LONDON (IT BOLTWISE) – Die nächsten Fed-Signale werden laut Marktkommentar zur zentralen Weiche für Edelmetalle. Der US-CPI im August liegt bei 0,4% und hebt die erwartete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf 85%. Bei höheren Zinsen rechnet der Autor mit weiteren Rückgängen bei Gold und Silber sowie Druck auf Bergbauwerte. Bleiben die Zinsen dagegen unverändert, könnten Korrekturen auslaufen und Kurse kurzfristig anziehen.

Die Märkte schauen in der kommenden Woche weniger auf Schlagzeilen als auf eine einzelne Abstimmung: ob die US-Notenbank die Zinsen anhebt oder unverändert lässt. Hintergrund ist der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für August, der bei 0,4% lag. In der Folge wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed in dem vorliegenden Marktkommentar auf 85% beziffert. Für Edelmetalle bedeutet das im Kern einen klassischen Zielkonflikt aus Realzinsen, Währungs- und Risikoappetit: Steigt die Erwartung an eine restriktivere Geldpolitik, geraten zinslose Assets typischerweise unter Druck; fällt diese Erwartung dagegen weg, kann sich die Stimmung drehen.
Gold wird dabei konkret an technischen Marken entlang bewertet. Der Kommentar beschreibt, dass Gold seinen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt (EMA) zwar zu halten versucht, aber bei einer Zinserhöhung in der nächsten Woche ein weiterer Rückgang wahrscheinlich sei. Als „ideale Unterstützung“ nennt der Autor einen Bereich um 4.150 $ mit einem Toleranzband von plus/minus 50 $. Das Risiko eines erneuten Abwärtsimpulses soll zusätzlich steigen, wenn gleichzeitig Ölpreise und die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen weiter nach oben laufen. In diesem Worst-Case-Szenario reicht die Spanne bis unter 4.000 $, verbunden mit der Möglichkeit, ein zweites Tief im Oktober auszubilden.
Auch Silber wird in diesem Mechanismus aus Geldpolitik, Zinskurve und Rohstoff-Narrativ eingeordnet. Für den Fall unveränderter Zinsen wird ein unmittelbarer Durchbruch über 70,00 $ erwartet. Bei einer Zinserhöhung soll Silber dagegen wieder in Richtung 60,00 $ zurückfallen. Selbst wenn die Märkte kurzfristig auf eine Zinspause hoffen, bleibt in dem Kommentar ein deutlicher Risikoanker: Steigende Renditen für US-Staatsanleihen könnten im breiten Ausverkauf nach der Fed-Entscheidung die Abwärtsbewegung bis in den Oktober hinein beschleunigen, mit einem möglichen Ziel von 50,00 $. Gerade diese Kopplung zeigt, wie stark Metalle in der Praxis nicht isoliert gehandelt werden, sondern als Bestandteil des „Risk-on/Risk-off“-Regimes auftreten, wenn sich Finanzierungskosten und Inflationserwartungen gleichzeitig verschieben.
Neben den Preisen werden im Kommentar auch die „Transmissionskanäle“ sichtbar gemacht, über die sich Schocks in den Öl- und Zinsmarkt auf Metalle und Aktien durchreichen sollen. Für Öl wird beschrieben, dass der Rohölpreis die 100-Dollar-Marke testet, während sich Angriffe auf die saudische Infrastruktur verschärfen. Zusätzlich wird eine Blockade des Roten Meeres durch die Houthis als Faktor genannt, der die Preise in kurzer Zeit auf über 120 $ treiben könnte. Diese Ölkomponente passt zu der zweiten genannten Kette: Steigende Energiepreise heizen Inflationsängste an, wodurch die 10-Jahres-Renditen US-Staatsanleihen ihr Hoch aus dem Jahr 2023 testen und – bei anhaltendem Überwinden der 5,00%-Marke – einen spürbaren Ausverkauf bei Aktien und anderen Risikoanlagen auslösen könnten. Für das Anlage-Setup heißt das: Nicht nur die Fed selbst zählt, sondern auch, wie die Zinswahrnehmung durch Energie-induzierte Inflationserwartungen „nach oben“ verstärkt werden könnte.
Genau hier setzt der Kommentar bei der relativen Bewertung von Bergbauaktien an. Während Gold als Marktanker für den Abwärtsfall dient, soll der Bereich der Bergbauwerte bei entsprechender Geldpolitik strukturell profitieren. Für den Index GDX wird betont, dass Bergbauaktien im Juli einen wichtigen Tiefpunkt erreicht hätten. Bei einer Zinserhöhung erwartet der Autor einen Rückgang in Richtung einer Unterstützung um 92,00 $, während bei unveränderten Zinsen im vierten Quartal neue Hochs möglich sind. Noch stärker wird das auf Einzeltitel übertragen: Newmont habe im August neue Höchststände erreicht; daraus wird abgeleitet, dass Bergbauunternehmen gegenüber Gold eine Outperformance erzielen könnten. Für den Zinserhöhungsfall wird Newmont kurzfristig sogar zurück unter die 120-Dollar-Marke einsortiert, bei Zinsbeständigkeit dagegen werden wahrscheinlich neue Allzeithochs erwartet.
Das Bild wird durch Junior-Goldminen und einen breiteren Aktienmarkt-Teil abgerundet. Beim Index GDXJ heißt es, die Junioren könnten noch etwas weiter nachgeben – abhängig von der Fed-Entscheidung möglicherweise unter 120 $. Gleichzeitig argumentiert der Kommentar, Junioren seien als „Buy-the-Dip“-Kandidaten positioniert, um Gold zu übertreffen. Für Silber-Junior-Unternehmen wird sogar ein Zeithorizont von 3 bis 5 Jahren genannt, verbunden mit dem Hinweis, dass nach einer Zinserhöhung ein Rückgang unter 30 $ eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten könnte. Parallel dazu adressiert der Kommentar den US-Aktienmarkt: Der S&P 500 sei zu Beginn des Oktobers anfällig für eine Korrektur von mehr als 10%, falls Kurse nach der Fed-Sitzung deutlich unter 7.550 fallen. Damit werden Metalle und Bergbauwerte indirekt als „untere Hebel“ im Worst-Case-Szenario beschrieben, weil ein breiter Ausverkauf ausgelöst durch Öl- und Renditetreiber die Liquidität aus dem gesamten Risiko-Cluster abziehen würde.
Zum Abschluss verknüpft der Autor die These mit einem weiteren, eigenständigen Risikoindikator: Bitcoin. Der Kommentar beschreibt, dass Bitcoin seit einiger Zeit niedrigere Hochs ausbilde und etwa alle vier Monate vorübergehende Zyklushöchststände erreiche. Ein nachhaltiger Durchbruch unter 76.000 $ würde demnach einen weiteren Höchststand bestätigen und den Weg für ein tieferes Tief im vierten Quartal ebnen. Unterm Strich läuft die Argumentation auf ein einziges Koordinatensystem hinaus: Die Fed-Entscheidung wirkt auf Zins- und Inflationsnarrative, diese beeinflussen Renditen und Energiepreise, und daraus folgen Anschlussreaktionen bei Gold, Silber, Bergbauwerten sowie riskanteren Assetklassen. Für Entscheidungsträger in Unternehmen und Portfoliomanager heißt das vor allem, dass Szenarien nicht nur für einzelne Instrumente, sondern entlang der Preis- und Renditekette gedacht werden müssen.
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