BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Union hat mit dem Cyber Resilience Act neue Sicherheitsanforderungen für Hersteller eingeführt. Ab September 2026 müssen Sicherheitslücken innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden, und bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro. Diese Verordnung stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen und erfordert eine grundlegende Überarbeitung ihrer Sicherheitsstrategien.

Die Europäische Union hat mit dem Cyber Resilience Act eine neue Verordnung eingeführt, die die Sicherheitsanforderungen für Hersteller drastisch verschärft. Ab dem 11. September 2026 müssen Unternehmen Sicherheitslücken innerhalb von 24 Stunden melden. Diese strengen Meldepflichten gelten nicht nur für neue Produkte, sondern auch für bereits auf dem Markt befindliche Geräte, solange sie noch unterstützt werden. Die EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) entwickelt derzeit eine zentrale Meldeplattform, die es Herstellern ermöglicht, ihre Meldungen effizient an die zuständigen nationalen Behörden weiterzuleiten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Cyber Resilience Act ist die Einführung von Zertifizierungspflichten für kritische Produkte. Ab dem 11. Juni 2026 müssen unabhängige Prüflabore benannt werden, die Produkte aus den Kategorien „kritisch“ und „hochkritisch“ zertifizieren. Dies betrifft insbesondere industrielle Steuerungssysteme und Smart-Meter-Gateways. Branchenexperten warnen bereits vor möglichen Engpässen in der Zertifizierung, wenn die vollständigen Anforderungen 2027 in Kraft treten.
Die finanziellen Risiken bei Verstößen gegen die neuen Vorschriften sind erheblich. Nationale Marktüberwachungsbehörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhalten weitreichende Befugnisse, um Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes zu verhängen. Weniger schwerwiegende Verstöße können mit bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des Umsatzes geahndet werden. Diese strengen Maßnahmen sollen Unternehmen dazu anregen, proaktiv gegen Sicherheitslücken vorzugehen.
Der Cyber Resilience Act markiert einen Paradigmenwechsel von einer freiwilligen Sicherheitskultur hin zu einem gesetzlich verpflichtenden „Secure-by-Design“-Ansatz. Compliance ist nun eine Voraussetzung für den Marktzugang im digitalen Binnenmarkt. Viele Unternehmen haben bereits mit der Implementierung von Software-Stücklisten (SBOM) begonnen, um Schwachstellen in den komplexen Lieferketten moderner Digitalprodukte zu identifizieren. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Sicherheitslücken zu schließen, die Angreifern bislang ermöglichten, über ungepatchte Geräte in Netzwerke einzudringen.
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