LONDON (IT BOLTWISE) – Galaxy Digital erklärt den Bitcoin-Bärenmarkt für beendet und rückt die Kaufbereitschaft in den Fokus. Als Indikator nennt die hauseigene Research-Einheit eine deutliche Abkühlung der BTC-Bewegungen aus älteren Wallets. Laut Report sinkt die durchschnittliche monatliche Bewegung bei über fünf Jahre inaktiven Beständen von 47.000 auf 34.000 BTC. Gleichzeitig verweist Galaxy auf eine Stärkung des „Debasement“-Arguments, während Bitcoin kurzfristig unter der 80.000-US-Dollar-Marke blieb.

Galaxy Digital versucht, den Wendepunkt im Bitcoin-Markt nicht nur über Preisbewegungen zu begründen, sondern über On-Chain-Verhalten. Die Aussage, der Bärenmarkt sei „offiziell over“, wird dabei mit einem konkreten Muster untermauert: Die „insights division“ des Unternehmens beobachtet, dass die Bewegung von Bitcoin aus älteren Wallets deutlich nachgelassen hat. Konkret nennt der Report Bitcoin-Bestände, die mindestens fünf Jahre lang nicht angerührt wurden, deren durchschnittliche Rate an Abflüssen nun bei 34.000 BTC pro Monat liegt – nach zuvor 47.000 BTC. Damit verschiebt sich das Narrativ vom Liquidieren in Panik hin zu einer Phase, in der der Markt weniger durch erzwungene Verkäufe getrieben wird.
Technisch betrachtet adressiert dieser Ansatz ein Kernproblem der Marktanalyse: Kurscharts können zwar den Aggregatzustand zeigen, aber nicht immer eindeutig erklären, welche Kohorten von Coins hinter den Bewegungen stehen. Das Wallet-Alter dient hier als Proxy für „Geduld“ bzw. für die Wahrscheinlichkeit, dass Coins bereits früher eingepreist wurden und nicht kurzfristig zur Deckung von Verlusten genutzt werden. Wenn die Aktivierung in sehr alten Beständen langsamer wird, kann das mehrere Ursachen haben: weniger Bedarf für Rebalancing, weniger stoffspezifische Risikoreduktion oder einfach eine Reifung der Marktpositionen. Wichtig ist dabei die Richtung des Signals in der Darstellung: Der Report koppelt den Rückgang nicht an ein einzelnes Tagesereignis, sondern an einen Verlauf, der den „Crypto Winter“ als überwunden rahmt.
Auch die eingestreuten klassischen Chart-Trigger passen in dieses Bild, weil sie eine mögliche Bodenbildung mit Trendindikatoren verzahnen. Laut Galaxy Research sei Bitcoin bereits über seine 50-Wochen-Moving-Average-Linie gestiegen und habe diese Marke fünf Wochen in Folge übertroffen – nach einer Phase von 44 aufeinanderfolgenden Wochen darunter. Zudem habe Bitcoin im Abwärtsverlauf das 200-Wochen-Moving-Average getestet; der schlechteste wöchentliche Schluss habe 4,7% unter dieser Referenz gelegen. Solche gleitenden Durchschnitte werden in der Praxis oft genutzt, um Noise aus kurzfristigen Volatilitäten zu glätten; sie beantworten weniger die Frage „Was ist der nächste Kurs?“ als vielmehr „Hat sich der mittelfristige Trend gedreht?“
Am gleichen Tag, an dem der bullish formulierte Bericht in den Vordergrund rückt, bleibt der Markt jedoch angespannt. Der Text beschreibt, dass Bitcoin zeitweise unter einer Schlüsselmarke von 80.000 US-Dollar gehandelt wurde und die Volatilität weltweit weiter spürbar blieb. Der Kurs habe sich zwar vom Tief am 30. Juni bei 58.000 US-Dollar erholt, liege aber weiterhin rund 35% unter dem Rekordhoch von 126.000 US-Dollar aus Oktober 2025. Diese Kombination – Trendindikator verbessert, Spot bleibt gleichzeitig in einem engen, nervösen Korridor – ist für viele Marktteilnehmer ein typisches Übergangsszenario: Nach Kapitulationsphasen folgt häufig eine Konsolidierung, in der sich reale Käufer gegen einzelne Sell-Waves behaupten müssen.
Besonders markant ist der zweite Strang der Argumentation: Neben dem On-Chain-Signal betont Galaxy Digital eine makroökonomische Begründung. Die Research-Einheit verknüpft steigende US-Staatsverschuldung und Defizite mit der Attraktivität von Bitcoin als Absicherung gegen „currency debasement“. Als Größenordnung nennt der Bericht eine Bundesverschuldung von 40,44 Billionen US-Dollar. Für den Technologiestandpunkt heißt das: Bitcoin wird in dieser Sicht nicht nur als Handelsinstrument, sondern als langfristiges Wertspeicher-Design gelesen, dessen Nachfrage stärker an realen Kaufkraft- und Inflationsnarrativen gekoppelt wird als an kurzfristigen Flow-Daten an den Börsen.
Für den Markt bedeutet so ein Gesamtpaket aus Wallet-Daten, gleitenden Durchschnitten und Makroargumenten vor allem eines: Es versucht, unterschiedliche Informationsquellen zu konsolidieren, statt sich auf eine einzige Kennzahl zu verlassen. Der Report formuliert dabei recht klar, dass der „Bottom“ eingezogen sei, Verkaufslast nachgelassen habe und der „Crowd“ als psychologische Komponente aus dem Markt weitgehend verschwunden sei. Praktisch relevant wird das für Unternehmen und Investoren vor allem dort, wo sie Prozesse für Treasury- oder Investitionsentscheidungen auch an quantitative Kriterien anbinden: On-Chain-Metriken wie Wallet-Aktivität, zusammen mit Trendfiltern über längere Zeitfenster, lassen sich eher in Risiko- und Rebalancing-Regeln übersetzen als reine Schlagzeilen.
Gleichzeitig bleibt die nächste Frage offen, wie robust dieses Signal in unterschiedlichen Marktregimen ist. Wenn Bitcoin wieder stärker unter die 80.000-US-Dollar-Region fällt oder die Volatilität zunimmt, kann es sein, dass Wallet-Kohorten länger „ruhig“ bleiben, während der Preis trotzdem schwankt. Umgekehrt kann ein weiterer Anstieg der Aktivität in älteren Wallets ein Frühwarnzeichen sein, dass Geduld nachlässt. Für die nächsten Wochen dürfte deshalb weniger entscheidend sein, ob eine einzelne Formulierung wie „bear market over“ wahr oder falsch ist, sondern ob die im Report beschriebenen Verhaltensmuster und Trendmarker zusammen bestehen – und ob sich daraus nachvollziehbare, operative Signale für Kauf- und Risikosteuerung ableiten lassen.
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