LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Uber will sein Robotaxi-Geschäft in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen. Das Unternehmen plant dafür Investitionen von mehr als 10 Milliarden US-Dollar, davon rund 7,5 Milliarden US-Dollar für den Aufbau einer eigenen Fahrzeugflotte. Bis Ende 2026 sollen Robotaxis in 15 Städten fahren, bis 2028 in 28 Städten. In London läuft der Pilot bereits mit einer Aufsichtsperson an Bord und hoher Nachfrage aus der Bevölkerung.

Mit der Ankündigung eines mehrjährigen Investitionsprogramms verschiebt Uber den Schwerpunkt im autonomen Fahren spürbar weg von reinen Pilotprojekten hin zu skaliertem Flottenbetrieb. Der Fahrdienstvermittler plant dafür ein Gesamtvolumen von mehr als 10 Milliarden US-Dollar, um sowohl Infrastruktur als auch Betrieb fahrerloser Robotaxis auszubauen. Für die Umsetzung ist vor allem der Mix aus Kapital in Technologiepartner und der direkte Aufbau eigener Fahrzeuge entscheidend: Damit will Uber die Abhängigkeit von einzelnen Entwicklungsstufen reduzieren, ohne den Zugriff auf spezialisierte KI- und Robotik-Lieferketten vollständig aufzugeben.
Der Plan gliedert sich in zwei große Töpfe. Rund 2,5 Milliarden US-Dollar sollen als Eigenkapital in spezialisierte Partner fließen. Genannt werden dabei unter anderem Lucid, Rivian, Nuro, Wayve, WeRide und Waabi. Der größere Anteil, etwa 7,5 Milliarden US-Dollar, ist für den Aufbau einer eigenen Flotte reserviert; das Ziel lautet, im Rahmen des Programms insgesamt 120.000 fahrerlose Fahrzeuge in den Betrieb zu überführen. Gerade diese Aufteilung zeigt ein klares Zielbild: Technologie für Wahrnehmung, Planung und Steuerung soll über Partnerschaften beschleunigt werden, während die Skalierung im Betrieb über die eigene Fahrzeugbasis organisatorisch kontrolliert werden kann.
Für die strategische Tiefe nennt Uber konkrete Vereinbarungen mit einzelnen Automobil- und Technologiepartnern. Ein Vertrag mit Rivian soll Investitionen von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2031 vorsehen. In Lucid will Uber über 500 Millionen US-Dollar investieren und nennt als Gegenleistung einen Anteil von 11 Prozent sowie die Lieferung von 35.000 Fahrzeugen. Weitere Finanzierungs- und Lieferbeiträge werden für Nuro (zirka 500 Millionen US-Dollar), Wayve (300 Millionen US-Dollar), Waabi (250 Millionen US-Dollar) und WeRide (100 Millionen US-Dollar) beschrieben. Operativ bedeutet das: Über die Kapitalbeteiligungen entsteht zugleich ein Rahmen, in dem Entwicklungszyklen und Fahrzeugbeschaffung eher zusammenpassen als bei einem rein projektbezogenen Einkauf.
Parallel dazu skizziert Uber einen rollierenden Marktausbau für den Robotaxi-Betrieb. Bis Ende 2026 sollen Robotaxis in 15 Städten etabliert sein, bis 2028 strebt das Unternehmen den Sprung auf insgesamt 28 Städte an. Um diesen Zeitplan zu stützen, verweist Uber auf ein Netzwerk von über 30 Partnerschaften mit Unternehmen aus dem Umfeld des autonomen Fahrens, darunter auch NVIDIA, Baidu und Aurora. Diese breite Partnerbasis ist aus technischer Sicht relevant, weil autonome Systeme nicht nur aus „einem Modell“ bestehen: Sensorik, Rechenleistung, Strecken- und Kartenfähigkeit, Sicherheitsarchitektur sowie Wartungsprozesse müssen als durchgängige Kette funktionieren. Gleichzeitig erhöht ein solches Ökosystem die Abstimmungsarbeit zwischen Software-Updates und Hardwarerollouts.
In London liefert Uber zudem einen konkreten regulatorischen Hinweis, wie der operative Betrieb derzeit abgesichert wird: In Zusammenarbeit mit dem Partner Wayve erhielt Uber Lizenzen für beaufsichtigte Robotaxis von der Verkehrsbehörde Transport for London. Bei den Fahrten muss zunächst noch eine Aufsichtsperson an Bord sein. Uber spricht dabei von spürbarem Interesse aus der Bevölkerung: Über 100.000 Einwohner Londons hätten laut Unternehmensangaben ihr Interesse an ersten Fahrten bekundet, die später im Sommer starten sollen. Solche Pilotnachfrage ist für den Rollout doppelt wichtig, weil sie Rückschlüsse auf Nutzerakzeptanz liefert und gleichzeitig zeigt, wie gut Prozesse wie Buchung, Einweisung und Sicherheitskommunikation im Alltag funktionieren.
Auch außerhalb des unmittelbaren Robotaxi-Fahrbetriebs zeigt die Strategie, wie dynamisch das Marktumfeld für Autonomieprojekte bleibt. Im US-Markt wurde die Kooperation mit Waymo in Phoenix im Juni 2026 beendet. In Austin und Atlanta soll die Zusammenarbeit jedoch zunächst bis 2028 fortgeführt werden, danach wird ein vollständiger Ausstieg samt eigenem App-Betrieb für Waymo in Erwägung gezogen. Damit wird sichtbar, dass Skalierung nicht nur an Technik und Infrastruktur hängt, sondern auch an Wirtschaftlichkeit, Betriebskonzepten und langfristigen Produktentscheidungen der Beteiligten.
Zur finanziellen Einordnung legte Uber parallel die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vor. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 14,19 Milliarden US-Dollar, lag damit leicht unter den Analystenerwartungen von 14,24 Milliarden US-Dollar. Die Bruttobuchungen hingegen wuchsen auf 58,02 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 24 Prozent entspricht. Operativ meldet Uber ein Einkommen von 1,9 Milliarden US-Dollar und nennt einen freien Cashflow von 2,8 Milliarden US-Dollar als Rekordwert; über die letzten zwölf Monate summiert sich der Cashflow auf rund 10,1 Milliarden US-Dollar. Für Investoren wirkt das dennoch ambivalent: Die Aktie fiel nach einer Prognose für das dritte Quartal, die bei einem bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 0,84 und 0,88 US-Dollar liegt und unter dem Marktkonsens blieb, um 4,8 Prozent. Insgesamt zeigt der Mix aus ambitioniertem Flottenaufbau, Pilot-Expansion und kurzfristigen Marktreaktionen, dass der Weg zur Großskala sowohl Kapitalintensität als auch verlässliche Ergebnisplanung verlangt.
Für Unternehmen und Entwickler in der Mobilitäts- und KI-Landschaft ist die Meldung vor allem ein Signal für die nächsten Engpässe: Skalierungsfähigkeit im Betrieb, sichere Software-Updates und eine belastbare digitale Sicherheitslage werden zu zentralen Voraussetzungen, sobald Robotaxis in mehr Städten tatsächlich in den Alltag übergehen. Gleichzeitig steigen mit der Vernetzung und dem KI-Einsatz die Anforderungen an die IT-Sicherheit in der Unternehmenspraxis, weil Angriffsflächen mit jeder zusätzlichen Schnittstelle und jedem weiteren Rechen- oder Datenstrom zunehmen. Ubers Ansatz mit klarer Flottenzielzahl und konkreten Industriepartnerschaften macht deutlich, dass autonome Mobilität zunehmend wie eine Infrastrukturbranche behandelt werden muss – mit standardisierten Prozessen für Wartung, Überwachung und Betrieb, nicht nur mit Fortschritten in einzelnen KI-Modulen.
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