LONDON (IT BOLTWISE) – Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat 12 Ganzjahresreifen unter die Lupe genommen und zeigt deutliche Unterschiede in Schnee- und Nassperformance. Testsieger ist der Continental Allseason Contact 2 mit sehr guten Gesamtwerten, knapp dahinter folgen Bridgestone und Pirelli. Besonders preisbewusste Käufer werden am Tabellenende enttäuscht: Der Kingboss As365 4-Seasons kostet im Schnitt nur 66 Euro, wird aber als „nicht empfehlenswert“ bewertet. Für Autofahrer heißt das vor allem: Auf das Alpine-Symbol achten und die Profiltiefe konsequent im Blick behalten.

Ganzjahresreifen sind für viele Autofahrer vor allem dann attraktiv, wenn Winterdienst und Reifenwechsel das eigene Fahr- und Zeitbudget regelmäßig belasten. Ein Satz Reifen verspricht Kontinuität über das ganze Jahr, dazu kommt der praktische Wegfall von Einlagerung und saisonalem Handling. Der neue Vergleich des Automobilclub von Deutschland (AvD) zeigt jedoch, dass der Komfortvorteil nicht automatisch zu jeder Witterungssituation passt. In der Praxis lohnt es sich, genauer hinzusehen, weil „einfach Ganzjahresreifen“ nicht gleich „gleich gut“ bedeutet – insbesondere auf Schnee und bei Nässe.
Im Zentrum des Tests steht die Frage, wie gut Reifen die typischen Aufgaben eines Kompromissprofils abdecken: Im Winter geht es um Traktion und Bremsstabilität auf rutschigem Untergrund, im Sommer um Grip und Alltagssicherheit auf trockener Fahrbahn. Testsieger wurde der Continental Allseason Contact 2. Der AvD beschreibt ihn als besonders ausgewogenen Allrounder mit durchgehend sehr guten Ergebnissen. Direkt dahinter liegt der Bridgestone Turanza All Season 6, und auf Platz 3 folgt der Pirelli Cinturato All Season Sf 3. Auffällig ist dabei auch die gemeinsame Linie der besseren Modelle: Sie liefern nicht nur in einer einzelnen Disziplin starke Werte, sondern bleiben über mehrere Fahrbedingungen hinweg konkurrenzfähig.
Für Käufer mit Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis rückt zusätzlich der Hankook Kinergy 4s² in den Fokus. Er wird als Preis-Leistungs-Sieger genannt, landet in der Gesamtwertung auf Platz 6 und weist damit zwar kleinere Schwächen an einzelnen Stellen auf, die aber offenbar weniger ins Gewicht fallen als der deutlich günstigere Aufpreis zur Spitze. Konkret nennen die Testangaben Durchschnittspreise: Der Continental liegt bei 144 Euro, der Bridgestone bei 135 Euro und der Pirelli bei 148 Euro. Der Hankook wird mit 115 Euro beziffert. Daneben findet sich auch eine zweite „Spannungszone“ im Mittelfeld: Der Dunlop All Season 2 kostet im Schnitt 119 Euro und erhält ebenfalls ein „sehr gut“, während der Maxxis Premitra All Season Ap3 mit 103 Euro in die Kategorie „empfehlenswert“ fällt. Die Bandbreite macht deutlich, dass günstiger nicht zwangsläufig schlechter sein muss – solange das Modell die Kernprüfungen im richtigen Bereich erfüllt.
Die schlechte Nachricht für Sparfüchse steht laut AvD am Ende der Tabelle. Der Kingboss As365 4-Seasons kostet im Schnitt nur 66 Euro und ist damit das einzige Modell unter 100 Euro. Gleichzeitig wird er als „nicht empfehlenswert“ bewertet und erreicht eine Gesamtnote von 3,45. Der Test nennt vor allem eine schlechte Performance auf Schnee, zudem ist auch das Ergebnis bei Nässe verbesserungswürdig. Genau hier liegt der technische Kern des Problems: Bei Allwetterreifen bestimmt das Zusammenspiel aus Laufflächenmuster, Gummimischung und Profilaufbau, wie gut sich der Reifen mechanisch und durch Reibung an den Untergrund koppelt. Wenn Schnee-Tests schlecht ausfallen, reicht auch eine vorhandene Profilgestaltung im Alltag oft nicht aus, um sichere Traktion in kritischen Situationen zuverlässig zu liefern.
Auch die richtige Einsatzstrategie entscheidet darüber, ob Ganzjahresreifen im Alltag wirklich funktionieren. Der AvD ordnet sie vor allem für Regionen ein, in denen Wintermonate überwiegend mild ausfallen. Für Fahrer in Gegenden mit starkem Schneefall, Eis oder anspruchsvollen winterlichen Straßensituationen bleiben klassische Winterreifen die bessere Wahl. Ergänzend kommt ein sehr praktischer Punkt aus der Sicherheits- und Zulassungspraxis: Bei winterlichen Bedingungen sind Ganzjahresreifen nur zulässig, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Zusätzlich gilt immer, dass die Profiltiefe den Anforderungen folgen muss – wer zu lange mit abgenutztem Profil fährt, riskiert gerade dort Leistungseinbußen, wo die Reserve zählt.
Für die nächste Kaufentscheidung heißt das in der Praxis: Wer Ganzjahresreifen will, sollte nicht nur auf die Marke oder den Einstiegspreis schauen, sondern die Testergebnisse als Qualitätskompass für mehrere Wetterlagen interpretieren. Das gilt besonders für Fahrzeuge, die täglich genutzt werden, und für Fahrer, die keine zweite Reifengeneration vorhalten wollen. Der Test wurde gemeinsam mit dem Testdienstleister Tempotire durchgeführt, die Reifen wurden verdeckt im freien Handel gekauft. Bewertet wurden Fahrleistungen auf Schnee, nasser Straße und trockener Fahrbahn sowie Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkungen. Genau diese Kombination ist entscheidend, weil sie den typischen Zielkonflikt von Allwetterkonzepten sichtbar macht: Der Reifen soll in vielen Situationen funktionieren, darf aber Schwächen nicht in die entscheidenden Zustände verlagern – und genau das trennt im AvD-Vergleich Top-Modelle wie den Continental von Ausreißern am Tabellenende.
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