LONDON (IT BOLTWISE) – Friedrich Merz hat bei Henkel anlässlich des 150-jährigen Bestehens an seine Station im Unternehmen erinnert. Er schilderte, dass er kurz nach dem Börsengang 1985 einige Monate im Umfeld des Vorstandssekretariats verbracht habe. In der Rede stellte Merz anschließend heraus, wie das Unternehmen nach Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine Konsequenzen zog. Dabei betonte er vor allem den klaren Rückzug aus dem milliardenschweren Russlandgeschäft und verknüpfte das mit dem langfristigen Erfolg von Marken und Industriekompetenz.

Beim 150-jährigen Jubiläum von Henkel stand nicht nur die Unternehmensgeschichte im Mittelpunkt, sondern auch die persönliche Verbindung eines prominenten Politikers zur Branche. Friedrich Merz erinnerte in seiner Rede daran, dass er kurz nach dem Börsengang im Jahr 1985 einige Monate im Unternehmen gearbeitet habe. Er beschrieb seine Rolle als jungen Referent beim Verband der chemischen Industrie, in dessen Kontext er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einen berufsbegleitenden Aufenthalt in Mitgliedsunternehmen etabliert hatte. Aus dieser Phase heraus sei er zu Henkel gegangen und habe im Vorstandssekretariat gearbeitet.
Merz ordnete diese Zeit zugleich als prägend für sein späteres Berufsleben ein. Er sagte, ihn habe die damalige Kombination aus Industriealltag und Verantwortungsfragen „sehr geprägt“, und er fühle sich bis heute gerade dieser Industrie besonders verbunden. Dass er später als Europaabgeordneter erneut in einen Kontakt mit der politischen Spitze kam, brachte er als Anekdote: Helmut Kohl habe ihn gefragt, was er vor der Politik beruflich gemacht habe. Als Merz erklärte, dass er beim Chemieverband gewesen sei, habe Kohl spontan die Zusage formuliert, daraus könne man sich ja „noch Bundeskanzler“ werden.
Für das Jubiläum war jedoch entscheidend, wie Merz den Bogen von der Industrieprägung zur unternehmerischen Strategie spannte. Er gratulierte Henkel zu einer „150 Jahren Erfolgsgeschichte“ und stellte die These auf, dass langfristig erfolgreiche Unternehmen nicht allein aus Patenten, Produkten und Fabriken bestehen. In seiner Argumentation spielt dabei der unternehmerische Einsatz eine zentrale Rolle: Merz verwies auf ein Verantwortungsbewusstsein, das „ganz erheblich“ zur Zukunftsfähigkeit des Landes beitrage. Das unterstreicht, wie in deutschen Debatten über Industrie nicht nur technische Leistungsfähigkeit zählt, sondern auch die Frage, welche Entscheidungen Unternehmen in Krisenzeiten treffen.
In diesem Kontext würdigte der CDU-Politiker außerdem, dass Henkel nach Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine unmittelbar Konsequenzen gezogen habe. Er nannte explizit zwei Elemente: konkrete Hilfe für die Ukraine und eine klare Entscheidung, sich aus dem milliardenschweren Russlandgeschäft zurückzuziehen. Damit knüpfte Merz an eine wirtschaftspolitisch relevante Realität an: In vielen Branchen laufen solche Portfolio-Anpassungen nicht als einzelner Schritt, sondern als mehrmonatige bis mehrjährige Umstellungen, bei denen Lieferketten, Produktionsplanung, Kundenverträge und rechtliche Rahmenbedingungen neu austariert werden müssen. Sein Satz „Wirtschaft ist kein Selbstzweck“ diente dabei als Leitmotiv dafür, dass Unternehmensstrategie auch Werte und Wirkung nach außen abbilden soll.
Der Blick in die Unternehmensfakten zeigt, warum Henkel in der Wahrnehmung sowohl als Konsumgüter- als auch als Industrieunternehmen geführt wird. Der Kaufmann Fritz Henkel hatte das Unternehmen am 26. September 1876 in Aachen mit zwei Partnern gegründet, als erstes Produkt wird ein Universalwaschmittel genannt. Im Jahr 1900 zog Henkel in eine neue Zentrale nach Düsseldorf, wo der Konzernsitz bis heute verortet ist. Produkte des Konzerns werden laut den Angaben unter vielen Marken geführt, etwa Persil, Spee, Pril, Pritt, Somat oder Schauma.
Auch die wirtschaftliche Größenordnung macht deutlich, warum politische Würdigungen hier nicht abstrakt bleiben: Für 2025 wird ein Jahresumsatz von 20,5 Milliarden Euro genannt, ungefähr je zur Hälfte entfielen dabei auf den Konsumgüterbereich und die Klebstoffsparte. Henkel beschäftigt demnach rund 50.000 Menschen in 53 Staaten und an 165 Produktionsstätten; etwa 8.000 davon arbeiten in Deutschland. Seit 2020 ist Carsten Knobel Vorstandschef, und Simone Bagel-Trah, die als Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel beschrieben wird, führt den Aufsichtsrat und den Gesellschafterausschuss. Laut den Angaben hält die Familie Henkel rund 62 Prozent der Stammaktien, was die Rolle von langfristiger Unternehmenssteuerung in der Öffentlichkeit zusätzlich stützt.
Für die Branche ist der politische Ton der Rede daher mehr als bloße Feierlichkeit: Er verweist auf eine Erwartung, dass Industriefirmen in realen Umbrüchen handlungsfähig bleiben und zugleich ihre Marktposition verteidigen müssen. Gerade der Hinweis auf die Rücknahme aus einem großen Russlandgeschäft zeigt, wie stark strategische Entscheidungen in internationalen Konzernen auch operative Folgen haben. Gleichzeitig macht die Verbindung zu den Marken im Konsumgüterbereich sichtbar, dass Resilienz nicht nur in der Lieferkette entsteht, sondern auch in der Markenpflege und in der Fähigkeit, Absatzstrukturen in neuen Märkten stabil zu halten. In Summe setzt Merz’ Erinnerung an das Vorstandssekretariat einen Kontrapunkt zu rein symbolischen Jubiläen: Entscheidend seien am Ende Entscheidungen, die über Jahre hinweg Substanz schaffen.
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