LONDON (IT BOLTWISE) – General Dynamics Land Systems präsentiert bei der AUSA gleich mehrere Projekte für den Gefechts- und Luftraumschutz. Im Fokus steht der Wolf XM30 als Kandidat zur Ablösung des M2 Bradley, ergänzt durch PERCH 2.0 für die sichere Auslösung von Switchblade-300-Munition aus geschützter Position. Parallel zeigt das Unternehmen mit M-SHORAD Increment 4 ein modular montierbares Plattformkonzept gegen Drohnen und mit F600 Leonidas eine Kombination aus Hochleistungs-Mikrowellentechnik und militärisch adaptiertem Transportfahrgestell. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt weg von einzelner Plattformlogik hin zu integrierten, software- und sensorsynchronen Counter-UAS-Fähigkeiten.

Auf der AUSA rückt General Dynamics Land Systems die Frage in den Mittelpunkt, wie sich moderne Kampf- und Luftraumaufgaben auf weniger anfällige, gleichzeitig aber besser integrierte Fahrzeug- und Waffenarchitekturen verteilen lassen. Das Unternehmen stellt dabei nicht nur einen einzelnen Plattformkandidaten vor, sondern kombiniert ein potenzielles Bradley-Nachfolgesystem mit mehreren Konzepten, die vor allem die Kopplung von Sensorik, Wirkungsketten und Schutzmechanismen adressieren. Diese Strategie ist besonders deshalb bemerkenswert, weil das US-Heer mit dem M2 Bradley und dessen begrenzter Nutzlast- sowie Integrationsreserve seit Jahren am Spannungsfeld zwischen zusätzlicher Elektronik und dem verfügbaren Raum arbeitet.
Technisch betrachtet ist der Wolf XM30 als Kandidat für das XM30-Programm in der Logik „mehr Kapazität bei gleichzeitiger Verbesserung der Kampfwertigkeit“ positioniert. General Dynamics Land Systems zeigt eine 1/8-Modellversion des Wolf XM30, während gleichzeitig ein Lynx XM30-Prototyp als Gegenangebot für das Programm in der Erprobung läuft; als Zeitanker wird genannt, dass Rheinmetall im September den ersten Lynx XM30-Prototyp an die Army übergeben hat. Der Wolf wird außerdem als bereits mit einem ersten Prototyp Richtung US-Armee vorgerückt beschrieben: Im August lieferte General Dynamics Land Systems den ersten Wolf-Prototyp aus. Ziel ist, die „Fightability, Lethality and Survivability“ zu erhöhen, also sowohl die Einsatzfähigkeit im Nah- und Feuerkampf als auch das Überleben der Besatzung in verwundbaren Phasen.
Ergänzend setzt das Unternehmen mit PERCH 2.0 auf eine Wirkungskette, die den Operator nicht aus der geschützten Position heraus zwingt, wenn loitering munitions eingesetzt werden. PERCH 2.0 ermöglicht es M1A2 Abrams und Stryker-Fahrzeugen, Switchblade-300-Loitering-Munition zu starten, während die Bediener unter Armor bleiben. Dafür plant das Unternehmen mehrere Prototypen: Ein Exemplar wird bereits für Erprobungen bereitgestellt, weitere drei Prototypen sollen folgen. Konkrete Tests führt demnach eine Einheit bei Fort Hood, Texas, durch – dort wird das System als Teil eines unter dem Namen „Thunder Horse“ bekannten Verbands erprobt. Besonders interessant ist außerdem der Entwicklungsweg: PERCH 1.0 entstand laut Darstellung nach einem Richtungsimpuls durch Beobachtungen aus dem Ukrainekrieg, und die Weiterentwicklung bis zu PERCH 2.0 wurde danach durch Feedback aus der Truppenintegration getrieben – etwa bei Ladeprozeduren, beim Umgang mit verfügbarem Raum sowie bei der Einbindung in die Anzeige- und Bedienlogik des Fahrzeugladers.
Aus industrieweiter Sicht lässt sich daran ablesen, wie sehr sich die Counter-UAS- und Close-Range-Luftraumverteidigung von reiner Sensorik hin zu durchgängiger Systemintegration bewegt. Parallel zu PERCH 2.0 zeigt General Dynamics Land Systems mit M-SHORAD Increment 4 ein plattformagnostisches Konzept, das um ein SLED (Self-Loading Equipment Dock) herum gebaut ist. Die Idee dahinter: Luftverteidigung und Gegen-Drohnen-Fähigkeiten sollen sich auf unterschiedliche Trägerfahrzeuge montieren lassen, ohne dass jedes Mal eine vollständig neue Architektur nötig wird. Laut Programmmanager Charles Woody ist das System zudem darauf ausgelegt, die kognitive Last der Soldaten im Air-Defense- und Counter-UAS-Einsatz zu reduzieren. Die Konfiguration umfasst dabei unter anderem eine 7,62-mm-Maschinenkanone, ein Aufklärungs- und ISTAR-Element in Form einer Drohne, eine Loitering-Munition sowie ein Counter-Drone-System – damit entsteht im Betrieb ein abgestufter Response-Stack statt einer einzigen „Entweder-Oder“-Wirkung.
Den dritten Schwerpunkt bildet F600 Leonidas, das Epirus-Technologie mit einem militärisch adaptierten Ford-F-600-Fahrgestell kombiniert. Das System adressiert die Drohnenbedrohung nicht primär über klassische kinetische Abfangmechanismen, sondern über eine Hochleistungs-Mikrowellenlösung zur Zieldestruktion. Für die US-Armee wird erwartet, dass zunächst ein Prototyp erprobt wird, um zu bewerten, wo die Fähigkeit künftig in die Air-Defense-Planung passt. Dass General Dynamics Land Systems diese Elektronikwirkung zusammen mit modularen Montageansätzen wie beim SLED und mit „under armor“-Startkonzepten wie PERCH 2.0 in derselben Messe-Storyline bündelt, zeigt vor allem eines: Die nächste Welle der Feldsysteme wird nicht nur an Reichweiten gemessen, sondern daran, wie schnell und zuverlässig sich die Bedienkette von Erkennung über Entscheidungsunterstützung bis zur Wirkungskontrolle im Gefecht stabil halten lässt. Entscheidend wird dabei sein, wie stark sich die Prototypen-Ergebnisse auf die spätere Bewertung übertragen lassen – die Army will nach der Erprobung das Design entweder übernehmen oder in einen Beschaffungsweg überführen, abhängig von den Testergebnissen.
Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus ein klarer Signalcharakter. Wer an Software-Integration, Sensor-Fusion, Lade- und Bedienergonomie sowie an Schnittstellen für modulare Hard-/Software-Blöcke mitarbeitet, gewinnt an Relevanz, weil sich die Anforderungen im Feld verschieben: Nicht jede Komponente muss neu erfunden werden, aber die Systemgrenzen müssen für Trägerfahrzeuge, Munitionsfamilien und Zielprofile enger zusammenspielen. Gleichzeitig steigt damit auch die Bedeutung von Engineering-Disziplinen wie Verifikation im Zusammenspiel mehrerer Wirkungsmittel und eine robuste Daten- und Zustandsverwaltung, die im Einsatz eine verlässliche „Operator-Guidance“ liefert. Die AUSA-Präsentation macht damit sichtbar, dass General Dynamics Land Systems die Investitionen in die nächste Generation von Land- und Counter-Drone-Fähigkeiten als integrierte Programme denkt – und nicht als einzelne, isolierte Demonstratoren.
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