TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – Japanische Wissenschaftler arbeiten daran, die Fischzucht ins All zu bringen. Mit einem innovativen System wollen sie die Ernährung von Astronauten auf Langzeitmissionen sichern. Diese Forschung könnte die Zukunft der Raumfahrt revolutionieren.

Die Idee, Fischzucht in den Weltraum zu verlagern, mag futuristisch klingen, doch für die Wissenschaftler der Okayama University of Science in Japan ist sie ein ernstzunehmendes Projekt. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und der Notwendigkeit, neue Lebensräume zu erschließen, könnte die Zucht von Fischen im All eine nachhaltige Lösung für die Ernährung von Astronauten auf Langzeitmissionen bieten.
Unter der Leitung von Associate Professor Toshimasa Yamamoto erforscht das Team die Möglichkeit, ein Closed Recirculating Aquaculture System (C-RAS) im Weltraum zu etablieren. Dieses System nutzt ein speziell entwickeltes Wasser, das als ‘The Third Water’ bekannt ist, um die Zucht von Fischen und anderen Meereslebewesen zu ermöglichen. Die Herausforderung besteht darin, die Bedingungen der Schwerelosigkeit zu nutzen, um die Probleme der herkömmlichen Aquakultur zu überwinden.
Ein wesentlicher Vorteil der Schwerelosigkeit ist, dass die Eier und Larven der Fische im Wasser schweben können, anstatt zu sinken. Dies erleichtert das Überleben und Wachstum der Jungtiere erheblich. Die Forscher haben bereits erfolgreich Experimente mit verschiedenen Arten wie Kuruma-Garnelen und Rotbrassen durchgeführt, die unter simulierten Mikrogravitationsbedingungen ermutigende Ergebnisse zeigten.
Die Forschung ist nicht nur auf Fische beschränkt. Auch Plankton und andere kleine Organismen werden untersucht, um ihre Reaktion auf die Bedingungen im All zu verstehen. Diese Erkenntnisse könnten nicht nur für die Raumfahrt, sondern auch für die terrestrische Aquakultur von Bedeutung sein. Die Möglichkeit, Fischzucht in einem geschlossenen System ohne Wasseraustausch für bis zu drei Monate zu betreiben, könnte auch auf der Erde neue Wege eröffnen.
Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Die Anpassung der Tiere an die Bedingungen der Schwerelosigkeit, wie die Veränderung der Knochendichte bei Süßwasserfischen oder die Verdünnung der Schalen von Garnelen, stellt die Forscher vor komplexe Probleme. Dennoch sind die potenziellen Vorteile enorm, insbesondere wenn es darum geht, die psychische Gesundheit von Astronauten durch den Verzehr frischer Lebensmittel zu unterstützen.
Insgesamt zeigt die Forschung von Yamamoto und seinem Team, dass die Zucht von Fischen im All nicht nur eine theoretische Möglichkeit, sondern eine realistische Perspektive für die Zukunft der Raumfahrt ist. Die Erkenntnisse könnten weitreichende Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie wir über Ernährung und Nachhaltigkeit im Weltraum denken.
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