BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Tishman Speyer hat für zwei Berliner Büroprojekte Pre-Zertifizierungen des Good Mobility Council erhalten. Der LXK-Campus in Friedrichshain wurde als „Pre-Certified Good Mobility in Platin“ ausgezeichnet, Elements in Berlin-Mitte ging mit „Pre-Certified Good Mobility in Gold“ in die höchste bzw. zweithöchste Bewertungsstufe. Damit rückt Mobilität als fester Bestandteil der Projektplanung in den Mittelpunkt, inklusive umfangreicher Fahrrad- und E-Bike-Infrastruktur. Die Projekte sollen Beschäftigten und Mietern eine spürbar bessere Mobilitäts-Experience bieten.

In Berlin entscheidet sich die Qualität neuer Bürostandorte längst nicht mehr nur an Grundriss, Mieterstruktur oder Energiekennwerten. Mit den jüngsten Pre-Zertifizierungen des Good Mobility Council setzt Tishman Speyer ein Signal: Mobilität wird als Teil der Nutzungslogik verstanden, nicht als nachträgliche Nebenleistung. Konkret betrifft das zwei Standorte, die sich vis-à-vis der Spree befinden und nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen. Für den Betreiber und Entwickler ist das strategisch relevant, weil die Anforderungen der Berliner Mobilitätswende gleichzeitig als Wettbewerbsvorteil im Kampf um qualifizierte Fachkräfte wirken sollen.
Technisch und planerisch zeigt sich die Ausrichtung bei LXK: Der LXK-Campus in Berlin-Friedrichshain erhielt den Platin-Status mit 92 Prozent. Besonders bemerkenswert ist die Entscheidung, das Fahrradparken für die beiden Gebäudeteile in das Erdgeschoss zu verlagern. Damit entsteht eine barrierefreie Erreichbarkeit direkt von der Straße, und zugleich profitieren Flächen von natürlicher Belichtung, die ursprünglich für Einzelhandel vorgesehen waren. Ergänzend sieht die Planung konkrete Bausteine der Nutzerführung vor: Duschen und Umkleiden, Fahrrad-Reparaturstationen, 67 E-Bike-Lademöglichkeiten sowie 17 Stellplätze für Lastenräder. Genau diese Mischung aus Infrastruktur und „End-of-Trip“-Komfort adressiert im Alltag die zentralen Hemmschwellen bei aktiver Mobilität, also etwa Wetter, Zeitaufwand und organisatorische Hürden.
Dass solche Maßnahmen nicht nur gut klingen, sondern in eine Gesamterfahrung übersetzt werden, betont auch die Managementperspektive bei Tishman Speyer. Johannes Schmarje, Managing Director und Head of Berlin, stellt dabei heraus, dass die bewusste Umwidmung hochwertiger Einzelhandelsflächen zugunsten des Fahrrads im Erdgeschoss die Nutzerzufriedenheit steigern kann. Für die Immobilienwirtschaft ist das ein klassischer Trade-off: Statt maximaler Mieteinnahmen aus dem Erdgeschoss steht hier der langfristige Mehrwert durch höhere Attraktivität für Mieter und Beschäftigte im Vordergrund. Die Pre-Zertifizierung setzt zudem einen Rahmen, der Mobilitätsentscheidungen vergleichbar macht, statt sie im Projektjargon verschwinden zu lassen.
Beim zweiten Standort, Elements an der Michaelkirchstraße in Berlin-Mitte, zeigt sich die Strategie als stärker „stadtintegrierte“ Mobilitätslogik. Das Bürogebäude wurde mit Gold bewertet und setzt auf eine barrierefreie Durchwegung des Areals bis zur Uferpromenade an der Spree. Dadurch erhalten Fußgänger aus angrenzenden Bereichen direkten Zugang zum Wasser, während die Wegeführung gleichzeitig den Standort als Teil des urbanen Gewebes positioniert. Im Inneren wird das Fahrradparken in das Untergeschoss gelegt, dort aber über eine überdachte, beheizte Rampe und einen Aufzug erschlossen. Dazu kommen „End-of-Trip-Facilities“, mindestens 12 E-Bike-Ladeplätze und Reparaturstationen, also wieder ein Paket, das den Alltag nach dem Weg zur Arbeit mitdenkt.
Mit der geplanten Jelbi-Station mit Geofencing ergänzt Elements die klassische Infrastruktur um Sharing-Funktionalität. Geofencing kann dabei genutzt werden, um Nutzungszonen oder Ausleihlogiken im direkten Umfeld zu steuern, sodass Sharing-Angebote leichter verfügbar sind und der öffentliche Raum eher geordnet bleibt. Zusätzlich setzt das Projekt auf „Green-Lease-Verträge“ mit Mobilitätsklauseln, die Angebote wie Jobtickets, Dienstrad-Leasing oder Mobilitätsbudgets umfassen. Aus technischer und betrieblicher Sicht ist das relevant, weil solche Klauseln die Nutzerentscheidungen im Mietalltag beeinflussen: Nicht nur die Infrastruktur wird bereitgestellt, sondern auch finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen werden mitgedacht. Für die Berliner Mobilitätswende ergibt sich daraus eine höhere Umsetzungswahrscheinlichkeit, weil die Nachfrage unmittelbar adressiert wird, statt später erst über Kampagnen nachzulegen.
Der Good Mobility Council ordnet die Zertifizierungen explizit als Veränderung des Business Cases in der Immobilienentwicklung ein. Dr. Ingo Kucz betont, Tishman Speyer zeige mit LXK und Elements, wie sich eine erstklassige Mobilitäts-Experience als Standortfaktor verankern lässt: Investitionen in Qualität würden attraktivere Optionen für Mieter und Arbeitgeber schaffen. In ähnlicher Richtung hebt Christian Scheler die planerische Qualität hervor. Seine Aussagen konzentrieren sich unter anderem auf die Umsetzung des Fahrradparkens im Erdgeschoss beim LXK sowie auf die Kombination aus redundanter Fahrrad-Erschließung und einer „angst-raumsensiblen“ Garagengestaltung beim Elements. Genannt wird dabei auch die Implementierung einer Jelbi-Station mit Geofencing – also eine Kopplung aus Nutzerkomfort, Wegführung und digital/operativen Sharing-Regeln.
Damit treffen zwei Ebenen aufeinander: eine städtebauliche und eine nutzungsorientierte. Die Pre-Zertifizierungen wirken wie ein Qualitätsanker, der Planungsentscheidungen messbar und vergleichbar macht – etwa dort, wo es um Kapazitäten wie 67 E-Bike-Lademöglichkeiten am LXK oder um die Kombination aus beheizter Rampe und Aufzug bei Elements geht. Für andere Entwickler und Betreiber in Berlin und darüber hinaus ist das eine Einladung, Mobilitätskonzepte als integralen Teil der Architektur zu behandeln: Verkehrsflächen, Erschließung, Sicherheitsgefühl und „End-of-Trip“-Komfort beeinflussen, ob Menschen tatsächlich umsteigen. Und aus Investorensicht entsteht ein zusätzlicher Hebel: Eine standardisierte Mobilitätsbewertung kann helfen, die Lücke zwischen nachhaltigen Absichten und nachweisbaren Nutzererlebnissen zu schließen.
In der Praxis dürfte entscheidend sein, wie die Standorte nach Fertigstellung betrieben werden. Fahrrad- und E-Bike-Infrastruktur verlangt Wartungs- und Sicherheitsprozesse, und Sharing-Angebote wie Jelbi benötigen eine verlässliche Abstimmung mit dem Umfeld, damit Geofencing nicht zu falschen Nutzungsbarrieren führt. Gleichzeitig zeigen die Projekte, dass das Zielbild nicht nur „mehr Fahrräder“ ist, sondern eine durchgängige Kette: Ankommen, abstellen, umziehen, laden, reparieren und bei Bedarf teilen. Wenn sich solche Konzepte als Standard etablieren, wird Mobilität zunehmend zu einer messbaren Eigenschaft von Büroimmobilien – und weniger zu einem Kommunikationsbegriff.
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