LONDON (IT BOLTWISE) – GM bringt mit dem 6,6-Liter-Gen-6-Small-Block V8 den nächsten großen Schritt für die Silverado- und Sierra-Modellgeneration. Der Motor leistet 481 PS und 501 lb-ft Drehmoment und setzt auf größere Hub-/Drosselkanal-Details sowie ein überarbeitetes Saugrohr. Entscheidend für den Zuverlässigkeitsfokus ist ein komplett neu gestaltetes Schmierungssystem mit variabler Hubraumdosierung der Ölpumpe. Zusätzlich wechselt GM beim Kraftstoff von einer rein direkten Einspritzung zu einem Dual-Fuel-Ansatz aus Direkteinspritzung und Saugrohreinspritzung.

Mit der neuen Generation von Silverado 1500 und Sierra 1500 rückt GM auch bei der Antriebstechnik in die höchste Liga: Im Zentrum steht der 6,6-Liter-Gen-6-Small-Block V-8, intern als L78 benannt. Technisch ist das nicht einfach ein Hubraummodell auf Basis der alten 6,2-Liter-Variante, sondern GM beschreibt den Schritt als breiter angelegte Neuarchitektur. Für Käufer wird das vor allem an den konkreten Kennzahlen sichtbar: Der Motor kommt auf 481 PS und 501 lb-ft Drehmoment und liegt damit laut Angaben gegenüber der bisherigen 6,2-Liter-Maschine um 61 PS und 41 lb-ft höher. Gleichzeitig versucht GM das Leistungsplus mit einem Effizienz- und Emissionsversprechen zu verbinden, das in der Praxis über Einspritzstrategie, Verdichtung und Verbrennungsführung entschieden wird.
Die Mehrleistung adressiert GM nicht nur über Marketing, sondern über messbare Hardware-Änderungen. Der Kolbenhubl steigt auf 98 mm; das sind nur 2 mm weniger als beim 6,7-Liter-Gen6-Setup im C8 Corvette-Kontext. Größere Strömungsquerschnitte begleiten diesen Schritt: Der 6,6-Liter erhält einen größeren Drosselklappen-Durchmesser von 87 mm auf 95 mm, zudem nutzt er eine neue Ansaugbrücke sowie neu gestaltete „Tube Runners“, um den zusätzlichen Luftdurchsatz besser in die Zylinder zu bringen. Auf der Abgasseite bleibt GM bei den Trucks dagegen konservativer: Während die Corvette mit tri-Y-Headern und aggressiverem Abgassystem arbeitet, setzen die Trucks weiterhin auf die zuvor bekannte logartige Header-Konfiguration. GM nennt hierfür vor allem Packaging-Randbedingungen im Fahrzeug, also Platz- und Integrationsgrenzen im Motorraum.
Im Inneren spielt die Thermodynamik eine tragende Rolle. GM hebt die Verdichtung auf 12,5:1 an; zum 13,0:1 der Corvette passt das nicht exakt, aber es liegt deutlich über den 11,5:1 der bisherigen 6,2-Liter-Version. Entscheidend ist laut dem eingesetzten Engineering-Ansatz auch die Einordnung, welche Verdichtungsstufen sich in einem Truck-Alltag ohne zusätzliche Kompromisse erreichen lassen. Ergänzend kommt ein weiterer Systemwechsel: Statt ausschließlich Direkteinspritzung nutzt GM beim L78 jetzt ein Dual-Fuel-System, bei dem Direkteinspritzung und Saugrohreinspritzung gemeinsam zum Einsatz kommen. Der Hintergrund ist ein klassisches Zielkonzept aus dem modernen Motorbau: mehr Effizienz, mehr Leistungspotenzial und zugleich bessere Emissionsfähigkeit. GM verweist dabei auch auf die geplante Wirkung im Prüfzyklus, gleichzeitig bleibt die endgültige Kraftstoffverbrauchsbewertung für den Silverado und Sierra laut Sprecherangaben aber noch „weit von final“ entfernt.
Der Zuverlässigkeitsfokus ist bei GM besonders sensibel, weil es um frühere Motorprobleme beim 6,2-Liter-V8 ging. In dem Kontext heißt es, GM arbeite mit der US-Verkehrsbehörde NHTSA zusammen, während die Untersuchung nach Angaben aus dem Bericht läuft. Eine Entscheidung ist damit naturgemäß nicht abgeschlossen; parallel führt GM allerdings eine 10-Jahres- bzw. 150.000-Meilen-Garantie für betroffene Trucks ein, um den Besitzern planbarere Sicherheit zu geben. Genau hier setzt das Engineering-Statement an: GM spricht von einer „brand-new engine architecture“ und nennt als Kernbestandteile neue Schmierung, neues Kraftstoffsystem und neue Zylinderköpfe; außerdem sei die Motorfamilie als Grundlage für weitere Performance-Varianten gedacht. Für die Praxis bedeutet das: Nicht nur einzelne Bauteile werden überarbeitet, sondern die gesamte Schmierstrategie wird als neues System verstanden.
Das Herzstück dieser Neuausrichtung ist laut Beschreibung das komplett umgebaute Ölsystem. Beim Truck kommt eine klassische Nasssumpf-Architektur zum Einsatz, während die Corvette aufgrund des dortigen Dry-Sump-Ansatzes ein anderes Grundlayout hat. GM betont dennoch, dass die Architektur des L78 nicht „second-rate“ gegenüber dem LS6 im Performance-Kontext ist, sondern ein Clean-Sheet-Entwurf sein soll. Zu den konkreten Neuerungen zählen unter anderem eine neue Galerie im Ölwanne-Bereich, ein im Ölwanne-System integrierter Kühler sowie eine kontinuierlich variierende Verdränger-/Dosierpumpe. Die Logik dahinter ist anspruchsvoll: Die Pumpe soll Ölfluss und -druck stärker nach Fahrzustand nachregeln, statt dauerhaft auf die maximalen Lastanforderungen auszulegen. Ergebnisversprechen: weniger verschwendete Antriebsenergie und damit ein Potenzial für Effizienz und Leistung. Dazu kommen Details an den Ölwegen: größere Lifter-Galerien, größere duale Hauptzuführungen zu den Hauptlagern sowie der Anspruch, Passagen mit maximaler „Cleanliness“ zu fertigen und Restmaterial aus dem Gussprozess zu vermeiden.
Auch beim Schmiermittel setzt GM gezielt an. Während für den 6,2-Liter 0W-20 empfohlen wurde, kommt beim 6,6-Liter 0W-30 zum Einsatz. Laut Engineering-Argumentation ist das bewusst gewählt, ohne dass man Einbußen beim Kraftstoffverbrauch erwartet: Moderne 30er-Öle gegenüber 20ern sollen den gleichen Effekt in der Verbrauchskennlinie ermöglichen; gleichzeitig liefert das höhere Viskositätsprofil Vorteile für Lagerstellen wie Kurbelwellen-, Pleuel- und Hauptlager. Die Integration führt aber zu einem praktischen Kompromiss: Durch Packaging-Randbedingungen, unter anderem bedingt durch das neue Port-Fuel-Injection-Setup und weitere Baugruppen, verzichtet GM auf den klassischen Ölpeilstab. Stattdessen liefert ein Sensor die Ölstandsinformation über ein digitales Display im Fahrerbereich. Das mag manchen Truck-Fahrer an die Frage gewöhnen, ob man sich auf eine Softwareanzeige statt auf den „Guck-Mechanismus“ verlassen kann; gleichzeitig sind solche digitalen Anzeigen im Pkw-Alltag längst etabliert. Beim Marktstart soll der L78 mit dem 2027 Silverado 1500 und Sierra 1500 verfügbar sein und dort den kleineren 5,7-Liter-V8 sowie einen aktualisierten 4-Zylinder-Turbomotor und eine leicht überarbeitete Duramax-Diesellösung ergänzen.
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