HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Fielmann-Chef dämpft die Hoffnung, Smartglasses könnten in den nächsten Jahren Smartphones ersetzen. Laut Vorstandsvorsitzendens Aussage bleibt die Nutzerbasis noch deutlich hinter anderen Wearables zurück, weshalb sich ein fairer Vergleich aktuell nur eingeschränkt ziehen lässt. Die Hamburger Augenoptiker-Kette sieht Nachfrage vor allem in Großstädten und im Ausland wie Spanien und den USA. Gleichzeitig verweist Fielmann auf den anhaltenden Trend hin zu kamera- und sprachfähigen Brillen.

Smartglasses gelten seit Jahren als die nächste große Verschiebung im Alltag: Brillen, die mehr leisten als Sehhilfen, und die Kamera-, Mikrofon- und Audiofunktionen direkt am Kopf bündeln. Genau dort setzt die aktuelle Einordnung von Fielmann an. In einem Interview sprach der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Augenoptiker-Kette darüber, dass sich an dieser Entwicklung zwar insgesamt etwas bewegt, die Vision vom Smartphone-Ersatz sich aber eher nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren realistisch umsetzen lässt. Damit rückt Fielmann den Unterschied zwischen technologischem Fortschritt und ausreichend großer Anwenderbasis in den Mittelpunkt.
Technisch betrachtet ist der Kern der Smartglasses-Positionierung klar: Je nach Modell sehen die Geräte wie normale Brillen aus, sind jedoch zusätzlich mit leichten Kameras, Mikrofonen, Lautsprechern und Displays ausgestattet. Genau dadurch verändern sich Nutzungsszenarien. Träger können Umgebungen aufnehmen, Telefonate führen oder Gespräche übersetzen lassen. Fielmann beschreibt Smartglasses deshalb weniger als universelle Alternative zu Smartphones, sondern eher als eigene Kategorie innerhalb der Wearables. Dieser Blick ist auch deshalb wichtig, weil sich die Akzeptanz nicht nur an Funktionen entscheidet, sondern daran, wie häufig und wie breit Nutzer die Geräte in ihren Routinen tatsächlich einsetzen.
Aus Unternehmenssicht liefert Fielmann dafür eine messbare Händler-Perspektive. Der Vorstandsvorsitzende berichtete, dass Fielmann Smartglasses in rund 200 der ungefähr 1.300 Filialen weltweit verkauft. Gleichzeitig betonte er: Wenn die Nachfrage „bombastisch“ wäre, würde man sie entsprechend flächiger anbieten. Diese Formulierung ist bemerkenswert, weil sie die typische Dynamik im Einzelhandel trifft: Schon eine moderate Steigerung der Nachfrage kann sich in der Bestückung schnell widerspiegeln, während eine größere Differenz zwischen Pilot- und Massenmarkt oft zunächst über ausgewählte Standorte abgebildet wird. Umsatz- und Bestandsentscheidungen werden damit eng an Absatzsignale gekoppelt, nicht nur an die mediale Erwartung rund um neue Technologien.
Die Erwartungsdebatte wird in der Branche häufig über Reichweite und Investitionssignale geführt. In dem Interview wird deshalb auch ein Vergleich gezogen: Manche Tech-Enthusiasten sehen Smartglasses als Nachfolger der Smartphones; der Text verweist zudem auf den Meta-Konzern als Beispiel für ein Unternehmen, das auf diesen Weg setzt. Der Vorstandsvorsitzende formulierte die Einordnung sinngemäß über das Investitionsniveau: Wenn Meta deutlich zweistellige Milliardenbeträge investiert, setzt das Unternehmen demnach darauf, das Smartphone abzulösen. Fielmann hält jedoch dagegen, dass ein relevanter Vergleich zur Nutzerbasis derzeit noch nicht sauber möglich ist – nicht zuletzt, weil Smartglasses derzeit von den Einsatzmustern her anders gelagert sind als etwa AirPods oder Smartwatches.
Auch die regionale Nachfrage wird von Fielmann konkreter gemacht. Tendenziell gebe es eine höhere Nachfrage in Großstädten und im Ausland, genannt werden unter anderem Spanien und die USA, also Märkte, in denen die Fielmann-Gruppe ebenfalls Niederlassungen betreibt. Das deutet auf einen klassischen Zusammenhang hin: Wer in bestimmten Regionen bereits eine dichte Kundenbasis und Beratungskompetenz aufgebaut hat, kann neue Produktgattungen früher skalieren. Gerade bei optischen Produkten spielt außerdem Beratung eine Rolle, weil Passform, Tragegefühl und Alltagstauglichkeit über die reine Technik hinaus wichtig bleiben. Damit wird Smartglasses auch zu einem Thema für den Fachhandel – weniger als rein technisches Consumer-Gadget, eher als neues „Optik-UX“-Versprechen.
Für den Markt ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Ja, Smartglasses sind bei Fielmann „ein anhaltender Trend“ – aber der Übergang in eine Massenrolle dauert. Solange die Geräte weniger Nutzer erreichen als etablierte Wearables, bleibt die Vergleichbarkeit eingeschränkt, und die Verkaufsbreite bleibt zunächst selektiv. Gleichzeitig spricht Fielmann nicht gegen Innovation, sondern ordnet sie zeitlich ein: Zwischen dem, was Geräte technisch können, und dem, was sich im Alltag durchsetzt, liegt eine Hürde aus Nutzungshäufigkeit, Bedienkonzepten und gesellschaftlicher Akzeptanz. Für Unternehmen bedeutet das vor allem, dass Smartglasses-Strategien nicht nur auf App-Ökosysteme und Hardware setzen sollten, sondern auf messbare Indikatoren für tatsächliche Produktnutzung.
Unterm Strich verschiebt Fielmann den Fokus weg vom „Ersatzversprechen“ hin zu einer realistischeren Roadmap: Smartglasses entwickeln sich, aber die massentaugliche Rolle dürfte zunächst stärker über spezielle Use-Cases wachsen – etwa Kommunikation, Übersetzung und situative Assistenz – bevor sie sich gegen Smartphones in voller Breite behaupten. Wer heute Produkte, Dienstleistungen oder Plattformen dafür plant, kann aus der Händlerlogik ableiten, dass Skalierungsschritte eng mit Absatzsignalen gekoppelt sind. In der Praxis heißt das: Pilot- und Wachstumsphasen gewinnen an Bedeutung, während „Big Bang“-Erwartungen an einen schnellen Smartphone-Ablöseprozess eher zu optimistisch wirken. Genau hier sitzt die Botschaft der aktuellen Einordnung von Fielmann: Trend ja, Timing offenbar noch nicht.
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