LONDON (IT BOLTWISE) – Ab sofort gelten in der EU strengere Regeln für Lebensmittelverpackungen, darunter PFAS-Grenzwerte für Stoffe wie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Künftig müssen Kartons und ähnliche Verpackungen recyclingfähig werden und so klein wie möglich ausfallen. Bei Online-Bestellungen wird der Leerraum auf 50 Prozent begrenzt, was den Einsatz von Füllmaterialien wie Luftpolster oder Styropor-Chips zurückdrängen soll. Parallel werden bestimmte Einwegplastikverpackungen für unverarbeitetes Obst und Gemüse untersagt.

In der EU beginnt ab diesem Mittwoch ein Paket neuer Pflichten rund um Verpackungen, das vor allem den Alltag von Gastronomie, Handel und E-Commerce betrifft. Gemeint ist nicht nur der klassische Müllberg, sondern auch die Materialfrage: Bestimmte fettabweisende Burger-Boxen und Gebäckpapiere dürfen ab sofort nicht mehr auf den Markt gebracht werden, wenn sie die in der EU-Verpackungsverordnung festgelegten Bedingungen für relevante Stoffe nicht erfüllen. Der Hintergrund ist dabei zweigeteilt: Zum einen sollen gesundheitlich problematische Bestandteile aus Lebensmitteln ferngehalten werden, zum anderen soll weniger Verpackungsmüll entstehen, indem Materialeinsatz und Design konsequent an Recyclingfähigkeit ausgerichtet werden.
Technisch setzt die Verordnung früh an, indem sie neue Grenzwerte für PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in Lebensmittelverpackungen festlegt. Diese Stoffgruppe wird in der öffentlichen Debatte auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, weil sie sich nur schwer abbauen lassen. Praktisch zielt die Regel darauf ab, dass Verpackungen nicht weiter Lebensmittel verunreinigen oder deren Flüssigkeit durchdringen lassen – etwa bei Pommes-Kartons oder beim Transport von Döner in entsprechenden Tüten. Laut Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg seien die Grenzwerte so niedrig, dass eine absichtliche Verwendung quasi ausgeschlossen ist; was bereits in Lagern vorhanden sei, dürfe aber noch verwendet werden. Gleichzeitig steht PFAS gesundheitlich im Verdacht, weshalb die Grenzwerte als Vorsorgemechanismus verstanden werden.
Neben PFAS treten weitere Änderungen in Kraft, die vor allem die „Verpackungsarchitektur“ betreffen. Für Verbraucher werden die meisten Effekte zwar erst ab 2030 spürbar, doch die Unternehmen müssen schon heute Planungs- und Umstellungsarbeit leisten. Der Kern lautet: Verpackungen müssen künftig recyclingfähig sein und möglichst wenig Platz verschwenden. Bei Versandkartons wird der erlaubte Leerraum bei Online-Bestellungen auf 50 Prozent begrenzt; entscheidend ist dabei nicht nur der sichtbare Luftanteil, sondern auch der Raum, der mit Füllmaterial gefüllt ist. Dazu zählen laut Verordnung beispielsweise Papier, Luftpolsterfolie oder Styropor-Chips – also genau jene Komponenten, die in der Praxis häufig genutzt werden, um Produkte vor dem Verrutschen zu schützen.
Auch bestimmte Einwegplastikverpackungen für unverarbeitetes frisches Obst und Gemüse werden untersagt. Das ist vor allem deshalb relevant, weil gerade bei frischen Waren die Verpackung häufig als „Quasi-Standard“ betrachtet wird: Sie dient dem Schutz, der Handhabung im Handel und teils auch der Darstellung der Ware. Wenn solche Formate wegfallen, müssen Händler und Logistiker alternative Verpackungslösungen finden, etwa aus Recyclingmaterial oder mit einem anderen Systemansatz. Das Verbot sehr leichter Plastiktüten gilt zudem grundsätzlich ebenfalls – mit Ausnahmen, die die Hygiene oder den Bedarf für lose Lebensmittel adressieren und gleichzeitig das Ziel verfolgen, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Zusammengenommen verschiebt die Verordnung damit Anreize weg von kurzfristiger Verpackungs-„Sicherheit“ hin zu einem Lebenszyklusdenken, das bereits beim Design beginnt.
Warum der Druck jetzt so hoch ist, lässt sich an den Zahlen festmachen. Verpackungsmüll gilt in der EU als großes Problem: 2023 fielen dem Statistikamt Eurostat zufolge 177,8 Kilogramm Verpackungsabfälle pro Einwohner an. Die neuen Regeln sollen daher helfen, den Verpackungsmüll in der EU bis 2040 schrittweise um mindestens 15 Prozent im Vergleich zu 2018 zu reduzieren. Der Fahrplan ist gestaffelt: Bis 2030 sind 5 Prozent weniger vorgesehen, bis 2035 dann 10 Prozent. Diese Zwischenziele wirken wie ein Steuerungsinstrument, weil Unternehmen nicht nur eine Materialumstellung, sondern auch Beschaffungs-, Lieferketten- und Produktdesign-Prozesse über mehrere Jahre hinweg anpassen müssen.
Für die Marktteilnehmer ist damit vor allem eins klar: Verpackungsmanagement wird stärker zu einem messbaren Compliance- und Effizienzthema. Die Begrenzung des Leerraums trifft insbesondere Logistikdienstleister und Online-Händler, weil sich Verpackungsgröße, Füllstrategie und Bestellvolumen gegenseitig beeinflussen. Wer weiterhin zu große Kartons oder überdimensionierte Füllmengen nutzt, riskiert, dass die eigenen Verpackungsprozesse nicht mehr den Anforderungen entsprechen. Gleichzeitig verlangt PFAS-Compliance von Herstellerseite entlang der gesamten Lieferkette, inklusive Rohstoffauswahl und Nachweisführung. Unternehmen, die diese Themen früh mit technischer Materialprüfung, angepasstem Design und sauberer Warenflussplanung angehen, senken nicht nur das regulatorische Risiko, sondern können mittel- bis langfristig auch Kosten reduzieren – etwa durch weniger Materialverbrauch und optimierte Versandkonzepte.
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