USA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der FIFA-Boss Gianni Infantino treibt Pläne voran, kommerzielle Rechte an WM-Turnieren teilweise an Investoren zu verkaufen. Die FIFA nennt dafür einen potenziellen Erlös von mehr als vier Milliarden US-Dollar und argumentiert mit steigenden Einnahmen bis 2038. Die UEFA widerspricht scharf und warnt vor einer Grenze, die Fußball-Institutionen nicht überschreiten dürften. Damit verschärft sich der Machtkampf rund um Vermarktungsrechte – und die Frage, ob die Beteiligung mehrheitlich durchsetzbar ist.

Der nächste Konflikt um Vermarktungsrechte im Weltfußball nimmt Fahrt auf: In den USA hat die FIFA erneut den Hebel „Investoren“ angesetzt und will offenbar einen Teil der kommerziellen Rechte an WM-Turnieren in eine Beteiligungsstruktur auslagern. Gianni Infantino setzt dabei auf ein Modell, das Investoren finanzielle Anreize über die künftige Erlösentwicklung gibt: Wenn Umsatz und Unternehmenswert der verwertenden Gesellschaft steigen, steigt auch der Wert der Beteiligung. Die FIFA beziffert den erwartbaren Erlös für einen solchen Deal auf etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar; zugleich verweist sie darauf, die Vermarktung innerhalb des aktuellen WM-Zyklus weiter ausbauen zu wollen. Genau diese Logik stößt jedoch nicht nur auf politische Kritik, sondern auch auf eine institutionelle Frontlinie, die sich zuletzt vor allem in Europa abgezeichnet hat.
Technisch-organisatorisch würde ein solcher Schritt weniger „neue Fußballregeln“ bedeuten, sondern vor allem eine Neugestaltung der Eigentums- und Einflusskette rund um Rechtepakete. Die FIFA betont, die ausschließliche Zuständigkeit für die Führung des Fußballs, Wettbewerbe, den internationalen Spielkalender sowie regulatorische und sportliche Entscheidungen zu behalten. Entscheidend ist damit die Schnittstelle zwischen den kommerziellen Rechten und der governance-seitigen Kontrolle: Wer auf Investorenseite mitverdient, hat in der Praxis oft ein Interesse daran, dass die verwertbaren Produkte größer, häufiger oder werthaltiger werden. In diesem Sinne nennt die Berichterstattung als mögliche Folge, dass der Druck steigen könnte, das WM-Feld auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen. Auch wenn die FIFA keine konkreten Fan-Änderungen ankündigt, beschreibt sie das Geschäftsprinzip klar: Mehr Spiele oder mehr Turniere können Einnahmen erhöhen – und damit den Beteiligungswert.
Historisch wirkt das wie eine Wiederaufnahme eines bereits gescheiterten Ansatzes. Infantino hatte im November 2018 schon einmal für einen Investoren-Deal geworben, diesmal für Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Damals ging es um 25 Milliarden US-Dollar – die damalige Umsetzung kam nicht zustande. Dass der Versuch jetzt erneut auf die Agenda rückt, hat auch zeitliche Gründe: Nur wenige Wochen nach dem WM-Finale in den USA und inmitten zusätzlicher Reibung an anderer Stelle (unter anderem im Kontext politisch aufgeladener Ereignisse rund um eine US-Sperre eines Stürmers) versucht die FIFA, die Debatte wieder stärker auf die ökonomische Dimension zu lenken. Zusätzlich schwebt die Personalfrage über allem: Für Infantino wird in der Berichterstattung das Szenario diskutiert, nach einer weiteren Amtsperiode ab 2031 Geschäftsführer des neu zu gründenden Tochterunternehmens zu werden. Ein FIFA-Sprecher spricht dabei davon, derzeit werde ein Vorschlag geprüft, der den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat zur Entscheidung vorgelegt werden soll.
Der entscheidende Gegenpol ist nach Angaben aus der europäischen Verbandswelt die UEFA. Der Dachverband erklärte, damit werde eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften. Auffällig ist die Timing-Komponente: Die UEFA veröffentlichte ihr Statement offenbar bereits auf Basis eines vorab laufenden Berichts und damit bevor die FIFA ihre Pläne offiziell kommunizierte. UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke unterstrich dabei die Macht der europäischen Fußball-Union und verwies auf die Dominanz europäischer Teams bei der WM: Bei der WM stünden sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale; wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, habe das „sehr viel Gewicht“. Die UEFA will dabei laut Berichten eine mögliche Blockade von FIFA-Wettbewerben nicht kommentieren – gleichzeitig gilt als wahrscheinlich, dass die europäischen Verbände kurzfristig intern beraten, wie sie auf die Investorenspur reagieren.
In der Mitgliedschaft der FIFA könnte die Sache dennoch durchsetzbar wirken – zumindest, wenn man nur auf die finanziellen Anreize schaut. Abseits des europäischen Widerstands, so deutet die Berichterstattung an, rechnen viele kleinere Mitgliedsstaaten mit Zustimmung, weil zusätzlicher Mittelzufluss ihre Planungssicherheit erhöhen würde. Gianni Infantino argumentiert in diesem Zusammenhang mit „Demokratisierung des Fußballs“ und sagt: „Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit.“ Er ergänzt: „Wir beabsichtigen, auch in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt, die zu oft übersehen werden, massiv zu investieren.“ Nach FIFA-Angaben könnten sich die Einnahmen pro Jahr für Mitgliedsverbände mehr als verdreifachen – im Schnitt bis zu mehr als sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Für die FIFA ist der Deal damit auch ein Machtinstrument: Jeder Verband solle einen „fairen Anteil“ erhalten, um seine eigene Zukunft zu gestalten. Der Umbau betrifft folglich nicht nur die WM-Verwertung, sondern auch den politischen Deal zwischen zentraler Weltverbandsebene und nationalen bzw. kontinentalen Zusammenschlüssen. Genau hier setzt auch die Kritik an Verfahrensfragen an: Der kontinentale Verband Concacaf zeigte sich enttäuscht über das Vorgehen und bemängelte, man habe erst über Medien davon erfahren.
Was wäre im Streitfall die technische oder personelle Umsetzung? Wenn das Modell tatsächlich verabschiedet wird, könnte Infantino das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ein FIFA-Sprecher betont allerdings, über dieses Szenario sei noch nie konkret gesprochen worden. Zugleich müsse der Präsident und die Verwaltung führende Rollen einnehmen, sofern genehmigt, um die Kontrolle über die Tochtergesellschaften gemäß FIFA-Statuten zu behalten. Genau diese Nähe zwischen Verbandsführung und kommerziellem Konstrukt treibt die Gegenargumente in der öffentlichen Debatte: Joseph Blatter schrieb sinngemäß, die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten habe eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufüge, und niemand habe das Recht, den Sport zu verkaufen. Auch aus Großbritannien kommt Kritik: Premier Andy Burnham stellte sich gegen die Idee, „dass der Fußball den Investoren gehört“, und ergänzende britische Medien formulierten die Sorge, die WM werde zum Verkaufsgut. Die Parallele zur deutschen Bundesliga zeigt zudem, dass der Widerstand gegen Investoreneinstiege kein reines FIFA-Thema ist: Die Deutsche Fußball Liga plante Anfang der 2024er Zeit einen Minderheitsinvestor an einer Vermarktungsgesellschaft namens MediaCo zu beteiligen, gab die Pläne aber nach massiven Fanprotesten wieder auf.
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