BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Union setzt neue Maßstäbe in Sachen Lohntransparenz und digitaler Buchhaltung. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, komplexe Fristen einzuhalten und ihre Prozesse anzupassen. Besonders mittelständische Unternehmen müssen sich auf die neuen Anforderungen vorbereiten.

Die Europäische Union hat neue Richtlinien eingeführt, die Unternehmen zu mehr Lohntransparenz und zur Einführung digitaler Buchhaltung verpflichten. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Gehaltsstrukturen transparenter machen, sondern auch die Digitalisierung in der Buchhaltung vorantreiben. Besonders mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die komplexen Fristen einzuhalten und ihre internen Prozesse entsprechend anzupassen.
Ein zentraler Bestandteil der neuen Regelungen ist die Lohntransparenzrichtlinie, die bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten sind dann verpflichtet, regelmäßig über ihre Gehaltsstrukturen zu berichten. Eine der bedeutendsten Änderungen betrifft den Bewerbungsprozess: Arbeitgeber müssen die Gehaltsspanne der ausgeschriebenen Stelle bereits vor dem ersten Vorstellungsgespräch offenlegen. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt des Bewerbers ist hingegen strikt untersagt.
Parallel dazu treibt die EU die Digitalisierung der Buchhaltung voran. Ab Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen. Die Formate XRechnung und ZUGFeRD werden dabei als Standard festgelegt. Die Einführung der E-Rechnung erfolgt gestaffelt: Ab 2027 für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro und ab 2028 für alle Unternehmen. Steuerexperten warnen, dass fehlerhafte Formate oder eine nicht GoBD-konforme Archivierung den Vorsteuerabzug gefährden könnten.
Die neuen Regelungen stoßen auf gemischte Reaktionen. Während die österreichische Wirtschaftskammer die Auflagen als bürokratische Belastung kritisiert, zeigen die Zahlen, dass der unbereinigte Gender-Pay-Gap in Österreich bei 18 Prozent liegt. In Deutschland bereiten sich regionale Plattformen bereits auf die neuen Anforderungen vor, indem sie Gehaltsspannen in Stellenanzeigen integrieren. Das deutsche Entgelttransparenzgesetz wird Unternehmen ab etwa 200 Mitarbeitern zur Offenlegung verpflichten.
Die EU-Kommission plant zudem, die Bürokratie in anderen Bereichen zu reduzieren. Eine Konsultation zur Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist geplant, um die Zahl der Pflichtangaben um über 70 Prozent zu reduzieren. Diese Berichtspflicht soll künftig nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern gelten, was die Zahl der betroffenen Firmen erheblich reduzieren würde.
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