BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Drei weitere Universitäten sowie zwei Hochschulverbünde können künftig den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen. Für einzelne Hochschulen ist dabei eine Förderung von bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr möglich, bei Verbünden bis zu 28 Millionen Euro. Die Entscheidung setzt voraus, dass sich die Einrichtungen alle sieben Jahre erneut prüfen lassen. Parallel bleibt die Förderung über die Exzellenzstrategie mit Clustern ein zentraler Hebel für die Forschungslandschaft.

In Bonn hat das Bundesforschungsministerium den nächsten Schritt der Exzellenzstrategie eingeläutet: Drei Hochschulen werden künftig als „Exzellenzuniversität“ geführt, zusätzlich rücken zwei Verbünde neu in das Programm ein. Die Aufnahme schafft auf einen Schlag zusätzliche Planungssicherheit für Forschungsteams und Infrastrukturvorhaben, weil der Titel nicht nur Reputation bringt, sondern auch finanzielle Mittel nach einem festen Fördermechanismus mobilisiert. Für die betroffenen Einrichtungen ist die Meldung deshalb mehr als ein Etikett – sie beeinflusst Personal- und Sachbudgets, die Gestaltung von Forschungskooperationen und die Fähigkeit, Projekte in der Breite wie in strategischen Schwerpunkten aufzusetzen.
Konkret nennen die Verantwortlichen die Universitäten in Freiburg, Jena und Köln als künftige Einzel-Exzellenzuniversitäten. Als Verbünde wurden außerdem die Rhein-Main-Universitäten in Darmstadt, Mainz und Frankfurt am Main neu angemeldet, hinzu kommen die TU Dortmund sowie die Uni Bochum im Verbund unter dem Namen „Ruhr Innovation Lab“. Der Mechanismus dahinter ist klar: Für Einzeluniversitäten ist bis zu 15 Millionen Euro Förderung pro Jahr vorgesehen, während Verbünde bis zu 28 Millionen Euro jährlich erreichen können. Damit verschiebt sich die Ressourcengrundlage nicht nur innerhalb einzelner Hochschulen, sondern auch zwischen institutionell vernetzten Standorten, die ihre Leistungsfähigkeit als Verbund darstellen müssen.
Der Exzellenz-Titel ist dabei nicht dauerhaft „gesetzt“, sondern an eine regelmäßige Überprüfung geknüpft. Alle sieben Jahre müssen sich die Einrichtungen erneut einer Evaluierung stellen, die die Fördervoraussetzungen anhand der erreichten Leistungen beurteilt. Diese Logik erinnert an andere wettbewerbliche Förderinstrumente im Wissenschaftssystem: Sie belohnt nicht nur den Start einer Strategie, sondern setzt den Fokus auf nachweisbare Wirkung und die Weiterentwicklung der Forschungs- und Organisationsstrukturen. Für Hochschulen bedeutet das in der Praxis, dass Datenräume und Projektportfolios so aufgestellt werden müssen, dass sie in mehreren Zyklen belastbar berichten können – von Drittmittel- und Publikationsentwicklung über Transferaktivitäten bis hin zu Aufbauleistungen in der Lehre.
Neben der Exzellenzuniversität existiert in der Exzellenzstrategie ein zweiter Förderpfad: die sogenannten Cluster. Cluster stehen für spezialisierte Forschungsprojekte, die an einer oder mehreren Hochschulen umgesetzt werden und damit gezielt Querschnittsthemen bündeln können – typisch für moderne Forschungslandschaften, in denen sich Fragestellungen entlang von Methoden, Plattformen und interdisziplinären Teams entwickeln. Für das vergangene Jahr werden Projekte an 43 Universitäten in 13 Bundesländern als Auswahl für diese Förderung beschrieben. Das verdeutlicht: Wer Cluster in ausreichender Zahl nachweisen kann, erhöht auch seine Chancen, im nächsten Exzellenzzyklus als Exzellenzuniversität zu bestehen. Die Titel sind damit eng mit einer kontinuierlichen, projektbasierten Aufbauarbeit verbunden.
Auch die Größenordnung der Förderung spielt in die Planung hinein. Bund und Länder stellen im Rahmen der Exzellenzstrategie jährlich 687 Millionen Euro bereit; ab dem kommenden Jahr steigt die Summe nach Angaben des Bundesforschungsministeriums auf 747 Millionen Euro. Laut Aufteilung kommen 75 Prozent von der Bundesebene, 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland der Einrichtung. Für die Hochschulsteuerung ist das ein wesentlicher Faktor, weil die Mittelverwendung typischerweise mehrere Jahre vorausgeplant wird und in die Finanzierung von Stellen, Forschungsplattformen und langfristigen Kooperationen hineinwirkt. In einem System mit fester Förderlogik entsteht dadurch zugleich ein Wettbewerb um die jeweils besten Konzepte – nicht nur um die „Headline“, sondern um die Substanz, die eine Bewertung im Siebenjahresrhythmus bestehen kann.
Von dieser Dynamik profitiert am Ende auch die Innovationsfähigkeit der Forschungsumgebung: Die Exzellenzwettbewerbe wurden laut den vorliegenden Angaben unter anderem gestartet, um internationalen Ruf und das Image deutscher Einrichtungen zu stärken. Dazu passt, dass sich die Exzellenzlogik nicht ausschließlich auf Grundlagenforschung beschränkt, sondern auch die Fähigkeit betont, Forschung sichtbar und anschlussfähig zu organisieren – etwa über Clusterstrukturen, die Koordination zwischen Teams erleichtern. Hinzu kommt, dass Deutschland mit insgesamt 421 Hochschulen insgesamt eine breite Bildungs- und Forschungsbasis trägt; die Exzellenzstrategie wirkt damit wie ein zusätzlicher Verstärker für jene Teile des Systems, die ihre Schwerpunkte besonders klar zuspitzen.
Für Entscheider in Wissenschaftsorganisationen liegt die wichtigste Konsequenz in der Kombination aus Titel- und Clusterlogik. Wer neue Mittelreihen nutzen will, sollte die nächsten Bewertungszyklen nicht erst im letzten Jahr der Laufzeit vorbereiten, sondern die interne Steuerung frühzeitig auf Nachweisbarkeit ausrichten: Leistungskennzahlen, Konsortialarchitektur, Governance und die technische Infrastruktur, die Clusterarbeit überhaupt erst skalierbar macht. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie sich die zusätzliche Finanzierung real auf die Forschungsarbeit auswirkt – etwa ob sich mehr Doktorandenstellen, bessere Plattformzugänge oder schnellere Transferpfade ergeben. Klar ist: Mit den neuen Titeln geht die Exzellenzstrategie in Bonn in eine neue Phase, in der Wettbewerb, Evaluation und strategische Bündelung zusammenwirken.
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