LONDON (IT BOLTWISE) – Hedgefonds haben ihre Short-Positionen im Juli bei Super Micro Computer, CoreWeave und Nebius weiter ausgebaut, obwohl die Titel teils von starken Quartalszahlen profitieren. Laut Hazeltree gehören die drei Werte damit weiterhin zu den am stärksten leerverkauften Aktien im Kundenstamm von mehr als 700 Hedgefonds. Gleichzeitig beschreibt Hazeltree die Lage als differenziert: Bei manchen KI-Infrastruktur-Gewinnern werden Gewinne mitgenommen, während das reine KI-Engagement nicht vollständig aufgegeben wird. Für Marktteilnehmer rückt damit das Risiko eines Short Squeeze rund um anstehende Resultate stärker in den Fokus.

Im Juli hat sich der Ton in vielen KI-Infrastruktur-Orders spürbar verschoben: Während sich der Markt insgesamt abkühlte, wurde ausgerechnet bei mehreren stark beachteten KI-nahe Aktien weiter auf fallende Kurse gesetzt. Wie aus einem Bericht der Datenplattform Hazeltree (Stand 12. August) hervorgeht, bauten Hedgefonds die Short-Positionen bei Super Micro Computer sowie bei CoreWeave und Nebius im Monatsverlauf weiter aus. Für Anleger ist das deshalb bemerkenswert, weil diese Unternehmen gerade nicht „nur“ in der Erwartungshaltung rund um KI-Workloads stehen, sondern operativ sichtbare Wachstumsimpulse liefern können. Genau diese Mischung erhöht die Gefahr, dass Short-Positionen bei positiven Überraschungen unter Druck geraten.
Hazeltree ordnet die Bewegung in einen größeren Kontext ein. Der Bericht stellt fest, dass Super Micro Computer, CoreWeave und Nebius bereits im Juni zu den am stärksten leerverkauften Titeln im Hazeltree-Kundenstamm zählten, die Short-Positionierung im Juli aber bei allen drei Werten weiter zunahm. Gleichzeitig verlor der Philadelphia Semiconductor Index im Juli insgesamt rund 20 Prozent, der KOSPI-Index in Südkorea rund 22 Prozent – jeweils der stärkste Monatsrückgang seit 2008. In so einem Umfeld verschieben viele Fonds Risikobudgets, und zwar nicht nur zwischen Sektoren, sondern auch innerhalb derselben Trend-Gruppen. Hazeltree beschreibt zudem ein differenziertes Verhalten: Gewinne bei den größten Profiteuren der KI-Infrastruktur wurden offenbar teils realisiert, ohne den jeweiligen Trade vollständig zu schließen. Dadurch kann Kapital in Titel fließen, bei denen Monetarisierungs-Anzeichen erkennbar sind, während das generelle KI-Exposure nicht zwangsläufig komplett reduziert wird.
Besonders greifbar wird die Spannung bei Super Micro Computer. Das Unternehmen legte am 11. August Zahlen für das vierte Fiskalquartal vor: Das EPS lag bei 1,62 US-Dollar, nach Erwartung von 0,923 US-Dollar je Anteilsschein. Beim Umsatz stieg der Wert um 93 Prozent auf 11,12 Milliarden US-Dollar, allerdings verfehlte er die Konsensprognose von 11,6 Milliarden US-Dollar nur knapp. Auf das nächste Geschäftsjahr blickte das Unternehmen mit einer Umsatzrange von 65 bis 72 Milliarden US-Dollar, parallel kamen im Quartal Neubestellungen von mehr als 60 Milliarden US-Dollar zusammen. Entscheidend ist dabei die Unsicherheit im Hintergrund: Der Verwaltungsrat führt eine unabhängige Prüfung bestimmter Transaktionen im Zusammenhang mit Exportkontrollfragen durch, deshalb gelten die Zahlen als vorläufig und ungeprüft. Solche Prüfungen können die Bewertungslogik verändern – etwa über Diskontierung, Risikoaufschläge und die Frage, wie belastbar operative Annahmen sind – selbst wenn die operativen Kennzahlen kurzfristig stark wirken.
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in der Kursreaktion wider. Super Micro Computer gab an der NASDAQ am Montag um 3,9 Prozent auf 38,28 US-Dollar nach und notierte am Dienstag vorbörslich rund 3,74 Prozent tiefer bei 36,85 US-Dollar. Der Analystenkonsens bleibt dabei neutral: 16 erfasste Häuser reihen die Aktie im Durchschnitt in ein neutrales Gesamtbild ein, darunter drei Kaufempfehlungen, elf „Hold“-Einstufungen und zwei Verkaufsempfehlungen; das mittlere Kursziel liegt bei 40,85 US-Dollar. Konkrete Institute wie JPMorgan, Northland Securities, Citi und Bernstein hielten im Zeitraum vom 12. bis 17. August ebenfalls an „Hold“-Einstufungen mit Kurszielen zwischen 39 und 45 US-Dollar fest. Für die Short-Seite bedeutet das: Der Markt wartet nicht nur auf weitere operative Ergebnisse, sondern auch darauf, ob die Exportkontrollprüfung zu Anpassungen in der Kommunikation, in der Planung oder in der Risikoabschätzung führt.
Während Super Micro Computer als Hardware-nahes Signal wirkt, zeigen CoreWeave und Nebius, wie das Short-Interesse gerade bei KI-Cloud- und Infrastrukturwerten funktioniert. Nebius, ein Anbieter von KI-Cloud-Infrastruktur, traf im zweiten Quartal 2026 eine deutlich positive Entwicklung: Der Umsatz sprang um 454 Prozent auf 582,3 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA lag bei plus 236,2 Millionen US-Dollar, entsprechend einer Marge von 41 Prozent. Zudem verkürzte Nebius die Amortisationszeit neuer Kapazitätsverträge auf unter zwei Jahre und meldete vier neue Großabschlüsse mit einem durchschnittlichen Gesamtvertragswert von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. An der NASDAQ verlor die Aktie am Montag 3,2 Prozent auf 268,85 US-Dollar und gab vorbörslich am Dienstag weitere 1,22 Prozent auf 265,56 US-Dollar nach. Hazeltree verknüpft diese Dynamik mit dem Beispiel eines prominenten Short-Sellers: Michael Burry hatte seine Position bereits am 6. August öffentlich gemacht und sie nach dem Kurssprung durch die Quartalszahlen bei rund 247 US-Dollar aufgestockt, parallel zu Shorts in Oracle und Micron Technology. Genau diese Form von „High-Conviction“-Short kann besonders anfällig für Short Squeezes sein, wenn gleichzeitig operative Verbesserungen weiter eintreten.
CoreWeave ergänzt das Bild aus einer zweiten Perspektive: Als Anbieter von Cloud-Infrastruktur für KI-Workloads übertraf das Unternehmen am 11. August die Schätzungen für das zweite Quartal. Hazeltree führt das als Beispiel dafür an, dass bei stark leerverkauften Werten auch ein Short-Squeeze-Risiko entstehen kann. Die Aktie stieg am Montag an der NASDAQ um 0,7 Prozent auf 106,00 US-Dollar, fiel aber am Dienstag vorbörslich um 3,96 Prozent auf 101,80 US-Dollar zurück. Damit bleibt die Logik im Markt aktiv: Kurzfristig können gute Zahlen Short-Positionen unter Druck setzen, gleichzeitig werden bei Marktvolatilität häufig weitere Absicherungen aufgebaut, weil Risikomodelle und Kursannahmen nicht zwingend mit der operativen Schlagkraft übereinstimmen. Für Super Micro Computer steht als nächster Termin der Bericht zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 am 3. November 2026 im Kalender, der auch zeigen dürfte, ob die laufende Prüfung des Verwaltungsrats zu Exportkontrollfragen Auswirkungen auf die Geschäftszahlen hat.
Für das Pricing rund um KI-Engagements heißt das: Anleger sollten Short-Daten nicht als isoliertes Sentiment lesen, sondern als Hinweis darauf, wie stark Marktteilnehmer Katalysatoren und Volatilitätsrisiken einpreisen. Der Hazeltree-Bericht deutet zudem an, dass Hedgefonds bei KI-Wetten nicht zwingend „entweder komplett raus oder komplett rein“ agieren, sondern Gewinne mitnehmen, Risiko reduzieren und gleichzeitig einzelne Teile des Exposures weiterlaufen lassen. Genau dort können sich die nächsten Ausschläge bilden – sobald neue Quartalsdaten, Guidance-Änderungen oder regulatorisch geprägte Prüfungen die Unsicherheit neu bewerten. Die kommenden Hazeltree-Erhebungen werden zeigen, ob die Short-Positionen bei den drei Werten weiter steigen, sich stabilisieren oder auf die Nachrichtenlage reagieren.
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