LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass religiöse Symbole im Alltag unbewusst die Vorliebe für Ultra-processed Lebensmittel verschieben können. In mehreren Experimenten erhöhten spirituelle Hinweise die Bereitschaft zu stark verarbeiteten Snacks, selbst wenn die Hinweise nur im Hintergrund laufen. Der Mechanismus wird dabei als „Sicherheitsnetz“-Effekt beschrieben: Glaube an göttliche Heilung senkt das Gefühl von Risiko und hebt Selbstkontrollkonflikte aus. Für Public Health und Marketing ergibt sich daraus ein heikler Zielkonflikt zwischen spirituell gerahmter Gesundheitskommunikation und messbarer Ernährungssicherheit.

Religiöse Andeutungen wirken im Alltag oft wie „Nebengeräusche“: ein bestimmtes Gebet, ein wiederkehrendes Symbol, ein Moment der Andacht. Genau solche kurzen Trigger beschreibt die aktuelle Arbeit als „God salience“ – also die vorübergehende Aktivierung göttlich bezogener Gedanken durch äußere Reize. Die Studie, veröffentlicht in Psychology & Marketing, liefert einen ungemütlichen Befund für Ernährungspsychologie und Consumer-Behavior: Spirituelle Hinweise können den Griff zu ungesunden, stark verarbeiteten Produkten begünstigen, weil sie das Risikoempfinden und die Selbstkontrolle indirekt verschieben.
Der Kernbegriff ist nicht nur kulturgeschichtliche Romantik, sondern lässt sich an klaren psychologischen Schritten festmachen. Das Autorenteam um Ali Gohary (La Trobe University) und Hean Tat Keh (Monash University) betrachtet Ultra-processed foods – industriell formulierte Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen, die typischerweise besonders schmackhaft, günstig und bequem sind. Im Experiment geht es darum, wie Teilnehmer solche Produkte im Vergleich zu „natürlichen“ Alternativen bewerten, sobald göttlich interpretierte Heilungsideen aktiviert werden. Als theoretischer Rahmen dient dabei die kompensatorische Kontrolltheorie: Wenn Menschen Verwundbarkeit oder psychischen Druck spüren, suchen sie häufig externe Ordnungsquellen.
In der Praxis wurden sechs Versuchsreihen kombiniert – von kontrollierten Laboraufbauten bis zu Feld-Settings. Zuerst las eine Gruppe Bibelverse, während eine andere Gruppe neutrale Sätze über Alltagsobjekte erhielt. Danach sahen die Teilnehmenden Bilder von einfachen Ofenkartoffeln und stark verarbeiteten Hash Browns. Der Effekt war selektiv: Die religiöse Lektüre erhöhte die Bereitschaft, gerade die „bekannt ungesunden“ Hash Browns zu essen, während die Vorliebe für die natürlichere Alternative kaum zuwandert. Das ist für die Interpretation wichtig, weil es eher auf eine Neubewertung des Gesundheitsrisikos hindeutet als auf eine generelle Steigerung des Appetits.
Damit der Effekt auch ohne bewusste Verarbeitung sichtbar wird, nutzten die Forschenden einen impliziten Audit-Ansatz. Online-Teilnehmende hörten kurze Ausschnitte: Die eine Hälfte erhielt einen religiösen Weihnachtstitel („Silent Night“), die andere einen säkularen („Deck the Halls“). Anschließend folgten Aufgaben, die wie eine Einkaufssituation strukturiert waren. Wieder zeigten sich Unterschiede in der Auswahl: Wer den religiösen Song hörte, griff stärker zu verarbeiteten Produkten – etwa zu gesüßten Cerealien oder Getränken mit Geschmackszusatz – während die säkulare Gruppe eher zu natürlichem Mineralwasser und schlichten Haferprodukten tendierte. Vergleichbar ist das mit dem, was Marketing-Forschung unter Cue-Priming versteht: Reize lenken Aufmerksamkeit und Bewertung, ohne dass Nutzer zwingend „merken“, warum.
Im nächsten Schritt kam es zu einem realitätsnäheren Feldexperiment in einem Verwaltungsgebäude in Iran. Ein Teil der Teilnehmenden wurde kurz nach der Ausstrahlung des islamischen Gebetsrufs angesprochen, ein anderer Teil erst zwei Stunden später, wenn der spirituelle Reiz verflogen war. Die Auswahl zwischen natürlichen Datteln und verarbeiteten Dattelprodukten fiel deutlich: Direkt nach dem religiösen Ereignis entschieden sich die Teilnehmenden häufiger für die süßen, stark verarbeiteten Datteltrüffel. Hier liefert das Setting einen relevanten Kontext für Unternehmen: Es zeigt, dass solche Effekte nicht zwingend aus dem Labor stammen, sondern in Umgebungen entstehen können, die Menschen ohnehin täglich aufsuchen.
Der Mechanismus lässt sich aus den Messungen zur psychologischen Verarbeitung ableiten. In einer weiteren Versuchsreihe sollten Teilnehmende entweder über Gott oder über ihren Tagesablauf schreiben; danach folgten erneut Kaufentscheidungsaufgaben sowie Fragebögen zu emotionalen Zuständen und spirituellen Überzeugungen. Die Daten sprechen für ein spezifisches Muster: Spirituelle Gedanken erhöhten das Gefühl von göttlicher Präsenz und steigerten damit die Erwartung, dass gesundheitlicher Schaden – falls er eintritt – repariert wird. In der Logik des Experiments verschiebt sich dadurch das interne Konfliktmanagement: „Wenn eine höhere Macht ohnehin heilt, kann ich beim Essen mehr riskieren.“ Ein Ernährungspsychologe würde dazu wohl nüchtern formulieren: „Es geht weniger um das Essen selbst, sondern um die Risikodeutung im Moment der Versuchung.“
Wichtig ist auch, dass die Forschenden Grenzen des Effekts austesten. Nicht jedes stark verarbeitete Produkt besitzt dieselbe „Stigma“-Last. Deshalb variierten sie Produktbeschreibungen für Erdnussmus: Eine Version rahmte die Mischung als ungesund (z. B. mit Cookie-Dough und Schokoladenstücken), die andere als relativ gesund (z. B. mit Whey-Protein und Meersalz). Zusätzlich zeigten sie Videos entweder von einem Prediger oder von einem Maler. Der religiöse Videotrigger steigerte die Attraktivität der ungesunden Variante, aber nicht die der gesund gerahmten. Das spricht dafür, dass die „Sicherheitsnetz“-Logik vor allem dort wirkt, wo ein klares Risikobild aktiviert werden kann.
Für die Markt- und Wettbewerbsseite ergibt sich daraus ein Thema, das weit über Ernährung hinausgeht: Wie schnell lassen sich psychologische Sicherheits-Frames in Kampagnen übertragen, ohne unbeabsichtigte Nebenwirkungen auszulösen? Hier ist der Vergleich zu etablierten Digital-Marketing-Mechaniken hilfreich: So wie personalisierte Empfehlungen in E-Commerce oder Streaming die Bewertung von Inhalten über Kontext verändern, können spirituelle oder symbolische Rahmen in gesundheitsbezogenen Botschaften die Akzeptanz von Risikoobjekten verschieben. Experten erwarten, dass solche Ergebnisse die Diskussion über „Behavioral Nudging“ in Public Health schärfen: Religion darf in Community-Programmen eine Rolle spielen, aber die Botschaften brauchen klare Brücken zu evidenzbasierter Ernährung. Die Studie nennt explizit Implikationen für Public-Health-Kommunikation und sogar für die Gestaltung von Umgebungen in Gemeinschaften oder Retail-Kontexten.
Die Zukunftsfragen sind dabei technisch und empirisch gleichermaßen konkret. Das Autorenteam weist darauf hin, dass die Ergebnisse vor allem monotheistische Glaubensbilder betreffen; andere religiöse Traditionen, in denen stärker eine strafende statt heilende Gottheit betont wird, könnten eher zur Zurückhaltung führen. Künftige Forschung soll daher polytheistische und nicht-deistische Perspektiven systematisch einbeziehen. Ebenso spannend wäre die Verbindung zu realen Einkaufsdaten: Wenn man religiöse Dichte in Regionen mit langfristigen Scanner-Daten korreliert, ließe sich prüfen, ob die kurzfristige Entscheidungsverschiebung in dauerhafte Konsummuster übergeht. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Gesundheitskommunikation skaliert, sollte prüfen, wie stark der Kontext das Risikoverhalten beeinflusst – denn auch „weiche“ Hinweise können messbare Hard-Metrics verändern.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "„God salience“ beeinflusst Kaufentscheidungen: Warum manche zu Ultra-processed greifen" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "„God salience“ beeinflusst Kaufentscheidungen: Warum manche zu Ultra-processed greifen" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »„God salience“ beeinflusst Kaufentscheidungen: Warum manche zu Ultra-processed greifen« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!