QUANTICO, VIRGINIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Verteidigungsminister Pete Hegseth hat sechs Initiativen angekündigt, die die US-Streitkräfte deutlich in Richtung KI-, Robotik- und Drohnenkrieg bewegen sollen. Im Zentrum steht ein neues Autonomous Warfare Command (Auto WarCom), das autonome Fähigkeiten schneller einkaufen und ausrollen soll. Zusätzlich soll Project Meridian die zukünftigen Kampffelder und benötigten Systeme untersuchen, begleitet von Tech-Unternehmern. Nebenbei startet Hegseth mit „Fortress America“ eine Versorgungs- und Energie-Resilienzstrategie für Standorte, Satelliten und Funkfrequenzen.

Hegseth startet Auto WarCom und Project Meridian für autonome Kriegsführung
Hegseth startet Auto WarCom und Project Meridian für autonome Kriegsführung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die angekündigten sechs Initiativen sind vor allem eins: eine organisatorische Neuverkabelung zwischen Beschaffung, Betrieb und technologischer Erprobung. Hegseth stellte im Rahmen einer Rede an Truppen am Marine Corps Base in Quantico, Virginia, ein Konzept in den Mittelpunkt, das autonome und robotische Fähigkeiten nicht als spätes „Upgrade“ betrachtet, sondern als durchgängige Fähigkeitslinie. Damit verschiebt sich der Fokus weg von Einzelbeschaffungen hin zu skalierbaren Systemen, die in realen Einsätzen schnell iteriert werden können. Das ist politisch wie operativ bedeutsam, denn Tempo wird in der militärischen Technologie oft zum eigentlichen Engpass: Wer zu langsam kauft, trainiert oder weiterentwickelt, kann eine überlegene Plattform nicht dauerhaft ausspielen.

Technisch greift Auto WarCom genau an dieser Stelle an. Hegseth beschreibt den neuen Kommandorahmen als Ausbau und Skalierung autonomer und robotischer Fähigkeiten über die Streitkräfte hinweg. Auffällig ist dabei, dass das Konzept das „Drone Dominance“-Programm aus dem Vorjahr als Beschleuniger nutzt und die Beschaffung sowie den Einsatzprozess stärker verzahnen will. Wenn er von einer „schnellsten Friedensverschiebung“ in der modernen Militärgeschichte spricht, geht es weniger um eine einzelne Drohne, sondern um eine Wiederholschleife aus Daten, Entscheidungen und Systemanpassung: Ziel ist, dass Kriegsflieger und Ingenieure gemeinsam lernen, Varianten testen und Anforderungen an die Mission kurzfristig nachschärfen. Für die Praxis heißt das, dass KI-gestütztes Targeting, autonome Flug- und Entscheidungslogiken sowie Robotik-Funktionen als integrierte Kette gedacht werden, statt als lose Module.

Gleichzeitig wirkt Project Meridian wie der Versuch, die Technologie-Roadmap vom Tagesgeschäft zu entkoppeln, aber mit starker externer Gravitationskraft zu koppeln. Hegseth hat dafür Elon Musk, Palmer Luckey und den ehemaligen House Speaker Newt Gingrich als Leitung genannt und ein Ergebnis in 120 Tagen eingefordert. Der Kern liegt laut Rede weniger in neuen Strategien oder Policies, sondern in der kreativen Identifikation der Domänen, die in der Zukunft „erobert“ werden müssen, sowie der Fähigkeiten, die dafür beherrscht werden sollen. In der IT-Welt lässt sich dieses Vorgehen als „Exploration-Phase“ verstehen: Man will Annahmen über zukünftige Einsatzräume testen, bevor konkrete Systementscheidungen festgezurrt werden. Für Unternehmen, die an Sensorik, Autonomie-Software, Robotikkomponenten oder Kommunikationsinfrastrukturen arbeiten, ist das auch deshalb relevant, weil solche Initiativen häufig neue Ausschreibungsschwerpunkte und Schnittstellen definieren.

Zu den weiteren Punkten gehört ein Resilienz-Programm unter dem Namen „Fortress America“. Hier geht es nicht primär um Waffenlogik, sondern um Infrastruktur: Jede militärische Installation in den USA soll eigenen Strom unabhängig vom zivilen Energienetz erzeugen, außerdem sollen kritische Materialien im Inland abgebaut und raffiniert werden. Ergänzend nennt Hegseth eine strategische Reserve, die Munition, Treibstoff, Medikamente und Blut umfasst, und außerdem die Sicherung von Funk, Satelliten und dem für Kommunikation notwendigen Spektrum. Genau diese Kombination ist in technologischer Hinsicht ein Hinweis darauf, dass Autonomie im Einsatz immer auch an „Connectivity“ hängt: Wenn Datenflüsse, Funkverbindungen und Timing-Informationen ausfallen oder degradieren, wird selbst die beste KI-Planung wertlos. Dazu passt auch die Aussage, man müsse einsatzfähige Mengen an Drohnen schaffen, um die begrenzten Bestände teurer Elite-Waffen zu entlasten. Ukraine-Beispiele dienen in der Rede als Argumentationsfolie dafür, dass ein Zweckbau-System Anpassungsfähigkeit maximieren soll.

Ein weiterer Baustein zielt auf Standort- und Ausbildungsstrukturen. Hegseth sagte, dass die USA seit 40 Jahren kein neues Militärbasisprojekt realisiert hätten, und forderte die Gouverneure der Bundesstaaten auf, sich an einer transparenten Ausschreibung für eine neue Basis zu beteiligen, die zwischen 15.000 und 25.000 Soldaten aufnehmen könne. Er sprach dabei von „hunderten von tausenden Acres“ mit organischer Energieerzeugung, modernen Luftverteidigungsfähigkeiten und „cutting-edge tech“. Parallel will er die Offizierspipeline erweitern: Die drei Militärakademien in West Point, Annapolis und Colorado Springs seien zwar zentral, aber das Militär brauche zusätzlich Offiziere aus weiteren akademischen Institutionen. Als Startpartner nennt er Louisiana State University, Liberty University, Tuskegee University, Mississippi State University und Hillsdale College für „America’s Corps of Cadets“, wobei zusätzliche Universitäten angekündigt werden sollen.

Abgerundet wird das Paket durch eine organisatorische Frage, die zunächst wenig mit Drohnen zu tun hat, aber in der Umsetzung stark auf den Alltag von Einheiten wirkt: religiöse Unterstützung. Hegseth betonte, 95% der US-Truppen identifizierten sich als religiös, und viele müssten ihre Glaubensgemeinschaften beim Eintritt in die Streitkräfte verlassen. Er fordert „first-class religious support“ an jedem Einsatzort und kündigte an, dass der bisherige Fokus auf Papierkram bei Chaplains ein Ende habe. Das wirkt wie ein Signal für Personalpolitik und betont, dass Transformation nicht nur aus Technik-Programmen besteht, sondern auch aus Betreuung, Kultur und Akzeptanz im Betrieb. Für die IT- und Engineering-Seite bleibt die entscheidende Frage, wie schnell Auto WarCom eine sichere, robuste und iterierbare Autonomie-Infrastruktur in die Fläche bringt und wie stark Project Meridian die Prioritäten im Systemdesign bereits innerhalb von 120 Tagen spürbar umkrempelt.


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