REDMOND / LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft erweitert Copilot in Excel um wiederverwendbare Skills und Live-Marktdaten, die direkt im Spreadsheet abrufbar sein sollen. Das Update zielt damit auf Finanzteams, die quartalsweise Analysen, DCF-Modelle und Abweichungsreportings in wiederkehrenden Workflows abwickeln. Zusätzlich führt Microsoft den „Plan with Copilot“-Modus ein, mit dem Nutzer KI-Aktionen vor der Ausführung prüfen können. Für die Datenanbindung nutzt der Konzern das Model Context Protocol (MCP) und integriert mehrere Research-Provider.

Microsoft setzt bei „Copilot in Excel“ erneut an der Schnittstelle zwischen natürlicher Sprache und harten Finanz-Workflows an: Mit einem umfassenden Update bekommen Nutzer wiederverwendbare Copilot Skills sowie Live-Marktdaten-Anbindungen, die während der Ausführung im Workbook verfügbar sein sollen. Damit verschiebt sich Excel weiter von der Rolle der generischen Tabellenkalkulation hin zu einer spezialisierten Arbeitsumgebung für Finanzoperationen, in der Recherche, Modellierung und Reporting enger gekoppelt werden. Für CFOs und Controller ist vor allem relevant, dass das System nicht nur Ergebnisse schreibt, sondern standardisierte Aufgaben wiederholen und dabei nachvollziehbar machen will.
Technisch baut Microsoft die neuen Skills auf einer SKILL.md-Datei auf, die in OneDrive abgelegt wird. Diese Datei enthält Anweisungen für KI-gestützte wiederkehrende Aufgaben wie Quartalsabschlüsse, DCF-Modelle (Discounted Cash Flow) oder Abweichungsanalysen. Der Clou ist weniger „neue Intelligenz“, sondern die Wiederverwendbarkeit: Teams können einmal definierte Workflows in ähnlichen Situationen erneut ausrollen, statt jedes Mal neu zu prompten. Vorgefertigte Finanz-Skills liefert Microsoft zunächst für Kunden von Microsoft 365 Copilot auf Web, Windows und Mac; eigene Skills sollen hingegen zunächst auf Windows und Mac-Insider begrenzt bleiben.
Für die Datenkomponente nutzt Microsoft das Model Context Protocol (MCP), um Echtzeitzugriff auf Research und strukturierte Daten bereitzustellen. Neu sind sechs zusätzliche Anbieter, darunter CB Insights, Daloopa, FactSet, Morningstar, PitchBook und S&P Global/Kensho. Damit ergänzt Microsoft vorhandene Verbindungen zu LSEG und Moody’s, die bereits Ende Mai 2024 freigeschaltet wurden. Aus Anwendersicht ist entscheidend, dass Daten nicht als statische Exporte ins Blatt „hineinkopiert“ werden müssen, sondern Copilot zur Laufzeit auf aktuelle Informationen zugreifen kann. Gleichzeitig weist Microsoft darauf hin, dass für einzelne Anbieter separate Abonnements nötig sein können.
Ein konkretes Beispiel aus der Anbindung zeigt, wie differenziert die Provider arbeiten: Die Integration von Daloopa soll belegverknüpfte Finanzdaten zu über 5.500 börsennotierten Unternehmen liefern. Morningstar ergänzt Microsoft zudem durch einen eigenen Copilot-Agenten sowie eine föderierte Verbindung, die Research-Daten in die Microsoft-365-Umgebung bringen soll. Für typische Use-Cases im Finanzbereich heißt das: Bonitätsprüfungen, Aktualisierung von Hedging-Modellen oder die Analyse von ETF-Performances lassen sich über natürlichsprachliche Eingaben anstoßen. Gleichzeitig bleibt der Connector-Status nicht bei „alles live“ stehen: Der FactSet-Connector befindet sich laut Microsoft noch in der Vorschau und soll im Juli 2026 allgemeiner verfügbar werden.
Am Markt wirkt das wie ein gezielter Ausbau gegen zwei Wettbewerbsrichtungen: Erstens steigt der Druck, KI direkt am Arbeitsplatz zu verankern, statt sie nur als Chat-Schicht anzubieten. Zweitens wird der Wettbewerb um Datenabdeckung härter, weil Finanzteams eine klare Antwort darauf brauchen, welche Quelle wie aktuell und zitierfähig ist. Google positioniert sein Spreadsheet-Ökosystem und Gemini in der Praxis ebenfalls als Arbeitsbegleiter, während spezialisierte BI- und Finanzplattformen (zum Beispiel FactSet- oder Morningstar-Ökosysteme) weiterhin versuchen, den „Datenbezug“ bei sich zu halten. Microsoft verschiebt diese Grenze jedoch in Richtung Microsoft 365, indem es Datenzugriff und KI-Ausführung in Excel bündelt.
Auch der Qualitätsaspekt ist Teil der Marktdynamik, denn Finanzmodelle scheitern oft nicht an der Sprache, sondern an stillen Fehlern in Logik, Reihenbezug oder Annahmen. Microsoft adressiert das mit einem neuen „Plan with Copilot“-Modus: Nutzer können die beabsichtigten Aktionen der KI vor der Ausführung im Workbook prüfen und anpassen. Ergänzend zeigt „Show Changes“, welche Änderungen genau von der KI stammen. Brian Jones, bei Microsoft verantwortlich für Excel, betonte, die neuen Funktionen seien in Zusammenarbeit mit der hauseigenen Finanzabteilung entwickelt und getestet worden. Zur Qualitätssicherung setzt das Excel-Team auf ein Bewertungssystem mit vier Stufen nach Komplexität sowie auf den internen Benchmark „FinanceBench“, gemeinsam mit dem Financial Modeling Institute entwickelt.
Historisch betrachtet ist das keine völlig neue Idee, aber Microsoft macht sie jetzt konsistenter: Schon seit Jahren versuchen Anbieter, Reporting aus „PowerPoint/Word“-Welten in Tabellen zu verlagern, und KI-Beschleuniger versprechen seit dem Hype um LLMs eine Art „Copilot für Office“. Der Unterschied liegt heute im Zusammenspiel von drei Elementen: wiederverwendbaren Workflows (Skills), kontrollierbarer Ausführung (Planen und Änderungen anzeigen) und datenbasiertem Kontext über definierte Protokolle (MCP). Für Finanzabteilungen entsteht daraus die Erwartung, dass KI nicht nur Text schreibt, sondern modellnahe Entscheidungen vorbereitet – und dabei auditierbar bleibt.
In den kommenden Quartalen entscheidet sich, ob Microsofts Ansatz in der Breite skaliert. Im dritten Quartal 2026 sollen zudem Drittanbieter spezialisierte Skills über das Microsoft-365-Admin-Center und den Marketplace vertreiben können. Das eröffnet Entwicklern und Beratungen neue Geschäftsmodelle: Sie können domänenspezifische Skills für Reporting-Zyklen, Modell-Templates oder Compliance-nahe Prüfungen bereitstellen, solange die Governance sauber bleibt. Gleichzeitig sollten Unternehmen die regulatorische Seite aktiv mitdenken: Live-Marktdaten erfordern klare Rollen, Rechte und Lizenzmanagement pro Anbieter, und bei KI-gestützter Tabellenänderung braucht es nachvollziehbare Freigaben. Insgesamt deutet das Update darauf hin, dass Excel als „Finanz-Operations-Layer“ eher gewinnt als verliert – und dass Datenqualität, Kontrolle und Integration die eigentliche KI-Währung sind.
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