächste Dekade könnte sich wie folgt strukturieren: 70 Prozent globale Aktien, 15 Prozent Anleihen mit kurzen Laufzeiten und hoher Bonität, 10 Prozent Rohstoffe, vor allem Energierohstoffe, und 5 Prozent Gold als langfristige Stabilitätsreserve. Diese Struktur akzeptiert, dass die Zeiten niedriger Inflation und hoher Diversifikationseffekte vorbei sind und überträgt bewährte Regeln in ein härteres und volatileres Umfeld.
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