GÖTEBORG / MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Die Einführung eines neuen elektronischen Journalsystems in Schweden, das von Oracle Health entwickelt wurde, hat in den Gesundheitsbezirken Västra Götalandsregionen und Region Skåne einen erheblichen Rückschlag erlitten.

Die Einführung des elektronischen Journalsystems Millennium von Oracle Health in Schweden sollte ein Meilenstein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens sein. Doch nur wenige Tage nach dem Start wurde das System aufgrund massiver Proteste des medizinischen Personals gestoppt. Die Mitarbeiter kritisierten die Software als verwirrend und altmodisch, was zu erheblichen Sicherheitsbedenken führte. In einigen Abteilungen mussten die Angestellten sogar auf Papier und Stift zurückgreifen, um die Arbeit fortzusetzen.
Schweden gilt als Vorreiter in der Digitalisierung, insbesondere im Gesundheitswesen. Die Software Millennium sollte veraltete IT-Systeme ersetzen und die Arbeit mit Patientendaten effizienter gestalten. Doch die Umsetzung scheiterte an einem schlecht kalkulierten Zeitplan und lückenhaften Vorbereitungen. Eine externe Prüfung durch KPMG deckte auf, dass die Organisation nicht ausreichend auf die Einführung vorbereitet war und es an Führung mangelte.
Die Einführung von Millennium wurde bereits mehrfach verschoben. Ursprünglich 2018 angeschafft, sollte das System im Frühjahr 2021 in der Region Västra Götaland eingeführt werden. Doch die Anpassung an das Patientendatengesetz und andere regulatorische Anforderungen verzögerte den Prozess erheblich. Nun fordern zwanzig Ärzte aus der Region Skåne in einem offenen Brief, die Einführung ganz zu stoppen.
Johan Magnusson, Professor für Informationssysteme an der Universität Göteborg, kritisiert den zentralistischen Ansatz von Millennium. Er beschreibt das System als „flüssigen Zement“, der die Flexibilität der Organisation einschränkt. Ähnliche Bedenken wurden bereits in Finnland geäußert, wo mehrere Gesundheitsbezirke die Einführung gestoppt haben.
Auch in den USA gab es Probleme mit Millennium. Das United States Department of Veterans Affairs berichtete von 826 Fällen schwerwiegender Leistungsstörungen über einen Zeitraum von 3,5 Jahren. Mitarbeiter beschrieben das System als „Systemschock“, der zu erhöhtem Stress und Burn-out führte.
Millennium wurde ursprünglich in den 1990er Jahren von Cerner entwickelt und 2022 von Oracle übernommen. Trotz der Herausforderungen bleibt die Vision eines einheitlichen Informationssystems bestehen. Doch die Umsetzung zeigt, dass technologische Innovationen im Gesundheitswesen nicht nur technologische, sondern auch organisatorische Herausforderungen mit sich bringen.
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