BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Europäische Fernsehsender haben ihre Besorgnis über die zunehmende Marktmacht von Anbietern von TV-Betriebssystemen und virtuellen Assistenten geäußert. Sie fordern die EU auf, strengere Regulierungen einzuführen, um die Kontrolle dieser Anbieter über den Zugang zu Medieninhalten zu begrenzen.

Die europäische Medienlandschaft steht vor einer bedeutenden Herausforderung: Die wachsende Dominanz weniger Anbieter von TV-Betriebssystemen und virtuellen Assistenten. Diese Entwicklung hat die Association of Commercial Television in Europe (ACT) dazu veranlasst, eine stärkere Regulierung durch die Europäische Union zu fordern. In einer Stellungnahme vom 23. März 2026 betonte der Verband die Notwendigkeit, Anbieter wie Google und Amazon als sogenannte Gatekeeper einzustufen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
Seit 2019 haben sich insbesondere bei vernetzten Fernsehern einige große Anbieter hervorgetan. Android TV konnte seinen Marktanteil von 16 auf 23 Prozent steigern, während Amazon Fire OS von 5 auf 12 Prozent zulegte. Samsungs Tizen OS hält derzeit einen Marktanteil von 24 Prozent. Diese Konzentration auf wenige Anbieter gibt ihnen die Möglichkeit, den Zugang zu Zielgruppen und die Verbreitung von Inhalten zu kontrollieren, was die ACT als bedenklich einstuft.
Die Fernsehsender befürchten, dass diese Anbieter Endnutzer in ihren eigenen Systemen halten und die Verlinkung oder Weiterleitung von einer Medienanwendung zu einer anderen einschränken könnten. Daher fordert die ACT, dass die Europäische Kommission die wichtigsten TV-Betriebssysteme als Gatekeeper einstuft und eine angemessene Aufsicht gewährleistet, um Fairness und Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Diese Einstufung sollte unabhängig vom verwendeten Endgerät erfolgen.
Darüber hinaus schlagen die Fernsehsender vor, auch virtuelle Assistenten schärfer zu regulieren. Mit der rasanten Verbreitung generativer KI-Systeme in Form von Chatbots und KI-Agenten entsteht eine regulatorische Lücke, die es diesen leistungsstarken KI-Assistenten ermöglicht, de facto zu Gatekeepern für Medieninhalte über Mobiltelefone, Smart Speaker und Infotainment-Dienste in Fahrzeugen zu werden. Diese Entwicklung könnte die Verpflichtungen des Gesetzes über Digitale Märkte (DMA) umgehen.
Die Forderungen der ACT kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU ihre Digitalgesetzgebung überarbeitet. Der Entwurf der EU-Kommission zum sogenannten digitalen Omnibus enthält bislang nur wenige Änderungsvorschläge zum Gesetz über Digitale Märkte. Es wird eher darüber diskutiert, den Datenschutz zugunsten der KI-Nutzung zu schwächen. Diese Entwicklungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die Medienlandschaft und die Art und Weise haben, wie Inhalte in Europa konsumiert werden.
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