BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft macht Excel Copilot am 25. Juni 2026 deutlich „ERP-näher“: Finanzteams greifen per KI-Interaktion live auf SAP S/4HANA und Oracle-Ziele wie NetSuite zu. Damit entfällt der bisher übliche Export- und Aufbereitungsaufwand. Zusätzlich erweitert der Assistent Skills für wiederkehrende Workflows und liefert mit „Show Changes“ ein Prüfbuch für Nachvollziehbarkeit. Für Risikoanalyse steht in Excel nun auch Monte-Carlo direkt bereit.

Microsoft verschiebt mit dem Update zu „Copilot in Excel“ den Schwerpunkt in Richtung Echtzeit-Datenzugriff für Finanzteams. Seit dem 25. Juni 2026 sollen Nutzer im Excel im Web ohne manuelle Exporte direkt auf Unternehmensdaten aus mehreren führenden ERP- und HR-Umgebungen zugreifen können. Der praktische Hebel ist dabei nicht nur Komfort, sondern Prozesszeit: Im Text wird das klassische Problem genannt, dass etwa 60 Prozent der Arbeitszeit in der Finanzabteilung in die Datenaufbereitung fließen. Wenn die KI stattdessen auf Live-Quellen zugreift, verändert sich der Arbeitsfluss von „Daten holen und dann KI fragen“ zu „KI fragen und Datenbereitstellung läuft im Hintergrund“.
Technisch liegt der Kern der Neuerung in nativen Datenverbindungen zu ERP-Systemen. Copilot soll natürliche Sprachbefehle verstehen und direkt auf SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Dynamics 365 und Workday zugreifen. Für Unternehmen ist das mehr als eine UI-Verbesserung: Direkte Verbindungen bedeuten, dass Datenmodelle, Berechnungslogiken und Filterkriterien in einer konsistenten Semantikschicht zwischen Quelle und Analyse landen können. Gerade in der Finanzkonsolidierung und im Reporting reduzieren solche Schnittstellen die Varianz, die entsteht, wenn Teams regelmäßig exportieren, Spreadsheets manuell reinigen und Versionen später schwer zuzuordnen sind.
Im Hintergrund baut Microsoft zugleich das Netz an Finanzdatenanbietern aus. Neu hinzu kommen Quellen wie CB Insights, Daloopa, FactSet, Morningstar, PitchBook und S&P Global; zuvor integrierte Datenlieferanten sind etwa LSEG und Moody’s. Besonders für Investoren ist der PitchBook-Connector relevant: Private-Market-Intelligence soll per Sprachbefehl direkt in Excel abrufbar sein, etwa zu Bewertungen, Finanzierungsrunden oder Investorenprofilen. Im Markt ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber Ansätzen, die stark auf „erst Daten in ein Portal laden, dann in Tools weiterarbeiten“ setzen. Damit tritt Excel als zentrale Arbeitsoberfläche neben spezialisierte Research-Umgebungen, zumindest für die erste Exploration und Auswertung.
Für wiederkehrende Aufgaben führt Microsoft „Skills“ ein, die KI-Workflows als wiederverwendbare Module abbilden. Finanzteams sollen Aufgaben einmal per natürlicher Sprache definieren und dann beliebig oft abrufen können. Die Workflows werden als JSON- oder Markdown-Dateien in OneDrive oder SharePoint gespeichert und lassen sich teamweit teilen. Das ist organisatorisch entscheidend: In vielen Unternehmen scheitern KI-Prozesse nicht an der Modellgüte, sondern daran, dass Wissen in Einzellösungen und einzelnen Prompts „verloren geht“. Mit exportierbaren Skills entsteht eher der Charakter von Governance-fähigen Automationen. Branchenexperten fassen das häufig so zusammen: Wo Copilot nur „antwortet“, wird es erst in wiederholbaren Workflows „betreibbar“.
Auch der Compliance-Aspekt rückt stärker in den Vordergrund. Für Nachvollziehbarkeit in der Finanzberichterstattung integriert Microsoft laut Text zwei Funktionen: „Plan with Copilot“ und „Show Changes“. Beide sollen ein Prüfdokument erzeugen, das Befehle, Zeitstempel, Nutzer und einen Vorher-Nachher-Vergleich der Daten enthält. Das adressiert eine typische Schwachstelle KI-gestützter Analysen: Ohne Transparenz lässt sich schwer erklären, warum sich eine Zahl geändert hat und welche Annahmen dahinterstehen. Ergänzend stehen Monte-Carlo-Simulationen direkt in Excel zur Verfügung, sodass Finanzplaner von statischen Tabellen zu dynamischen Prognosen und Risikobewertungen wechseln können – ohne zusätzliche Spezialsoftware.
Marktseitig ist die Richtung eindeutig: ERP-nahe KI-Arbeitsplätze bauen eine Brücke zwischen operativen Systemen und analytischem Reporting. Gleichzeitig entsteht Druck auf Wettbewerber und deren Ökosysteme. SAP arbeitet mit eigenen KI-Fähigkeiten im Umfeld seiner Suite; auch Workday adressiert KI-gestützte Analyse- und Planungsfälle innerhalb seiner Produkte. Im Microsoft-Umfeld gibt es zudem Konkurrenz durch Tools, die direkt in BI-Workflows integrieren oder über Data-Prep-Layer semantisch ansetzen. Entscheidend wird jedoch der Zeitpunkt und die Tiefe der Integration: Wenn Excel-Benutzer ohne Toolwechsel Live-Daten aus SAP- und Oracle-Welten nutzen können, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Excel als Standard-Frontendschicht für viele Finanzprozesse durchsetzt.
Der Rollout ist dabei klar getaktet: Verfügbar ist das Update seit dem 25. Juni 2026 für Excel im Web, während die Desktop-Versionen für Windows und Mac bis zum 15. Juli 2026 nachziehen sollen. Voraussetzungen nennt der Text ebenfalls: nötig ist eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz, umgerechnet rund 27 Euro pro Nutzer und Monat, plus mögliche Kosten für einzelne Datenanbieter – etwa ein aktives PitchBook-Abonnement für die Private-Market-Integration. Für die nächsten Quartale dürfte sich die Roadmap auf zwei Achsen bewegen: Einerseits werden Drittanbieter spezialisierte „Skills“ über den Microsoft Marketplace anbieten (erwartet wird laut Text das dritte Quartal). Andererseits wird die Frage nach Sicherheit und Datenhaltung zentral: Unternehmen werden prüfen müssen, wie Berechtigungen, Logging und Datenflüsse in die vorhandene IT- und Datenschutzarchitektur eingezogen werden.
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