MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nur 14 Prozent der Unternehmen verbinden Finanzprozesse so nahtlos, dass Automatisierung von Rechnungen bis Zahlungsverkehr im Alltag wirklich funktioniert. Payhawk reagiert mit einer Plattform-Edition für die native SAP S/4HANA-Integration und erweitert den Support für internationale Währungen. Parallel zeigen KI-Agenten wie Ivalua IVA Studio, wie Vertrags- und Prüfprozesse künftig teilautonom werden. Gleichzeitig rückt der EU AI Act die Frage in den Vordergrund, wie Unternehmen solche Systeme rechtssicher betreiben.

Finanzautomation bleibt für viele Firmen eine Lücke: Nur 14% schaffen die Integration
Finanzautomation bleibt für viele Firmen eine Lücke: Nur 14% schaffen die Integration (Foto: IT BOLTWISE)
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Finanzautomation klingt in vielen Vorstandsetagen nach „einfacher Effizienz“ – doch eine aktuelle Erhebung entlarvt den Engpass: Nur 14 Prozent der befragten Unternehmen schaffen die erfolgreiche Verbindung der relevanten Finanzbereiche. Befragt wurden dafür 1.520 Führungskräfte, und die Zahl wirkt wie ein Indikator für den Realitätscheck in der Praxis: Schnittstellen, Datenqualität, Prozessverantwortung und wechselnde rechtliche Anforderungen treffen auf heterogene Systemlandschaften. Genau dort setzen Plattformanbieter an, wenn sie Integrationen und Workflows nicht nur versprechen, sondern in bestehende ERP-Umgebungen hineinbauen.

Im konkreten Fall reagiert der Softwareanbieter Payhawk mit einer neuen Edition seiner Plattform, die den Sprung in SAP S/4HANA erleichtern soll. „Native Integration“ ist in diesem Kontext mehr als ein Marketingbegriff: Sie reduziert typischerweise den Migrationsaufwand, minimiert manuelle Datenflüsse und macht es leichter, Zahlungs- und Buchungslogik konsistent zu halten. Dazu kommen erweiterte Funktionen für den globalen Zahlungsverkehr, etwa Unterstützung für Schweizer Franken, dänische Kronen oder polnische Złoty. Für Finanzteams bedeutet das vor allem weniger Medienbrüche bei Abstimmungen und eine stabilere Grundlage für Automatisierungsregeln.

Dass die technische Kopplung allein nicht genügt, zeigt der Blick auf die elektronische Rechnungsstellung in der EU. Moderne Finanzplattformen stellen zwar die nötigen EU-weiten Funktionen bereit, aber viele Unternehmen unterschätzen steuerliche Vorgaben und Archivierungsregeln – ein Klassiker in Projekten, bei denen Prozesse zwar digitaler werden, aber rechtliche Anforderungen nicht sauber in Datenmodelle und Workflows überführt sind. Ein kostenloser Expertenratgeber adressiert genau dieses Risiko und beschreibt Schritt-für-Schritt, welche Formate und Archivierungslogiken „rechtssicher“ umgesetzt werden sollen. In der Praxis wird damit häufig sichtbar, wo in End-to-End-Ketten (Erstellung, Empfang, Prüfung, Ablage) Compliance-Wissen fehlt.

Der Automatisierungsschub kommt zudem aus einer zweiten Richtung: KI-Agenten. Mehrere Anbieter stellten Mitte Juni agentenbasierte Technologien vor, die über klassische regelbasierte Automatisierung hinausgehen. Während regelbasierte Engines vor allem deterministische Fälle abbilden, zielen Agenten darauf, Arbeitsabläufe stärker kontextgeführt zu steuern – etwa indem sie Dokumente interpretieren, Entscheidungswege vorbereiten und Folgeaktionen anstoßen. Ivalua präsentierte dafür mit IVA Studio einen zentralen KI-Agenten für Source-to-Pay-Prozesse, der Vertragsvergleiche durchführt, Ausschreibungen managt und Rechnungsprüfungen automatisiert. In eine ähnliche Richtung gehen Ankündigungen zu Self-Service-Agenten bei Workday und Google Cloud, die komplexe Fragen zu Personalthemen und Finanzen bearbeiten und Aufgaben eigenständig ausführen sollen.

Damit steigt der Markt- und Wettbewerbsdruck spürbar. Laut einer Untersuchung des Beratungshauses Horváth priorisieren rund 70 Prozent der IT-Entscheider im Finanzsektor Prozessautomatisierung, um Kosten zu optimieren. Die Zahl passt zur beobachtbaren Investitionslogik: Automatisierung wirkt schnell messbar, solange sie die „letzte Meile“ erreicht – also die Integration in bestehende Systeme und die Bedienbarkeit für Fachabteilungen. Payhawk betont in diesem Zusammenhang, man wolle Finanzteams eine Lösung bieten, die **Bedienbarkeit** mit operativer Tiefe verbindet. Genau diese Balance entscheidet oft darüber, ob Teams Agenten akzeptieren oder sie als zusätzliche Komplexität wahrnehmen.

Mit wachsender KI-Nutzung werden jedoch regulatorische Fragen zum zentralen Projektbestandteil. Unternehmen müssen die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen des EU AI Act berücksichtigen, besonders wenn KI-gestützte Systeme Entscheidungen beeinflussen oder automatisierte Handlungen anstoßen. Das betrifft nicht nur das Modellverhalten, sondern auch Governance: Welche Daten werden verarbeitet, wie werden Risiken eingestuft, wer überwacht die Ergebnisse und wie dokumentiert man Kontrollmechanismen? Parallel zeigen Praxisbeispiele, dass Automatisierung nicht nur im Großkonzern funktioniert: Ein No-Code-Plattform-Anbieter berichtete von einer Roadmap zur Prozessoptimierung, bei der Durchlaufzeiten für Budgetfreigaben von vier Wochen auf eine Woche sanken. Die PFREUNDT GmbH reduzierte Vertriebskosten nach einem Relaunch ihres B2B-Portals um bis zu 40 Prozent, was erneut unterstreicht, wie entscheidend die nahtlose Integration digitaler Schnittstellen ist.

Auch außerhalb der klassischen Finanzbuchhaltung wird Digitalisierung messbar: Im Nahverkehr ermöglicht ein digitales Firmenkonto über eine Mobilitäts-App der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg, Fahrten zentral zu buchen und abzurechnen. In der Luftfahrt hat SWISS die Bordverpflegung digitalisiert, indem Menükarten und Vorbestelloptionen bis zu sechs Wochen vor Abflug online abrufbar sind – ein Detail, das indirekt Kostenplanung und Dienstreisekomponenten verbessert. Gleichzeitig mahnt ein Blick auf Vergütungs- und Nebenleistungen zur Vorsicht: Nur 44 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft erhalten Urlaubsgeld, tarifgebunden sind es 73 Prozent, ohne Tarifvertrag nur 35 Prozent. Diese Streuung zeigt, dass Automatisierung zwar Prozesse vereinheitlichen kann, aber Unternehmens- und Rechtsrealitäten weiterhin differenziert abgebildet werden müssen.

Für die nächsten Monate zeichnet sich daher ein klares Muster ab: Unternehmen brauchen Plattformen, die sowohl Integrationsfähigkeit (z. B. SAP S/4HANA) als auch prozessuale Tiefe (E-Rechnung, Prüf- und Archivlogik, internationale Währungslogik) liefern – und gleichzeitig KI-Agenten so einbetten, dass Governance und Nachvollziehbarkeit nicht auf der Strecke bleiben. Wettbewerber wie Ivalua, Workday oder Google Cloud werden diese Agenda beschleunigen, aber die entscheidende Differenz liegt in der Umsetzungstiefe: Wie schnell lassen sich Workflows anpassen, wie robust sind die Datenflüsse, und wie sicher werden Entscheidungen überwacht? Wer jetzt investiert, gewinnt nicht nur Effizienz, sondern auch die Grundlage, KI in der Organisation nachhaltig und rechtssicher zu skalieren.


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