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LONDON (IT BOLTWISE) – Gartner warnt bis 2030 vor einer breiten Marktbereinigung im Quantencomputing. IBM-Vizepräsident Scott Crowder liefert dieser Erwartung nun prominente Rückendeckung. Für Anleger rückt damit die Frage nach dem Überleben der Börsenwerte D-Wave, IonQ und Rigetti in den Fokus. Im Hintergrund laufen mit der DARPA-Quantensbenchmarking-Initiative weitere Tests, die bis 2033 den wirtschaftlichen Nutzen nachweisen sollen.

Gartners Konsolidierungs-These setzt D-Wave, IonQ und Rigetti unter Druck
Gartners Konsolidierungs-These setzt D-Wave, IonQ und Rigetti unter Druck (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Börsenkurs-Reaktionen der letzten Tage lesen sich wie ein Fieberthermometer für den Quantencomputing-Markt: Nach der Bestätigung einer Konsolidierungs-These durch einen hochrangigen IBM-Manager gerieten mehrere börsennotierte Anbieter unter Druck. Im Kern geht es dabei nicht um kurzfristige Schlagzeilen, sondern um die strukturelle Frage, ob das Wachstum, das der Sektor gerade einpreist, auch in echte kommerzielle Erlöse überführt werden kann. Gartner hatte bereits vor einer breiten Bereinigung ausgegeben, und Scott Crowder, der als Vizepräsident bei IBM den Einsatz von Quantenrechnern bei Kunden vorantreibt, knüpft nun an diese Erwartung an. Für D-Wave, IonQ und Rigetti wird dadurch die Messlatte besonders hart: Wer künftig Kapital aufnehmen will, braucht nicht nur Fortschrittsberichte, sondern belastbare Belege für messbaren Nutzen.

Technisch und strategisch ist die Streitfrage dabei erstaunlich konkret: Fehlertoleranz. Gartner knüpft die Auslese bis 2030 an die Fähigkeit, tragfähige kommerzielle Ergebnisse zu liefern, die auf fehlertolerantes Quantencomputing hinauslaufen. Entscheidend ist, dass Fehlerraten und Korrekturbedarf in der Praxis nicht als Marketingformel enden dürfen, sondern in reale Workloads und reproduzierbare Systemleistung übersetzt werden müssen. Genau an dieser Definition entzündet sich jedoch ein Teil der Kontroverse aus der Branche selbst: Crowder soll in Berichten angedeutet haben, dass manche Anbieter den Anteil dessen, was wie „heiße Luft“ wirkt, nicht sauber genug vom eigentlichen technologischen Fortschritt trennen. Parallel wird argumentiert, dass unterschiedliche Zielbilder zu unterschiedlichen Definitionen von Fehlertoleranz führen können – etwa dann, wenn Regulatorik und öffentliche Forschungsziele andere Zeitpläne und Benchmarks setzen als der Markt.

Damit verschiebt sich der Blick weg von einzelnen Ankündigungen hin zu überprüfbaren Benchmarks. Gartner zeichnet für den Marktverlauf zwar eine Wachstumsstory vor, setzt sie aber zugleich gegen die Erwartung einer Überfüllung: Der weltweite Umsatz mit Quantencomputing soll 2026 um knapp 23 Prozent auf rund 870 Millionen US-Dollar steigen und 2027 erstmals die Milliardenmarke überschreiten. Doch gemessen an diesem Volumen gilt der Markt den Analysten als zu groß für die Zahl der Akteure. Bis 2030 dürfte mehr als die Hälfte der Startups aufgeben müssen, weil tragfähige kommerzielle Erlöse ausbleiben und Kunden jene technischen Ansätze aussortieren, die kein fehlertolerantes Quantencomputing erreichen. Auffällig ist zudem die Zusammensetzung der Nachfrager: Laut der Quelle bleibt bis einschließlich 2027 der Staat der größte Abnehmer, während erst ab 2028 Banken, Finanzdienstleister und Versicherer die Führungsrolle übernehmen sollen. Für börsennotierte Anbieter bedeutet das: Selbst bei technologischen Fortschritten bleibt der „Proof of Demand“ bei zahlenden Firmenkunden der Engpass.

Ein realer Stresstest für diese Engpässe kommt nicht nur aus Analystenhäusern, sondern auch aus dem öffentlichen Beschaffungsumfeld. Die US-Forschungsbehörde DARPA hat in ihrer Quantum Benchmarking Initiative eine finale Stufe C für ausgewählte Projekte gestartet; in diesem Kontext werden unter anderem Atom Computing, Diraq, IBM und IonQ genannt. Geprüft wird, ob bis 2033 ein Rechner entsteht, dessen Nutzen die Kosten übersteigt – also eine wirtschaftliche Nutzenlogik, nicht nur eine Laborleistung. Für die Bewertung einzelner Aktien ist das besonders relevant, weil es die Zeitdimension verändert: Während Anleger bei kurzfristigen Kurstreizen oft auf Fortschrittsmeldungen reagieren, schaffen Benchmarks mit Laufzeit bis 2033 einen strukturellen Referenzrahmen. IonQ beziffert den potenziellen Wert dieser Vereinbarung auf bis zu 300 Millionen US-Dollar und baut zugleich das eigene Portfolio durch die geplante Übernahme des Cybersicherheitsspezialisten Elisity aus. Der Deal soll bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar umfassen und wird ausschließlich mit eigenen Aktien finanziert – was den Hebel für den Kurs natürlich vergrößern kann, zugleich aber auch die Verwässerungserwartungen steigert.

Auch Rigetti liefert hier ein anderes Bild – weniger über konkrete Stufen-Teilnahmen, sondern über die Finanzierungslage. D-Wave und Rigetti zählen in der genannten Stufe C nicht zu den aufgeführten Teilnehmern, wenngleich weitere Aufnahmen perspektivisch in Aussicht gestellt werden. Für die Investorenlogik zählt dann, wie viel Zeit das eigene „Runway“-Profil erlaubt. Bei Rigetti deutet der Bericht zum zweiten Quartal auf ein solides Polster hin: Das Unternehmen war Ende Juni 2026 schuldenfrei und verfügte über liquide Mittel sowie Wertpapiere von gut 541 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig liegt der operative Verlust bei 28,1 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von nur 5,1 Millionen US-Dollar. Das Polster verschafft damit Luft, ersetzt aber nicht den Nachweis, dass Unternehmen außerhalb des öffentlichen Sektors tatsächlich zahlen wollen. Genau diesen kommerziellen Beleg stellt der Rigetti-Chef Subodh Kulkarni laut der Quelle in den Mittelpunkt, und das ist für den Markt letztlich der entscheidende Drehpunkt.

Die Konkurrenz zwischen Hardware- und Softwareversprechen wird unterdessen nicht kleiner. Das Szenario, das Gartner und Crowder skizzieren, ist kein klares „Ende des Quantencomputings“, sondern eher ein Reifeprozess: Der Markt wächst zwar, aber der Kuchen reicht nicht für alle, die heute Anspruch auf Finanzierung erheben. Ein wichtiger Vorteil für börsennotierte Anbieter liegt dabei in der Kapitalmarktfähigkeit: Sie können sich über die Börse finanzieren und schwächere Konkurrenten unter Umständen durch Übernahmen auffangen. Genau darin liegt jedoch das Risiko für Aktionäre. Jede Kapitalmaßnahme – etwa durch Aktien als Währung – kann die Beteiligungsquote verwässern, selbst wenn die technologische Entwicklung weiterläuft. Zusätzlich bleibt die zentrale Lücke: Keiner der drei genannten Anbieter hat bislang den Nachweis erbracht, den Gartner als Maßstab für Überlebenschancen ansetzt. Für die Bewertung bedeutet das, dass sich die Kurse künftig stärker voneinander lösen dürften, je nachdem, wer Lieferfähigkeit und wirtschaftliche Nutzung überzeugend belegen kann.

Für Anleger verschiebt sich deshalb die Aufmerksamkeit auf Kennzahlen, die eher „unten“ als „oben“ berichten: Auslieferungen von Quantensystemen, die Entwicklung der Mittelabflüsse und vor allem der Anteil zahlender Firmenkunden. Genau darauf verweist Crowder als Indikator echter Nachfrage, und die Quelle stellt den Zeitpunkt in den Kontext der anstehenden Ergebnisse zum dritten Quartal. Wenn sich daraus zeigt, dass Kunden Workloads tatsächlich in Produktion übernehmen und nicht nur Pilotprojekte finanzieren, wird das die von Gartner beschriebene Auslese weniger zu einem Narrativ und mehr zu einer Messgröße machen. Umgekehrt wäre es für die Marktlogik problematisch, wenn Fortschrittsmeldungen zwar technologische Schlagzeilen liefern, aber keine belastbare Nachfrage nach fehlertoleranten Ansätzen nachweisen. In Summe deutet die Kombination aus Analystenprognose, IBM-Rückendeckung und DARPA-Benchmarking darauf hin, dass der Quantencomputing-Markt in den kommenden Jahren weniger über Visionen entscheidet als über Ergebnisqualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit.


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