NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – GM und Ford sprechen in ihren Quartals-Calls deutlich seltener über Elektrofahrzeuge als noch vor der Pandemie. Eine Auswertung von Earnings-Call-Transkripten ordnet die Themen seit 2019 über KI-gestützte Tagging-Methoden ein. GM verlagert dabei den Schwerpunkt auf Portfolio-„Endgame“-Aussagen, Software- und Autonomie-Themen sowie Kapitalallokation. Ford verweist zugleich auf eine kommende „Universal Electric Vehicle“-Plattform, rückt EV-Debatten aber nach politischen und margengetriebenen Prioritäten sichtbar in den Hintergrund.

GM und Ford rücken in Investorengesprächen von EVs ab
GM und Ford rücken in Investorengesprächen von EVs ab (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Investorenkommunikation von GM und Ford wirkt seit Kurzem wie ein stiller Perspektivwechsel: Wo die beiden US-Automobilbauer in den Jahren nach dem Ramp-up in Elektrofahrzeuge noch relativ viel Zeit auf EV-Pläne verwendeten, tauchen die Themen in den jüngsten Quartals-Calls deutlich seltener auf. Das ist keine reine Wortklauberei, sondern lässt sich an der Häufigkeit erkennen, mit der EV-Bezüge in den Transkripten auftauchen. In der Analyse, die auf seit 2019 verfügbaren Earnings-Call-Transkripten basiert, zeigt sich für beide Unternehmen ein klarer Trend weg von „EV-first“-Botschaften hin zu einer breiteren Agenda rund um Profitabilität, Software und kurzfristig umsetzbare Wachstumspfade.

GM hatte historisch früh auf Massen-EVs gesetzt und machte diese Linie auch öffentlich messbar: Bereits im Januar 2016 stellte der Konzern den Bolt EV beim Consumer Electronics Show-Auftritt vor und brachte das Fahrzeug noch im selben Jahr in den Verkauf. Die EV-Narrative verdichtete sich dann in den Jahren 2019 bis 2020. Laut der ausgewerteten Call-Transkripte stieg in dieser Phase die Zahl der EV-Bezüge stark an, bis GM in den letzten beiden Earnings Calls des Jahres 2020 jeweils mehr als 100 Referenzen zu Elektrofahrzeugen lieferte. Dadurch entfielen etwa rund ein Drittel der gesamten Diskussion in diesen Calls auf EV-Themen – ein Verhältnis, das in den Folgejahren zwar immer wieder Schwankungen zeigte, aber insgesamt nicht stabil blieb.

Für die Dynamik lohnt der Blick auf die „Dellen“ und die politischen Rahmenbedingungen, die in den Calls indirekt mitgedacht wurden. Beim ersten Quartal 2021 fällt in der EV-Kommunikation eine Senke auf, was in der Analyse mit dem damaligen globalen Chipmangel in Verbindung gebracht wird. Danach widmete GM über nahezu vier Jahre hinweg im Schnitt etwa ein Viertel eines jeden Earnings Calls der EV-Diskussion. Zusätzlich taucht ein zweiter, markanter Rückgang im ersten Quartal 2025 auf: Hier soll laut Einordnung die Dominanz von Zöllen rund um die „Liberation Day“-Tarife die Agenda geprägt haben. Dass EV-Kommunikation dabei nicht nur von Technik- und Lieferkettenfragen abhängt, sondern eng mit der Förderlogik verknüpft ist, wird im nächsten Schritt sichtbar: Nach dem Regierungswechsel wurden Umweltregeln gekürzt, die Null-Emissions-Fahrzeuge begünstigten, und der 7.500-US-Dollar-Bundessteuervorteil für neue EVs wurde gestrichen. Entsprechend fiel die EV-Zahl von 82 Nennungen im zweiten Quartal 2025 auf 21 Nennungen in der jüngsten Auswertung zum zweiten Quartal 2026.

GM selbst versucht, diese Abnahme nicht als Abkehr wirken zu lassen. In den vorliegenden Aussagen hält der Konzern die EV-Strategie als „Endgame“ präsent, wobei Jim Cain in einer schriftlichen Stellungnahme betont, Qualität zähle mehr als Quantität. In derselben Kommunikation verweist GM auf die Stärke des Portfolios, die Loyalität von EV-Kunden, Auszeichnungen sowie einen wachsenden Marktanteil im EV-Segment. Gleichzeitig macht der Konzern aber klar, dass die Call-Zeit nicht unendlich auf EVs fokussiert bleibt: Laut Cain werden Wachstumsmöglichkeiten wie Software und Services sowie Autonomiethemen adressiert; zudem behandelt GM Themen, die Analysten und Investoren stark bewegen, etwa Auswirkungen von Handels- und Regulierungspolitik. Interessant ist dabei die interne Gewichtung: GM stellt sicher, dass mindestens die Hälfte der Call-Zeit in den Fragen-und-Antworten-Teil fließt – das verschiebt die Planbarkeit von EV-spezifischen Aussagen zusätzlich, weil Q&A die Agenda häufig stärker treiben kann als vorbereitete Eröffnungsskripte.

Bei Ford verläuft die Entwicklung in Details ähnlich, aber mit anderer zeitlicher Architektur. Der Einstieg in Massenmarkt-EVs erfolgte hier mit dem Mustang Mach-E, der Ende 2019 debütierte. Als sich der Konzern der Auslieferung näherte, nahm die EV-Frequenz in den Earnings Calls zu. Auch Ford hatte eine vergleichbare Senke im ersten Quartal 2021, die in der Analyse ebenfalls auf den damaligen Chipmangel zurückgeführt wird. Ab 2021 wurde die EV-Kommunikation zusätzlich durch die Markteinführung des F-150 Lightning getragen, sodass EV-Themen wiederum ungefähr ein Drittel pro Call einnahmen – über weite Teile der Biden-Jahre hinweg. In der Einordnung spielt dabei auch die Förderlogik eine Rolle, etwa Investitionsimpulse für Ladeinfrastruktur und EV-Fertigung sowie Policy-Schwerpunkte entlang der Batterie-Rohstofflieferkette.

Spätestens vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 beginnt Ford laut der Transkript-Auswertung jedoch, EV-Pläne weniger prominent zu machen. Zum Jahresmitte 2024 sei Ford bereits von einigen größeren zeitgenössischen EV-Investitionen zurückgerückt zugunsten eines sogenannten Skunkworks-Projekts, das später in die „Universal Electric Vehicle“-Plattform mündete. Nach dem Amtsantritt von Donald Trump verschiebt sich die Tonlage weiter: In der jüngeren Kommunikation soll CEO Jim Farley mehr Zeit auf handelspolitische Abschottungsansätze und auf die kurzfristige Fokussierung auf margenstärkere Gas-Modelle der F-Series verwendet haben. Um das Ganze nicht wie ein Ausbremsen wirken zu lassen, versucht Ford trotzdem eine Brücke in die Zukunft zu schlagen: Ford-Sprachrohr David Tovar verweist auf den geplanten Launch der Universal-EV-Plattform im nächsten Jahr und nennt als ersten Produktansatz einen midsize Pickup-Truck, der „den Sweet Spot“ aus Kosten, Preis und Technologie treffen soll. Damit bleibt die EV-Perspektive zwar im Produktfahrplan verankert, die Investorendiskussion aber wird erkennbar stärker auf „jetzt“ und „Kapitalrentabilität“ ausgerichtet.

Für die Industrie ist diese Entwicklung weniger eine Frage, ob GM und Ford EVs grundsätzlich aufgeben, sondern wie sie Ressourcen, Narrative und Messgrößen balancieren. EVs sind weiterhin im Portfolio verankert, und beide Konzerne kommunizieren Investitionsabsichten – bei GM sogar konkret über Technologien wie LMR (lithium manganese-rich), um die Profitabilität zu verbessern. Gleichzeitig zeigt die sinkende Sprechfrequenz, dass in Investorengesprächen Themen wie Software- und Services-Wachstum, Autonomie sowie Handels- und Regulierungsrisiken den Taktgeber übernehmen. Das kann Entwicklern und Zulieferern helfen, weil sich daraus stärker als zuvor ableiten lässt, welche Signalwörter in den nächsten Quartalen bei Kapitalmärkten Aufmerksamkeit erzeugen: weniger „EV als eigener Selbstzweck“, mehr EV als Baustein innerhalb einer breiter gedachten Wettbewerbsstrategie. Für Unternehmen, die in der Lieferkette oder im Ökosystem rund um Batterie-, Fertigungs- und Softwaretechnologien arbeiten, bedeutet das konkret, dass die Erfolgsstory künftig stärker über Gesamtprofitabilität, Time-to-Value und Risikoabsicherung erzählt werden muss – nicht nur über Reichweite oder Stückzahlen.

Auch wenn die Zahlen in der Analyse aus Transkriptdaten stammen, lässt sich daraus ein Muster ableiten, das in den kommenden Quartalen politisch und operativ weiter geprüft wird: Wie schnell sich EV-Kommunikation wieder erhöht, hängt davon ab, ob neue Modelle zuverlässig in die Skalierung kommen und ob Förder- und Zollregime den Geschäftsfall stabilisieren. Bis dahin dürften EV-Themen in den Calls zwar präsent bleiben, aber häufiger in den Kontext von Portfolio-Anpassungen, Kostentreibern und Q&A-getriebenen Fragestellungen rutschen. Für Investoren bleibt so weniger die Frage „kommen EVs oder nicht“, sondern eher „welches EV-Profil wird wann wirtschaftlich“ zum entscheidenden Prüfstein.


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