BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Union hat ein bedeutendes Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten abgeschlossen, das die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt markiert. Dieses Abkommen könnte die Exporte der EU erheblich steigern und zahlreiche Arbeitsplätze sichern. Trotz anfänglicher Widerstände aus einigen EU-Ländern wurde das Abkommen letztlich verabschiedet und soll ein starkes Signal gegen die protektionistische Politik der USA setzen.

Die Europäische Union hat ein wegweisendes Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay abgeschlossen. Dieses Abkommen, das die Schaffung der weltweit größten Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen ermöglicht, könnte die Exporte der EU nach Südamerika um bis zu 39 Prozent steigern. Besonders die europäische Autoindustrie, der Maschinenbau und die Pharmabranche erhoffen sich durch den erleichterten Marktzugang neue Absatzchancen.
Die Verhandlungen, die bereits 1999 begannen, wurden durch den jüngsten Zollstreit mit den USA beschleunigt. Die EU sieht in dem Abkommen nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch eine politische Antwort auf die protektionistische Handelspolitik der USA unter der Trump-Administration. Durch die Reduzierung von Zöllen und Handelsbarrieren soll der Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten erheblich erleichtert werden.
Ein entscheidender Faktor für den Fortschritt der Verhandlungen waren Zugeständnisse an die europäische Agrarlobby. Produkte wie Rindfleisch können in Südamerika günstiger produziert werden, was zu Bedenken bei europäischen Landwirten führte. Um diese Bedenken zu adressieren, sind wirtschaftliche Sicherungsmaßnahmen vorgesehen, die bei Bedarf aktiviert werden können. Die EU-Kommission betont, dass importierte Produkte weiterhin den strengen europäischen Vorschriften entsprechen müssen.
Obwohl das Abkommen von Italien mit zusätzlichen Unterstützungsmaßnahmen für europäische Landwirte verknüpft wurde, erhielt es schließlich die notwendige Mehrheit. Frankreich und Polen hatten sich zunächst gegen das Abkommen ausgesprochen, doch die Vorteile für die europäische Wirtschaft gaben letztlich den Ausschlag. Kritiker warnen jedoch vor möglichen negativen Auswirkungen auf europäische Landwirte und Umweltstandards in Südamerika.
Die Unterzeichnung des Abkommens ist in Paraguay geplant, wobei hochrangige EU-Vertreter wie Ursula von der Leyen und António Costa erwartet werden. Besondere Kontrollen für importierte Agrarprodukte sollen sicherstellen, dass negative Einflüsse schnell erkannt und behoben werden können. Der Mercosur-Bund, dem auch Bolivien angehört, strebt weitere Anpassungen an, um von dem Abkommen zu profitieren. Ein schriftlicher Beschluss steht noch aus, gilt jedoch als reine Formsache.
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