LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erste Group hat im ersten Halbjahr 2026 ihre Kundenkredite auf 282,7 Milliarden Euro gesteigert und damit das Kreditvolumen-Ziel von 285 Milliarden Euro nahezu erreicht. Für 2026 hebt die Bank den Rahmen auf rund 290 Milliarden Euro an und begründet das Wachstum mit starkem organischem Geschäft in mehreren Kernmärkten. Im gleichen Zeitraum stiegen die Einlagen konzernweit um 27,9 % auf 323,7 Milliarden Euro. Entscheidend bleibt dabei auch der Integrationsfortschritt der polnischen Erste Bank Polska, die seit der erfolgreichen Übernahme im Jänner 2026 planmäßig eingegliedert wird.

Die Erste Group nutzt die Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr 2026 nicht nur als Rückspiegel für die vergangenen sechs Monate, sondern als Argumentationslinie für die nächsten Budget- und Steuerungsentscheidungen. Im Kern zeigen die Kennzahlen, dass das Kreditwachstum bereits sehr nah an die ursprüngliche Jahresmarke von 285 Milliarden Euro herangekommen ist. Damit verschiebt das Management die Messlatte gleich nach oben: Für 2026 peilt die Bank ein Kreditvolumen von rund 290 Milliarden Euro an, also eine weitere Steigerung innerhalb desselben Zielkorridors. Die Zahlen sind dabei nicht isoliert zu betrachten, weil der Konzern zugleich die polnische Tochterbank Erste Bank Polska konsolidiert und damit Effekte im Jahresvergleich verschiebt.
Technisch betrachtet folgt aus dieser Mischung aus organischem Wachstum und Konsolidierung vor allem eine Frage: Wie robust bleibt das Geschäftsprofil, wenn sich die Konsolidierungsbasis verändert? Die Erste Group liefert hierzu eine Aufschlüsselung „ohne Polen“: Auf vergleichbarer Basis steigt das Kreditvolumen seit Jahresbeginn um 4,0 %. Besonders sichtbar wird dieses Wachstum in Tschechien, Ungarn, Kroatien und Österreich, wo die Nachfrage nach Finanzierungen laut Bericht hoch ausfiel. In den konzernweiten Aggregaten schlagen dann die Zahlen der polnischen Bank stärker durch: Einschließlich des Kreditportfolios der Erste Bank Polska in Höhe von 41,4 Milliarden Euro steigen die Kundenkredite insgesamt um 21,9 % auf 282,7 Milliarden Euro (Dezember 2025: 232,0 Milliarden Euro). Auch im Privatkundengeschäft entsteht Wachstum mit Substanz: Die Tochtergesellschaften ohne Polen vergaben 60.000 neue Wohnbaukredite. Im Firmenkundensegment spiegelt ein Neugeschäft von mehr als 4 Milliarden Euro die gestiegene Investitionsbereitschaft bei Unternehmenskunden.
Neben dem Aktivgeschäft legt der Bericht den Fokus auf die Passivseite, also Einlagen und die damit verbundene Refinanzierungsfähigkeit. Ohne Polen verzeichnete die Erste Group bei den Einlagen ein Plus von 4,5 % auf vergleichbarer Basis, maßgeblich getragen von gestiegenen Einlagen im Firmenkundengeschäft in Tschechien und Österreich sowie von positiven Wechselkurseffekten bei Einlagen in Ungarn. In der Gesamtsicht inklusive der Erste Bank Polska mit 59,3 Milliarden Euro Einlagen steigt das Einlagenvolumen der Gruppe um 27,9 % auf 323,7 Milliarden Euro (Dezember 2025: 253,0 Milliarden Euro). Dass diese Entwicklung nicht nur bilanziell, sondern auch ertragsseitig ankommt, wird im Zins- und Provisionsbild deutlich: Ohne Polen wächst der Zinsüberschuss um 6,1 %, mit Polen erhöht er sich im Vergleich zum Vorjahr um 42,3 % auf 5,4 Milliarden Euro (H1 2025: 3,8 Milliarden Euro). Der Provisionsüberschuss steigt ohne Polen um 8,8 %; inklusive Polen wächst er um 25,1 % auf 1,9 Milliarden Euro (H1 2025: 1,5 Milliarden Euro). Zusätzlich nennt die Bank Impulse aus dem Wertpapiergeschäft sowie steigendes verwaltetes Vermögen: Das von der Erste Asset Management betreute AuM steigt seit Dezember 2025 um 7,6 % auf knapp 112 Milliarden Euro, wobei rund 7,7 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen der polnischen Fondsgesellschaft Erste TFI nicht mitgerechnet sind.
Die operative Performance entscheidet dann darüber, wie viel Qualität im Wachstum steckt. Der Bericht nennt Betriebserträge, Betriebskosten und damit die Kosten-Ertrags-Relation als zusammenhängendes Bild: Auf vergleichbarer Basis steigt das Betriebsergebnis um 12,7 %, bei Einbezug der Erste Bank Polska um 49,3 % auf 4,4 Milliarden Euro (H1 2025: 3,0 Milliarden Euro). Gleichzeitig steigen die Betriebskosten im Jahresvergleich auf vergleichbarer Basis um 3,4 %, was die Bank auf höhere Personalaufwendungen und Fremdwährungseffekte zurückführt. Entsprechend verbessert sich die Kosten-Ertrags-Relation auf 45,6 % (vergleichbar) bzw. 44,4 % inklusive Polen (H1 2025: 47,7 %). Auf der Risikoseite signalisiert die Erste Group eine kontrollierte Entwicklung: Die Risikokosten steigen im ersten Halbjahr auf 583 Millionen Euro, wobei Einmaleffekte aus der Integration der Erste Bank Polska eine Rolle spielen (302 Millionen Euro nach IFRS 9). Weitere 60 Millionen Euro entfallen laut Bericht auf das bestehende Kreditportfolio der polnischen Bank. In den etablierten Märkten bleiben die Risikokosten mit 221 Millionen Euro auf konsistent niedrigem Niveau (H1 2025: 182 Millionen Euro). Die NPL-Quote liegt bei 2,3 % (Dezember 2025: 2,4 %), während die Belastung durch Bankensteuern nahe verdoppelt: 392 Millionen Euro nach 197 Millionen Euro im Vorjahr. Wichtig ist dabei die geographische Granularität: Höhere Belastungen in Ungarn (von 109 auf 189 Millionen Euro) und Rumänien (von 20 auf 39 Millionen Euro) sowie die erstmalige Verbuchung der Bankenabgabe in Polen (98 Millionen Euro).
Strategisch verknüpft der Konzern diese Ergebnisqualität mit Kapital und Integrationsfahrplan. Die harte Kernkapitalquote (CET1) liegt bei 15,2 % (Dezember 2025: 19,3 %), wobei die Bank die Einordnung mit dem positiven Effekt der polnischen Konsolidierung sowie dem starken Wachstum im Kerngeschäft verknüpft. Gleichzeitig adressiert das Management den nächsten technischen und organisatorischen Schritt in Polen: Die Übernahme eines beherrschenden 49 %-Anteils der Erste Bank Polska wurde im Jänner 2026 abgeschlossen, seither läuft die Integration planmäßig. Mit einer Rebranding-Kampagne im April 2026 wurde die Marke Erste in Polen eingeführt; mehr als 300.000 Neukund: innen im ersten Halbjahr 2026 dienen als Vertrauensindikator. Im Mittelpunkt der nächsten Phase steht die „vollständige technische Anbindung“ der Bank an die Infrastruktur der Erste Group, parallel zur rechtlichen und organisatorischen Integration der polnischen Beteiligungen: Dazu zählt unter anderem die Eingliederung der Erste TFI in die Erste Asset Management sowie der Erste Securities Polska in die Erste Bank Polska. Diese technische Komponente ist für Finanzhäuser meist mehr als nur IT-Konsolidierung: Sie bestimmt, wie schnell Systeme für Kontenführung, Reporting, Compliance-nahe Prüfpfade und Datenflüsse über Unternehmensgrenzen hinweg konsistent werden.
Auf der Ergebnisplanung für 2026 zieht die Erste Group daraus konkrete Leitplanken. Für die sieben Kernmärkte ohne Polen hebt die Bank die Erwartung: Ein gesundes Kreditwachstum von 6–8 % wird genannt, gegenüber zuvor mehr als 5 %. Das Betriebsergebnis soll sich verbessern, weil der Zinsüberschuss um etwa 5 % steigen soll und der Provisionsüberschuss um 7–9 % (statt mehr als 5 %). Bei den Betriebskosten erwartet die Erste Group rund 3 % Mehraufwand; die Kosten-Ertrags-Relation soll sich von 48 % im Jahr 2025 auf unter 47 % verbessern. Die Risikokosten bleiben bei 20 bis 25 Basispunkten auf einem ähnlichen Niveau wie 2025. Mit Polen erweitert sich das Bild: Für 2026 rechnet der Konzern für acht Kernmärkte mit einem Anstieg der Kundenkredite auf rund 290,0 Milliarden Euro (statt mehr als 285,0 Milliarden Euro). Parallel hebt die Erste Group auch die Kapitalrendite-Ziele an: Für 2026 wird eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 20 % erwartet, der Ergebnis je Aktie soll um mehr als 20 % steigen. Darüber hinaus nennt die Bank Finanzambitionen bis 2030: Eine Verdoppelung des Gewinns je Aktie auf über 15 Euro, ausgehend von einem bereinigten Gewinn je Aktie von 7,72 Euro im Jahr 2025, entspricht einer angepeilten durchschnittlichen jährlichen EPS-Wachstumsrate (CAGR) von ca. 15 % im Zeitraum 2025 bis 2030. Als Treiber werden nachhaltiges Wachstum im Kredit-, Einlagen- und Asset-Management-Geschäft sowie mögliche Akquisitionen in Polen und der Region, Effizienzgewinne durch Größe und eine attraktive Kapitalausschüttung mit Dividenden und Aktienrückkäufen genannt. Für Technologie- und Datenverantwortliche in Finanzinstituten ist das besonders anschlussfähig, weil Wachstum und Skalierung in dieser Größenordnung typischerweise nur dann nachhaltig funktionieren, wenn Integrationspfade (z. B. technische Anbindung und harmonisiertes Reporting) frühzeitig stabilisiert werden und die Systeme für Vertrieb, Risiko und Vermögensverwaltung im Takt bleiben.
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