BÜDELSDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Freenet hat im ersten Halbjahr den Umsatz deutlich gesteigert. Getrieben wird das Wachstum vor allem durch die Integration von Mobilezone Deutschland. Gleichzeitig ging das um Sondereffekte bereinigte EBITDA um 5,9 Prozent auf 242,2 Millionen Euro zurück. Für 2026 und 2028 bestätigte der Konzern den Ausblick, während es zu den Gesprächen über eine Erneuerung des Mobilfunknetz-Abkommens mit Telefonica Deutschland vorerst kein Update gab.

Freenet liefert zum Halbjahr ein Bild, das Anlegern den Spagat aus Wachstum und Kostenwirkung spürbar macht. Der Mobilfunk- und TV-Anbieter hat den Umsatz im ersten Halbjahr um fast ein Viertel auf 1,51 Milliarden Euro angehoben. Damit setzte das Unternehmen zugleich ein Signal, dass die Integration von Mobilezone Deutschland operativ bereits greift – denn genau dieser Schritt wird als zentraler Treiber genannt. An der Börse hingegen bewegte sich die Aktie zuletzt kaum; im MDAX notierten die Papiere bei 23,58 Euro, zum Jahresauftakt lag der Kurs damit fast ein Fünftel im Minus.
Unter der Umsatzoberfläche zeigt sich dann der zweite, weniger bequeme Teil der Rechnung: Während das Mobilfunksegment um fast 30 Prozent zulegte, entwickelte sich das bereinigte operative Ergebnis gegenläufig. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA fiel um 5,9 Prozent auf 242,2 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das Internet-Fernsehen (IPTV) um 3,0 Prozent im Umsatz, also ausgerechnet der Bereich, den Freenet mittelfristig als Stabilitätsanker positioniert. Im Ergebnisprofil drückt jedoch ein negativer Effekt aus einer Vereinbarung mit einem nicht namentlich genannten Netzbetreiber, der laut den Angaben des Unternehmens belastend wirkte und damit auch die operative Hebelwirkung dämpfte.
Auch der Cashflow liefert eine differenzierte Story. Der bereinigte freie Mittelzufluss (ber. Free Cashflow) sank um 4,2 Prozent auf 155,2 Millionen Euro, lag aber dennoch über den Erwartungen. Diese Kombination ist wichtig: Sie deutet darauf hin, dass Freenet trotz niedrigerem Ergebnis die Zahlungsströme in Teilen absichern konnte, etwa durch ein funktionierendes Working-Capital-Management oder durch eine in der Integration nicht komplett „nachlaufende“ Kostenstruktur. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen nach Anteilen Dritter 93,9 Millionen Euro, gegenüber 124,8 Millionen Euro ein Jahr zuvor ist das aber ein spürbarer Rückgang – ein Hinweis, dass sich Effekte aus Ergebnis und Ergebnisqualität stärker durchschlagen als der reine Umsatzanstieg.
Für die Einordnung lohnt der Blick auf die Kommunikation zum Ausblick. Das Management bestätigte die Prognosen für 2026 und 2028, ohne dabei ein Update zu den Verhandlungen über die Erneuerung des Mobilfunknetz-Abkommens mit Telefonica Deutschland zu geben. Genau an dieser Stelle spalten sich die Erwartungen: Laut Marktkommentaren, die in der Berichterstattung zu den Quartalszahlen zitiert werden, lagen Umsatz und insbesondere das bereinigte EBITDA unter dem, was Analysten zuvor eingepreist hatten. Gleichzeitig bleibt die Unternehmensseite bei der Zielrichtung: 2026 soll der Umsatz erneut deutlich steigen, getragen durch die Einbeziehung von Mobilezone Deutschland; das bereinigte EBITDA wird auf 500 bis 530 Millionen Euro eingegrenzt.
Innerhalb dieser Spanne setzt Freenet stark auf IPTV. Für das laufende Jahr wird erwartet, dass anziehende Ergebnisse beim IPTV-Angebot das Gesamtergebnis stützen. Der Konzern nennt dabei Zahlen, die die Entwicklung in waipu.tv konkretisieren: Für 2028 soll das Ergebnis aus dem Internet-Fernsehen mindestens rund 120 Millionen Euro betragen, nach 36 Millionen im Jahr 2025. Das ist technisch und strategisch ein klarer Fahrplan, denn waipu.tv wirkt als zweite Säule neben dem Mobilfunkgeschäft. Gleichzeitig räumt Freenet für den größeren Mobilfunkbereich einen möglichen Ergebnisrückgang nicht aus, was zur Logik passt, dass Netzintegration, Vertragskosten und Auslastungskennzahlen im Mobilfunksegment kurzfristig stärker schwanken können als in einem stärker planbaren IPTV-Betrieb.
Auch die Kapitalflussziele verdeutlichen, dass der Konzern operative Qualität über kurzfristige Ergebnisoptik stellen möchte. Für 2026 rechnet Freenet beim bereinigten freien Mittelzufluss mit 270 bis 300 Millionen Euro. Als Vergleich dient das Jahr 2025: Dort lag der Umsatz bei 2,4 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis bei 515,4 Millionen und der bereinigte freie Mittelzufluss bei 292,1 Millionen. Für 2028 peilt das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von mindestens 620 Millionen Euro sowie einen bereinigten freien Mittelzufluss von mindestens 340 Millionen an. Damit wird die Latte für die zweite Halbjahreshälfte und für die nächsten Integrationsschritte hoch gesetzt – gerade dann, wenn die Kostenwirkung aus der Netzbetreiber-Vereinbarung im laufenden Jahr nicht vollständig „aufholt“.
Die Marktdimension bleibt dabei nicht abstrakt. Telefonica Deutschland ist als Partner im Mobilfunknetz zentral, und die ausstehenden Verhandlungen sind für Unternehmen wie Freenet ein praktischer Hebel: Laufzeit, Konditionen und technische Schnittstellen entscheiden darüber, wie stark sich Preis- und Margenrisiken in den Ergebniszahlen abbilden. Für die nächsten Monate heißt das für Investoren: Sie müssen weniger auf die reine Umsatzrichtung achten, sondern stärker darauf, ob Freenet den EBITDA-Rückgang aus dem Halbjahr in eine Stabilisierung überführt und ob der Free-Cashflow den Zielen weiter folgt. Dass die Integration von Mobilezone Deutschland bereits sichtbar Umsatz liefert, ist ein positives Zeichen – wie belastbar diese Dynamik ohne zusätzliche Ergebnis- oder Cashflow-Dämpfer ist, entscheidet sich aber vor allem an der Kombination aus IPTV-Wachstum und der weiteren Klärung der Netzvertragslage.
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