LONDON (IT BOLTWISE) – Unter fünf verfügbaren Brasilien-ETFs sticht der Franklin FTSE Brazil UCITS ETF vor allem durch seine Kombination aus niedrigen laufenden Kosten und starker Entwicklung nach dem Währungsschock hervor. 2024 verlor der Fonds 23,0 Prozent, getrieben von der Real-Schwäche und fiskalischen Sorgen. Seitdem hat sich das Bild gedreht, vor allem als die Zinswende einsetzte und sich die Währung erholte. Für Anleger bleibt die Volatilität hoch, weil die Kursrichtung stark an Real, Rohstoffe und die Politik rund um die Präsidentschaftswahl gekoppelt ist.

Franklin FTSE Brazil ETF: Warum Währungswechsel die Rendite kippt
Franklin FTSE Brazil ETF: Warum Währungswechsel die Rendite kippt (Foto: IT BOLTWISE)
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Beim Vergleich von Brasilien-ETFs fällt meist zuerst das naheliegende Kriterium ins Auge: Welche Rendite hat der Fonds in den letzten Monaten geliefert, und wie teuer ist die laufende Verwaltung? Genau dort setzt der Franklin FTSE Brazil UCITS ETF an, wie aus den vorliegenden Fondsdaten hervorgeht: Von weniger als fünf in Deutschland verfügbaren Brasilien-ETFs gilt er als der günstigste und gleichzeitig als derjenige mit der höchsten Rendite über die vergangenen zwölf Monate. Hinter der Aussage steckt jedoch mehr als nur ein „Gewinnerfonds“ – denn die Streuung zwischen Indizes, die Kostenstruktur und vor allem die Wirkung des Wechselkurses auf USD- und EUR-basierte Wertentwicklung greifen hier zusammen. 2024 verlor der Fonds 23,0 Prozent, während sich die Währungskrise und fiskalische Unsicherheit damals besonders stark auswirkten. Seitdem ist die Logik weitgehend umgekehrt: Stabilisierung der Landeswährung, sinkende Zinsen und robustere Rohstoffpreise haben dem ETF Rückenwind gegeben.

Technisch betrachtet beginnt die Differenz beim Tracking-Universum. Der Fonds bildet den FTSE Brazil 30/18 Capped Index nach und nutzt damit einen FTSE- statt eines MSCI-Index, während mehrere Wettbewerber den MSCI Brazil Index abbilden. Beide Indizes decken den brasilianischen Aktienmarkt inhaltlich ähnlich ab, unterscheiden sich aber in Einzelgewichtung und Methodik. Beim FTSE-Index ist die Konzentration über Kappen begrenzt: Das größte Unternehmen darf höchstens 30 Prozent ausmachen, alle übrigen Positionen jeweils maximal 18 Prozent. Genau solche Regeln entscheiden in der Praxis darüber, welche Titel in Spitzenphasen über- oder untergewichtet sind – und damit, warum die FTSE-Variante in der betrachteten Phase etwas besser abschnitt. Zusätzlich spielt die Fondsgröße eine Rolle für Liquidität und Börsenhandel, auch wenn das Management dadurch nicht automatisch „besser“ oder „schlechter“ wird: Mit 137 Millionen Euro gilt der Fonds als der kleinste in der Vergleichsgruppe. Gleichzeitig liegt die Kostenquote bei 0,19 Prozent pro Jahr und damit deutlich unter der teuersten Alternative, die in der Quelle bis zu 0,74 Prozent genannt wird.

Für Anleger wird der ETF-Charakter besonders greifbar, sobald man die makroökonomische Kette betrachtet. Brasilien befindet sich 2026 in einer „Ereignisphase“ – und das wirkt direkt auf Unternehmensgewinne, Bewertungsniveaus und den Wechselkurs. Die brasilianische Notenbank hatte den Leitzins Selic zur Inflationsbekämpfung auf 15 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, bevor im März 2026 eine vorsichtige Zinswende startete. In der Folge wurde der Selic-Zins in mehreren Schritten gesenkt. Das eröffnet Kurschancen, weil niedrigere Zinsen in Schwellenländern häufig sowohl die Diskontierung künftiger Gewinne als auch den Kapitalzufluss beeinflussen. Parallel dazu kommt ein fiskalpolitischer Impuls hinzu: Eine neue Einkommensteuerbefreiung soll Millionen Brasilianer entlasten und der Wirtschaft nach den Angaben in der Quelle mehrere Milliarden US-Dollar an zusätzlicher Kaufkraft verschaffen. Diese Erwartung wird noch dadurch verstärkt, dass im Oktober 2026 eine Präsidentschaftswahl ansteht – mit Luiz Inácio Lula da Silva als Kandidat für eine vierte Amtszeit und Flávio Bolsonaro als aussichtsreichem Herausforderer.

Noch stärker als politische Schlagzeilen wirkt im Jahresverlauf allerdings die Währung. 2024 rutschte der brasilianische Real im Dezember 2024 auf ein Rekordtief von 6,75 Real je US-Dollar. Die Quelle nennt als Belastungsfaktoren fiskalische Sorgen sowie eine zu diesem Zeitpunkt noch unsichere Zinspolitik. 2025 dagegen drehte sich die Wertentwicklung: Der Fonds erzielte eine Rendite von 27,9 Prozent, getragen von einer Stabilisierung der Währung, die sich in den Folgemonaten auf etwa 5,1 bis 5,2 Real je US-Dollar erholte. Ergänzend wird ein Zins-Höhepunkt mit anschließender Rücknahme sowie die Unterstützung durch robuste Rohstoffpreise genannt. Der Zusammenhang ist für den ETF deshalb so zentral, weil viele Anleger den Fonds nicht nur als „Aktienkorb“, sondern als Währungs- und Rohstoff-Exposure verstehen. In der Quelle wird die Entwicklung sogar pro Regime beschrieben: besonders gut lief es, wenn die Landeswährung stabil bis aufwertend war, wenn die Zinsen fielen und Rohstoffe robust blieben; dagegen traf schlechte Phasen oft eine Mischung aus fiskalischer Unsicherheit, schwächerer Währung oder fallenden Rohstoffpreisen. Das erklärt auch, warum die Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft, sondern sich in „Batches“ von Marktstimmung zeigt.

Auch der Blick auf die Portfoliostruktur zeigt, warum Brasilien-ETFs sich meist nicht wie ein „stiller Grundbaustein“ verhalten. Die zehn größten Positionen vereinen 55,6 Prozent des Fondsvermögens bei 73 enthaltenen Werten. Größte Einzelposition ist Vale mit 11,33 Prozent. Der Bergbaukonzern wird in der Quelle mit einem Weltmarktanteil von rund 35 Prozent als größter Eisenerz-Exporteur der Welt charakterisiert, ergänzt um Nickel, Kupfer, Kohle und andere Industriemetalle. Damit hängt die Fondsperformance stark vom Mix aus Förderkosten, Nachfrage der globalen Stahlindustrie und Rohstoffpreiszyklen ab. Auf Platz zwei folgt Itaú Unibanco mit 9,82 Prozent, Brasiliens größte Privatbank, die als diversifiziert zwischen klassischem Bankgeschäft, Vermögensverwaltung und Versicherungen beschrieben wird. In der Quelle wird zudem die Zinsmarge als wichtiger Ergebnishebel genannt: Sinkende Leitzinsen dürften folglich mittelfristig auf Zinserträge drücken. Platz drei und vier nehmen gemeinsam 15,00 Prozent ein: Petrobras (aufgeteilt auf zwei Aktiengattungen) mit 7,8 und 7,2 Prozent. Als teilstaatlicher Ölkonzern bleibt das Risiko in der Quelle vor allem an die Frage „wie stark bleibt der Staat Einflussfaktor?“ gekoppelt, gerade im Umfeld einer Wahl. Ergänzend zeigt der Sektoraufbau, warum das ETF-Ergebnis nicht nur Rohstofftreiber ist: Finanzwesen liegt bei 30,4 Prozent, daneben überschreiten Energie, nicht-energetische Grundstoffe und Versorger jeweils 15 Prozent. Das klingt zwar nach regionaler Ausrichtung, aber nicht nach einseitiger Branchenabhängigkeit.

Für das Timing und die Risikosteuerung ist schließlich die Volatilität entscheidend. In der Quelle liegt die Schwankungsbreite über ein, drei und fünf Jahre zwischen 21,2 und 25,2 Prozent, also erhöht gegenüber einem breiten Welt-ETF, aber innerhalb dessen, was bei einem ETF auf ein einzelnes Schwellenland zu erwarten wäre. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 28,7 Prozent, maßgeblich zurückgeführt auf die Währungskrise 2024. Seit Auflage im Jahr 2019 wird in der Quelle sogar ein maximaler Verlust von minus 55,1 Prozent genannt, inklusive des pandemiebedingten Markteinbruchs 2020. Für die Portfolio-Logik folgt daraus ein klares Profil: Der Fonds eignet sich eher für Anleger, die gezielt an einer wirtschaftlichen Erholung Brasiliens partizipieren wollen – nicht als „Default-Basis“, sondern als Beimischung für risikobewusste Setups mit langem Anlagehorizont. Die Präsidentschaftswahl im Oktober 2026 sowie die Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und der Landeswährung erhöhen in den kommenden Wochen die Schwankungsbreite. Wer dagegen stabile, stärker diversifizierte Risikopfade sucht, sollte Brasilien-ETFs eher als Satelliten betrachten, nicht als zentralen Baustein.


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