DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beantragt und damit den vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren ausgelöst. Das Amtsgericht Düsseldorf ordnete ein vorläufiges Verfahren an; ein vorläufiger Insolvenzverwalter soll nun die Voraussetzungen prüfen. In Niedersachsen und Bremen sind 672 Beschäftigte direkt betroffen. Zentral bleibt die Frage, ob und wie schnell für die betroffenen Standorte Perspektiven entstehen und welche finanziellen Ansprüche die Mitarbeitenden haben.

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 672 Jobs in Niedersachsen und Bremen betroffen
Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 672 Jobs in Niedersachsen und Bremen betroffen (Foto: IT BOLTWISE)
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Galeria steuert erneut auf eine Phase der Unsicherheit zu: Die Warenhauskette hat zum vierten Mal in sechs Jahren einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Düsseldorf ordnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren an, womit der Prozess jetzt formal in eine neue Runde geht. Für die betroffenen Häuser ist das vor allem deshalb brisant, weil bereits in den vergangenen Jahren sichtbar wurde, wie schnell sich ein Standortumfeld verschlechtern kann – bis hin zu Schließungen und Personalbelastungen. In Niedersachsen und Bremen geht es dabei laut den Angaben im Umfeld der aktuellen Verfahren direkt um 672 Beschäftigte, die an mehreren Standorten arbeiten.

Auf der operativen Ebene betrifft das konkret die Filialen in Hannover, Lüneburg, Braunschweig, Göttingen, Goslar, Oldenburg und auch Bremen. Dort haben sich über Jahre Strukturen aufgebaut, die nicht nur Waren liefern, sondern auch Frequenz in Innenstädte bringen und damit vielfach für andere Geschäftsmodelle in der Umgebung mitwirken. Genau diese Rolle betonten auch Vertreter aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft: Die Gewerkschaft ver.di verwies darauf, dass die Mitarbeitenden bereits in der Vergangenheit durch Gehaltsverzichte belastet wurden. Die erneute Insolvenz trifft die Beschäftigten damit nicht „ab dem nächsten Monat“, sondern baut sich auf eine lange Kette von Spar- und Anpassungsmaßnahmen auf. Unklar bleibt zudem, ob die Betroffenen Insolvenzgeld erhalten – eine Frage, die in solchen Verfahren oft erst nach Klärung der konkreten Zahlungs- und Anspruchslagen beantwortet werden kann.

Besonders scharf fiel in dieser Runde die Kritik aus der Kommunalpolitik aus. Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum sprach im Zusammenhang mit dem erneuten Insolvenzverfahren von einem neuen Tiefpunkt beim Vertrauen in die handelnden Personen. Er ordnet das Vorgehen in eine länger laufende Debatte ein: Es habe Gespräche gegeben, auch mit dem Land, und zugesagte Investitionen seien nur unzureichend umgesetzt worden. Aus seiner Sicht verschiebt die Warenhauskette dabei den Schwerpunkt in Richtung neuer Mietnachlässe statt in Richtung tragfähiger Konzepte für eine Stabilisierung vor Ort. Diese Perspektive ist für Unternehmen relevant, weil sie zeigt, wie stark sich bei Warenhäusern nicht nur kaufmännische Kennzahlen, sondern auch das lokale Erwartungsmanagement und die politische Verlässlichkeit auf die Erfolgschancen auswirken.

Auch die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) ordnet die Insolvenz in den breiteren Strukturwandel des Einzelhandels ein. Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und hohe Kosten drücken demnach auf die Geschäftsmodelle klassischer Warenhäuser. Gleichzeitig mahnt die IHKN „schnelle Klarheit“ über die Zukunft der Standorte an, weil mögliche Schließungen Leerstätten erzeugen können – nicht nur im betroffenen Gebäude, sondern auch für benachbarte Geschäfte und die Gastronomie. Der Verband sieht im möglichen Ende von Kaufhäusern aber nicht ausschließlich das Risiko, sondern auch die Chance für neue Nutzungen. Als Beispiele werden frühere Karstadt-Gebäude in Braunschweig genannt, die perspektivisch zu einem „Haus der Musik“ mit Konzertsaal und Musikschule werden sollen. In Hannover wird zudem ein Konzept für das ehemalige Kaufhof-Gebäude beschrieben, in dem ein Mix aus Handel, Gastronomie, Berufsschule, Sportangeboten und Wohnungen vorgesehen ist.

Während auf Standort- und Kommunalebene die möglichen Folgen diskutiert werden, sucht die Landespolitik den formalen Schulterschluss. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne hat alle Beteiligten zu einem digitalen Runden Tisch eingeladen. Wie stark die drohende Zahlungsunfähigkeit die sechs betroffenen Standorte tatsächlich trifft, lässt sich aus Sicht des Ministeriums noch nicht seriös abschätzen. Gleichzeitig stellt Tonne klar, dass die betroffenen Beschäftigten im Mittelpunkt der nächsten Schritte stehen. Diese Schwerpunktsetzung ist in der Praxis entscheidend, weil sie den Fokus für Gespräche zwischen Verwaltung, Unternehmen, Insolvenzverwaltung und möglichen Investoren auf die sozialen und operativen Übergänge legt, etwa bei der Frage, wie lange Arbeitsplätze gesichert werden können und welche Alternativen sich für die Läden während des Verfahrens ergeben.

Das Verfahren selbst startet mit einer konkreten personellen Besetzung. Galeria hatte am Freitag den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht; als vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Anwalt Frank Kebekus eingesetzt. Laut einer Mitteilung einer Gerichtssprecherin prüft Kebekus nun, ob Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen gedeckt werden können. Kebekus kennt das Unternehmen und dessen Probleme bereits aus früheren Phasen: Er begleitete die Insolvenzverfahren von Galeria in den Jahren 2020 und 2022 als Sachwalter. Damit ist zumindest die organisatorische „Lernkurve“ vorhanden, die in früheren Verfahren aufgebaut wurde – eine Erfahrung, die häufig dabei hilft, den Prozess schneller zu strukturieren, auch wenn sie die wirtschaftliche Lage nicht automatisch verbessert.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Chronologie: Galeria hatte zuletzt Anfang 2024 Insolvenz beantragt, nachdem der Mutterkonzern Signa in Schwierigkeiten geraten war, wobei neun von 92 Häusern geschlossen wurden. Seitdem gehört Galeria laut den Angaben einem US-Investor (NRDC) sowie einer Gesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Filialen zu prüfen; auf dieser Liste standen unter anderem Braunschweig und Oldenburg. Bernd Beetz kritisierte dabei die Geschäftsführung und hielt die Insolvenz grundsätzlich für vermeidbar. Aus seiner Sicht hätte eine notwendige Transformation konsequenter und schneller umgesetzt werden müssen. Diese Argumentationslinie ist für den weiteren Verlauf wichtig, weil sie die Frage aufwirft, welche Teile des Transformationsprogramms in der Umsetzung tatsächlich erreicht wurden – und welche Faktoren den wirtschaftlichen Druck über Jahre hinweg stabil aufrecht hielten.

Für Unternehmen, die Waren- und Immobilienkonzepte in Innenstädten betreiben oder in Liefer- und Dienstleistungsnetzwerke für den stationären Handel eingebunden sind, sind solche Insolvenzen nicht nur ein lokales Ereignis, sondern ein Signal für die Verwundbarkeit integrierter Wertschöpfungsketten. Sobald ein Ankermieter wie ein Warenhaus ins Straucheln gerät, reagieren Mietverhältnisse, Investitionsentscheidungen und auch die Planbarkeit für Dienstleister. Gleichzeitig eröffnet der mögliche Umbau von Kaufhausflächen in gemischte Nutzungen – wie die genannten Musik-, Schul- oder Wohnkonzepte – eine reale Chance für neue Betreiberrollen. Wie sich das vorläufige Verfahren in Düsseldorf konkret auf die Standorte in Niedersachsen und Bremen auswirkt, bleibt dabei offen; jetzt entscheidet sich vor allem, wie schnell Klarheit über Perspektiven, Zahlungsmodalitäten und den Erhalt von Arbeitsplätzen entsteht.

Falls die nächsten Verfahrensschritte eine rechtlich stabile Grundlage für die Zukunftslösungen schaffen, könnte sich auch die Frage beantworten, inwieweit die bisherigen Anpassungen gereicht haben oder ob in den Häusern ein grundlegender Wechsel in Größe, Sortiment, Betriebskonzept und Kostentruktur nötig ist. Genau diese Mischung entscheidet am Ende, ob aus dem „wiederholten Krisenmuster“ ein Lernprozess wird. Für die Beschäftigten bleibt in der Zwischenzeit vor allem die unmittelbare Planungssicherheit knapp: Ob und wie schnell Unterstützungen greifen, ist noch nicht endgültig geklärt. Damit bleibt das Thema für Politik, Wirtschaft und die betroffenen Standorte gleichzeitig sozial und wirtschaftlich hoch relevant.


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