LEINFELDEN BEI STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – HENSOLDT plant ein neues Kompetenzzentrum für Software-Defined Defence und Engineering in der Region Stuttgart. Das Vorhaben soll etwa 300 neue Arbeitsplätze schaffen und setzt auf Software- und Datenarchitekturen für flexible, souveräne Verteidigungssysteme. Für den Ausbau arbeitet das Unternehmen mit Bosch zusammen, unter anderem durch die Anmietung von Flächen am Bosch-Standort in Leinfelden. Gleichzeitig will HENSOLDT Entwicklungsprozesse und Multi-Domain-Fähigkeiten rund um die Software-Suite MDOcore in den Standort holen.

HENSOLDT verlagert einen Teil seines Wachstums in die Region Stuttgart: In Leinfelden bei Stuttgart soll ein neues Entwicklungszentrum entstehen, das auf Software-Defined Defence und Engineering fokussiert ist. Damit verbindet das Unternehmen den in der Verteidigungsindustrie immer stärker sichtbaren Trend, Systeme über Software-Architekturen zu aktualisieren und schneller an neue Anforderungen anzupassen, mit einem konkreten Standort- und Personalplan. Die Maßnahme ist dabei nicht nur als „mehr Fläche“ gedacht, sondern als Kompetenzaufbau entlang mehrerer Disziplinen, die in modernen Verteidigungslösungen zusammenlaufen.
Zentral ist die geplante Größenordnung: HENSOLDT will für das Projekt rund 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Besonders adressiert wird dabei der Fachkräftemarkt, denn das Unternehmen will gezielt spezialisierte Mitarbeitende gewinnen und integrieren – explizit auch aus dem Sektor der Automobilindustrie. Die Begründung ist technisch und strategisch zugleich: Software-Defined Defence benötigt leistungsfähige Software- und Datenarchitekturen, die sich in komplexe, souveräne Verteidigungssysteme integrieren lassen. Genau diese Schnittstelle zwischen Software-Engineering und Systementwicklung soll in Leinfelden aufgebaut werden.
Um den Einstieg schneller zu ermöglichen, geht HENSOLDT eine Kooperationsvereinbarung mit Bosch ein. Im Zuge der Zusammenarbeit plant HENSOLDT die Anmietung freier Flächen in einem bestehenden Gebäude, das dem Bosch-Standort in Leinfelden bei Stuttgart zugeordnet ist. Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: vorhandene Infrastruktur kann genutzt werden, und die Nähe zu qualifizierten Arbeitskräften reduziert Reibung beim Rekrutierungsprozess. Zusätzlich soll Bosch-bezogenes Know-how in der System- und Softwareentwicklung sowie in der Elektrotechnik in die neuen Rollen bei HENSOLDT einfließen, wobei sich qualifizierte Bosch-Mitarbeitende auf die Positionen bewerben können.
Mit Blick auf die technische Ausrichtung steht in Leinfelden vor allem der Aufbau von Software-Architekturen für vernetzte und updatefähige Verteidigungssysteme im Vordergrund. Daneben geht es um die Weiterentwicklung von Entwicklungsprozessen, die in der Automobilentwicklung etabliert sind – also um Arbeitsweisen, die auf wiederholbare Releases, klare Schnittstellen und robustere Integration über Team- und Domänengrenzen hinweg setzen. Aus Unternehmenssicht ist das auch der Weg zu softwarebasierten Multi-Domain-Fähigkeiten: Für die Software-Suite MDOcore sollen Fähigkeiten entwickelt, integriert und später industrialisiert werden. Gerade hier trifft klassische Entwicklungsarbeit auf die Anforderungen, die sich ergeben, wenn unterschiedliche Domänen im Betrieb miteinander kommunizieren müssen.
Der Standort soll damit nicht nur an einem Produkt arbeiten, sondern Kapazitäten für die gesamte Entwicklungs- und Engineeringkette schaffen. HENSOLDT beschreibt, dass Personal entlang der Wertschöpfungskette benötigt wird – primär in Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik. Die Begründung liefert der Kontext aus dem Markt: Aufgrund der hohen Nachfrage in der Verteidigungsindustrie baut das Unternehmen derzeit seine Liefer- und Produktionskapazitäten aus und sucht gleichzeitig neue Fachkräfte. Diese Kombination aus Kapazitätserweiterung und Standortverankerung ist typisch für Firmen, die nicht nur Projekte verlängern, sondern mittelfristig neue Entwicklungszyklen stabilisieren müssen.
Auch die Personalplanung zeigt, wie stark der Recruiting-Fokus bereits jetzt ist. Für das Jahr 2025 nennt HENSOLDT rund 1.200 Neueinstellungen; für 2026 sind etwa 1.600 weitere Neueinstellungen geplant, vornehmlich in Deutschland. Innerhalb der Organisation gilt offenbar ein Wachstumspfad mit mehreren Standorten: Ulm, Oberkochen/Aalen sowie Immenstaad am Bodensee werden als Regionen mit starkem Wachstum benannt. In diese Dynamik fügt sich Leinfelden ein – mit einem klaren Vorteil für den Engineering-Bereich, weil durch die Bosch-Anmietung zugleich schnell startbare Arbeitsumgebungen verfügbar sind und der Transfer von Know-how aus verwandten Industrien erleichtert wird.
Für Unternehmen und Zulieferer in Baden-Württemberg bedeutet das Vorhaben vor allem eines: Software-Engineering wird in der Verteidigung weiter zur strukturprägenden Kompetenz. Wer bereits Erfahrung mit updatefähigen Systemen, sauberer Architekturdisziplin und integrierten Entwicklungsprozessen mitbringt, findet damit neue Job- und Kooperationspfade – auch über traditionelle Branchen hinweg. Für HENSOLDT wiederum ist der Schritt mehr als Personalbeschaffung: Er schafft eine lokale Basis, um MDOcore und angrenzende Entwicklungsarbeiten an einem Standort zu bündeln, der auf Softwarearchitektur, Systemintegration und Multi-Domain-Ansätze ausgerichtet ist. Ob sich daraus ein nachhaltiger Standortvorteil ergibt, wird sich daran zeigen, wie schnell der neue Kompetenzmix in wiederholbare Liefer- und Entwicklungszyklen überführt werden kann.
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